Berliner Zeitung: DEMOS IN BERLIN – Mohammed-Karikaturen vor Moscheen


Von Andreas Kopietz

Auch im Kölner Stadtteil Ehrenfeld demonstrierten die Rechtspopulisten schon mit islamfeindlichen Parolen. Nun werden sie in Berlin aktiv. (Foto: dpa)

Sowohl Islamhasser als auch Islamisten werden am kommenden Wochenende in Berlin aufmarschieren. Die Polizei erwartet deshalb einen Großeinsatz. Aus eigener Kraft kann sie die vielen Demonstrationen nicht beschützen.

Wie bereits im Juli berichtet, will die islamfeindliche Partei Pro Deutschland am kommenden Sonnabend und Sonntag in Berlin vor Moscheen und linken Szene-Treffpunkten Kundgebungen abhalten. Das Motto: „Der Islam gehört nicht zu Europa – Islamisierung stoppen!“

Pro Deutschland rechnet nach eigenen Angaben mit 50 bis 100 Teilnehmern, die mit Bussen zu den Kundgebungsorten gebracht werden: erst zur As-Sahaba-Moschee in der Weddinger Torfstraße, dann zur Al-Nur-Moschee in der Neuköllner Haberstraße und vor die Daressalam-Moschee in der Neuköllner Flughafenstraße. Erstere beide Moscheen sind laut Verfassungsschutz Zentren radikal-islamischer Salafisten.

Der Salafismus ist eine radikale Strömung des Islam.

Salafisten fordern, sich auf die ursprünglichen Quellen, den Koran und die Sunna, die Überlieferungen des Propheten Muhammads sowie das Islamverständnis seiner Gefährten zurückzubesinnen, die „salaf-as-salih“. Theologische Weiterentwicklungen lehnen die Salafisten ab.

Der Verfassungsschutz unterscheidet zwischen politischem und dschihadistischem Salafismus. Während die politische Strömung sich auf Missionierung beschränkt, glauben die Anhänger des „dschihadistischen“ Salafismus hingegen, ihre Ziele auch mit Gewalt umsetzen zu können.

In letzter Konsequenz fordern die Salafisten die Errichtung eines islamischen Gottesstaates und die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts- und Normensystems.

Auf der Internetseite von Pro Deutschland ist auch die Rede von einer zweitägigen Karikaturenausstellung. Nach Darstellung von Bundesgeschäftsführer Lars Seidensticker ist damit gemeint, dass man vor den Moscheen jene Mohammed-Karikaturen zeigen will, die in der islamischen Welt für Aufruhr gesorgt hatten. Bei ähnlichen Kundgebungen war es im Mai in Solingen und Bonn zu schweren Ausschreitungen zwischen radikal-islamischen Salafisten, die sich davon provoziert fühlten, und der Polizei gekommen.

Demos in Sichtweite

Am Sonntag wollen die Rechtspopulisten auf einer „freiheitlichen Stadtrundfahrt“ verschiedene „politische Brennpunkte“ ansteuern: das Rathaus Kreuzberg, die europaweit bekannte Linksautonomen-Hochburg Köpi in der Köpenicker Straße in Mitte, die Warschauer Brücke, wo in der Nähe ein Hausdach mit der Parole „Deutschland verrecke“ beschmiert ist, und die Liebig-, Ecke Rigaer Straße in Friedrichshain, wo mehrere linke Wohnprojekte sind. Schließlich soll noch der Ernst-Reuter-Platz angefahren werden, weil dort ein islamischer Mietvertrag für ein Haus unter anderem den Verkauf von Alkohol und Schweinefleisch verbietet.

Mit Themen wie „Bunt statt braun“ oder „Für Toleranz und Demokratie“ wurden zu allen Pro-Deutschland-Veranstaltungen bei der Polizei Gegenkundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmern angemeldet, darunter vom Bürgermeister des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne).

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