bnr.de: Militante braune Terrorbande


Mit der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) ist seit Donnerstag eine der ältesten „Kameradschaften“ Deutschlands verboten. Mit Gewaltdelikten und Bedrohungen hat sich die Neonazi-Gang seit Jahren hervorgetan, gegen politische Gegner, aber auch gegen Polizisten, Journalisten, Aussteiger. Beschlagnahmt worden sind Waffen, Nazi-Devotionalien und rund 700 Euro.

Beschlagnahmte Waffen bei den KAL-Razzien; Photo: M.K.

Der KAL-Führungskader Denis U. war der Erste, dem die Behörden die 66-seitige Verbotsverfügung aushändigten. Gegen 5.30 Uhr am Donnerstagmorgen betraten Polizisten dessen Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg. U. sitzt wegen verschiedener Delikte derzeit in Haft. Auch seine Zelle wurde durchsucht. Polizeikreisen zufolge fanden die Beamten bei U. ein Blatt Papier, auf dem der Student ein Wappen für die KAL entworfen haben soll. Eine Raute mit dem Kürzel der Neonazi-Bande vor einem dadurch leicht verdeckten Hakenkreuz, darüber die nationalsozialistische Losung „Blut & Boden“.

Seit vielen Monaten forderten Kommunen, Behörden und Initiativen ein Verbot der KAL. Aus Szenekreisen hieß es vor Wochen noch, die KAL lasse sich davon nicht beirren. Ungeachtet der Forderung mache die Gruppe weiter wie bisher, fast schon trotzig löse man die KAL nicht zum Schein auf oder komme mit einem Namenswechsel einem Verbot zuvor, hieß es weiter dazu. Doch am 23. August setzte das nordrhein-westfälische Innenministerium der Gruppe ein Ende, gemeinsam mit dem Verbot des „Nationalen Widerstands Dortmund“ und dem der „Kameradschaft Hamm“ (bnr.de berichtete http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/zerschlagene-neonazi-strukt…).

Verbotsverfügung an früheren NPD-Kreischef

Die Polizei durchsuchte im Raum Aachen, Düren und Heinsberg 48 Wohnungen und Haftzellen, händigte insgesamt 46 Neonazis eine Verbotsverfügung aus. Nicht nur in der JVA Siegburg wurden sie deswegen vorstellig, auch zwei derzeit in den JVA Aachen und Düsseldorf inhaftierte „Kameraden“ erhielten Polizeibesuch. Verbotsverfügungen wurden auch dem für die NPD in den Dürener Kreistag gewählten Neonazi und früheren NPD-Kreischef, Ingo Haller (Niederzier), (bnr.de berichtete www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/kal-verbotsverfuegung-an-ex-npd-fu…) sowie René Laube aus Vettweiß-Kelz (Kreis Düren) ausgehändigt. Der einschlägig verurteilte „Kameradschaftsführer“ Laube war bis 2010 einer von Hallers Stellvertretern im NPD-Kreisvorstand.

Die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) wurde 2001 ins Leben gerufen, allerdings gab sie seit geraumer Zeit selbst an, erst 2002 gegründet worden zu sein. Ihre Mitstreiter waren durch zahlreiche Straftaten wie Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Propagandadelikte, Bedrohungen und Volksverhetzungen aufgefallen. Mehrere aktive und ehemalige Mitglieder blickten auf zahlreiche Verurteilungen vor Gericht und sogar Haftstrafen zurück. KAL-Anhänger fielen zudem schon wegen einer Geiselnahme und Sprengstoffdelikten auf.

Unverhohlen den Nationalsozialismus glorifiziert

Auch wenn die KAL zeitweise im Kreis Aachen besonders aktiv war, orientierte sich das „Aachener Land“ im Namen an dem alten Landkreis Aachen, zu dem auch die Kreise Düren und große Teile des Kreises Heinsberg gehören. So verorteten die Behörden denn auch lange den Schwerpunkt der KAL-Aktivitäten im Kreis Düren, in den letzten Jahren trat die KAL zudem vermehrt mit Sprühaktionen und Gewalttaten im Raum Heinsberg in Erscheinung. Die KAL organisierte gemeinsam mit der NPD und anderen Neonazis zudem Aufmärsche in der Region und Treffen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden und konspirativ vorbereitet wurden.

Den Nationalsozialismus glorifizierte die KAL dabei meist unverhohlen. Wiederholt war es rund um den 20. April („Führers Geburtstag“) zu Sprühaktionen der KAL gekommen, in denen Adolf Hitler gehuldigt respektive ihm „gratuliert“ wurde. Auch auf ihrer Internetseite „gratulierte“ die KAL Hitler schon auf strafrechtlich relevanter Weise anlässlich des „Führer-Geburtstags“. Unterdessen steht die auf einem Server im Ausland liegende Homepage der KAL wegen zahlreicher solcher Delikte auf dem Jugendschutzindex und ist über Internet-Suchmaschinen nicht mehr auffindbar.

Während die Polizeiaktionen in den drei Haftanstalten um 5.30 Uhr begannen, klingelten die ersten Ermittler bei den anderen KAL-Mitgliedern erst gegen 6.00 Uhr. Rund 220 Polizisten waren Einsatz. 22 Objekte in der Städteregion Aachen, eine Wohnung in Köln, acht im Kreis Düren und elf im Raum Heinsberg wurden durchsucht. Hinzu kamen die Aktionen in den drei Haftanstalten und eine Hausdurchsuchung in Kleve. Beschlagnahmt wurden dabei Schreckschuss- und Gaswaffen, Luftgewehre, nicht scharfe Dekorationswaffen, Sturmhauben, Hieb- und Stichwaffen, ein Morgenstern, Schlagwaffen, pyrotechnische Gegenstände und Chemikalien, Computer, Mobiltelefone und bei einem Mann sechs Cannabispflanzen.

Auch ohne Gruppenstatus weiter aktiv

Einer der Neonazis randalierte nach der Razzia noch vor dem Präsidium des polizeilichen Staatsschutzes in Aachen, um die Herausgabe seines Computers zu erzwingen. Laut Polizei wurden zudem rund 700 Euro beschlagnahmt, Geld, das die Behörden bei der Razzia vorfanden und als Vereinskasse der KAL einstufen. Zu Verhaftungen kam es nicht. Eingezogen wurden jedoch auch Kleidungsstücke mit dem KAL-Logo sowie die „T-Hemden“ der Mitglieder, auf deren Rücken ein Logo mit vermummten Kämpfern mit Sturmgewehren sowie dreiarmigen Hakenkreuzen aufgedruckt ist. Sowohl das Tragen des T-Shirts, als auch das Zeigen des alten Logos der KAL, ein Keltenkreuz mit einem durchschimmernden SS-Totenkopf, ist den Mitgliedern nun untersagt.

Die auf dem Server im Ausland liegende Homepage der KAL wurde am Donnerstag ungeachtet der Großrazzia aktualisiert. Zum Verbot schrieb die Neonazi-Bande einen höhnischen und offen drohenden Kommentar: „Wir sind verboten. Na und?“ Man bleibe auch ohne Gruppenstatus weiter aktiv und werde künftig „viele Aktionsformen“ nutzen. Die Mitglieder würden nun „alle schön verstreut“ und „versprengt“ aktiv sein, „und niemand hat mehr die Kontrolle über die einzelnen Akteure. […] Willkommen im Chaos. Viel Spaß damit!“ Für den Anfang will die rechte Szene am Samstag offenbar in Düren die Muskeln spielen lassen und eine Kundgebung abhalten.

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