Amerikanisches Nationalarchiv – Historische Aufnahmen des Ku-Klux-Klans


 

Eine ganze Reihe von Kinofilmen setzte sich mit dem rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan auseinander. Der berühmteste Film in diesem Zusammenhang ist das Hollywood-Drama „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“ aus dem Jahr 1988 mit Gene Hackman und Willem Dafoe in den Hauptrollen. Doch wirklich authentisches Material zu der Organisation gibt es kaum.

Während unserer Recherchen für den report MÜNCHEN Beitrag über den Ku-Klux-Klan in Deutschland durchstöberten wir zahlreiche Archive auf der Suche nach Filmen. Die interessanten Ausschnitte fanden wir im amerikanischen Nationalarchiv in der Nähe von Washington. Hier lagern mehrere hunderttausend Filmrollen, darunter auch einige Filmmeter mit Szenen zum Ku Klux Klan.

Die schwarzweißen Aufnahmen wurden vermutlich in den amerikanischen Südstaaten vor 1950 für eine amerikanische Wochenschau gedreht. Zu dieser Zeit hatte der Klan in Staaten wie Georgia oder Florida zahlreiche Anhänger. Nähere Informationen zu dem Material liegen nicht vor.

Die beklemmend wirkenden historischen Aufnahmen zeigen Aufmärsche, Kreuzverbrennungen und die Aufnahme von neuen Klanmitgliedern.

Unterwegs in AmerikaDas Interview mit dem Rechtsextremisten Tom Metzger

Autor: Pia Dangelmayer
Ortsschild | Bild: BR

Felder. Kilometerweit. Dazwischen ein paar Silos, ein amerikanisches Holzhaus: Wie vom Himmel gefallen. Eben noch stand ich in Chicago am Lake Michigan. Den Blick auf die Skyline der Stadt gerichtet, in der es in den 60er Jahren schwere Rassenunruhen gab, harte Auseinandersetzungen zwischen Schwarz und Weiß.

Und jetzt wieder Felder, es ist weiß draußen, in den letzten Tagen muss es geschneit haben. Ich bin unterwegs nach Warsaw, einer kleinen Stadt im US-Bundesstaat Indiana, gerade mal zwei Stunden von Chicago entfernt. Ich bin unterwegs zu Tom Metzger: Einem Rechtsextremen, den sie hier den Paten der rassistischen Skinhead-Szene nennen. Ein ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer. Ein Vordenker der weißen Rasse. Ein Rassist. Einer, dessen Ideologie möglicherweise eines der Vorbilder für den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) war, jenes Zwickauer Terrortrio, das 13 Jahre lang im Untergrund lebte, Zuwanderer und eine Heilbronner Polizistin in Deutschland ermordete.

Gealterter Rassist

In sein Haus dürfen wir nicht – Privatsphäre. Metzger hat Angst vor Unterwanderung, nur wenige Menschen dürfen auf sein Grundstück. Wir verabreden uns an einem kleinen See, am Rande von Warsaw, einer typisch amerikanischen Kleinstadt: Neben dem Rathaus ein Panzer als Kriegsdenkmal, die Innenstadtstraßen von roten Backsteingebäuden gesäumt, überall amerikanische Flaggen. Der Traum von Freiheit, gepresst in Provinzialität. Hier ist Tom Metzger aufgewachsen, hierher ist er zurückgekehrt, in sein Elternhaus.

Hand mit Hakenkreuz-Ring | Bild: BR

Er sieht aus, wie auf den Fotos im Internet: Schwarze Bomberjacke, dunkelbrauner Cowboyhut auf der rasierten Glatze, an den Fingern zwei Ringe: Einer mit Wolfskopf, einer mit einem Wikingerkopf, eingerahmt von SS-Runen und einem Hakenkreuz. Dazu trägt Metzger feste, orthopädisch wirkende Stiefel. Metzger ist 74: So sieht also ein gealterter Rassist aus.

Für das Interview haben wir einen kleinen Raum in der städtischen Bibliothek gemietet. Kein Problem für Metzger. In Amerika gilt Redefreiheit, man weiß hier, wie er denkt, toleriert es, grüßt freundlich. Und er fällt kaum auf: Es ist Nationaler Hut-Tag – alle in der Bibliothek tragen Hut.

Parallelen zum NSU

Metzger soll uns von seinem Konzept der „leaderless resistance“ erzählen, der Idee des führerlosen Widerstands. Diesen gibt es in Form des einsamen Wolfes oder als Zellenstrategie: Maximal drei Personen, die sich schon lange kennen, einander vertrauen, aber nach außen nicht als Rechtsextreme auftreten, sondern ein scheinbar ganz normales Leben führen, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Die Parallelen zum NSU sind frappierend. Und sie sind nicht rein zufällig, glauben deutsche Ermittler. Das sieht auch Metzger so. Nur mit dem Ergebnis ist er nicht zufrieden: Es sei nicht gut, wenn so junge Menschen ihr Leben dahin geben, sie hätten weiter üben, auf den richtigen Moment warten sollen, dann, wenn der Staat schwach genug ist.

Was geht vor in einem Menschen, der so etwas sagt, was für ein Mensch ist Tom Metzger? Nach außen – ein typischer Amerikaner. Er scherzt gerne, erzählt aus seiner Kindheit, ist zuvorkommend, auch seiner Freundin gegenüber, die ihn zum Interview begleitet. Doch wenn er über seine Ideologie spricht, wird er ein anderer: Ihn dann zu hassen, sei nicht schwer, sagen manche. Man muss sich nur immer daran erinnern, wenn er über Alltägliches spricht.

Rassentrennung – eine Frage der Erziehung

Über eine Stunde dauert das Interview. Danach drehen wir noch Ausschnitte aus seiner täglichen Radiosendung „The Insurgent“: Der Rebell, so sieht sich Tom Metzger. Auf seiner Homepage finden sich geschmacklose Comics, eine Amerikakarte der immer weniger „weiß“ werdenden Vereinigten Staaten, die Radioshow, die er mit seiner Tochter produziert. Tom Metzger hat sechs Kinder. Was er tun würde, wenn eines mit einem nicht-Weißen liiert wäre, will ich wissen. Metzger lacht kehlig. Was für eine Frage. Es wäre verloren! Was sonst? Er würde jeglichen Kontakt abbrechen. Das habe er immer klar gemacht. Und seine Kinder hätten seine Botschaft verstanden: Alle haben weiße Partner. In genau diesem Moment ist der Kameramann fertig. Ob wir noch irgendetwas zu sagen hätten, fragt er. Nein, sage ich. Und denke: Dazu fällt mir auch nichts mehr ein.

Neonazis, Ku Klux Klan-Mitglieder mit Fackeln; Fotos: dpa, Montage: BR

Exklusive report MÜNCHEN Recherchen belegen: Der rassistische Geheimbund
Ku-Klux-Klan ist auch in Deutschland aktiv; und das seit beinahe 100 Jahren. Damit nicht genug: Es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass sich auch der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund, abgekürzt NSU, von den Ideen dieser Geheimorganisation leiten ließ.

Dieses und weitere Themen sehen Sie heute Abend in report MÜNCHEN
um 21.45 Uhr im Ersten oder im Livestream der Mediathek.

 

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