Neue Presse: Eine Spur führt in die Vestestadt


Ein Polizeibeamter aus Coburg sagt vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags aus. Der Kriminalhauptkommissar berichtet von Tino Brandt. Er gilt als Vertrauter der „Zwickauer Terrorzelle“.

Von Wolfgang Braunschmidt
  • Tino Brandt (Mitte) mit Uwe Böhnhardt (links) und Beate Tschäpe (rechts) bei einer Demonstration Rechter im Jahr 1997 in Neuhaus am Rennweg im Landkreis Sonneberg. Böhnhardt und Tschäpe gehörten der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ an. Zu den Aktivitäten von Tino Brandt sagte jetzt ein Coburger Polizeibeamter vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags aus. Foto: Archiv Thomas

München/Coburg – Tino Brandt stammt aus Rudolstadt in Ostthüringen. Dort galt er als Anführer der braunen Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“ (THS). Sie war eine Art Sammelbecken für Neonazis – auch für Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Ihnen werden als Mitglieder der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) fünf Morde an Ausländern in Bayern vorgeworfen. Tino Brandt kannte das Trio aus der „Zwickauer Terrorzelle“. Mit ihnen nahm er in den 1990er Jahren an Demonstrationen von Rechten teil, beispielsweise im Landkreis Sonneberg.

Ab Mitte der 1990er Jahre arbeitete Tino Brandt als kaufmännischer Angestellter beim Verlag „Nation und Europa“ in Coburg. Dieser galt als bundesweit bedeutendstes Theorieorgan der rechtsextremen Szene. Von Coburg aus war Brandt Mitbegründer des „Fränkischen Heimatschutzbunds“. Er baute damit ein weiteres Netzwerk nach Thüringer Vorbild auf (unsere Zeitung berichtete mehrfach).

Zwei Ermittlungsverfahren

Das hat Manfred Kellner, Kriminalhauptkommissar bei der Polizei in Coburg, jetzt vor dem bayerischen NSU-Untersuchungsausschuss bestätigt. Brandt sei in seiner Coburger Zeit nicht von der Polizei unbehelligt geblieben. Die Kripo habe zwei Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Bei einem habe es sich um eine möglicherweise verbotene, von außen sichtbare Fahne in einer Wohnung gehandelt, beim anderen um eine Lieferung von Büchern mit verbotenem Inhalt. Beide Verfahren habe die Staatsanwaltschaft nach erfolglosen Durchsuchungen eingestellt.

Auch andere Aktivitäten der Rechten in den 1990er Jahren, beispielsweise ein überraschend organisiertes Konzert in Ebersdorf bei Coburg, seien überwacht worden. In Ebersdorf war die Polizei mit einer Hundertschaft angerückt. Kellner wies vor dem Untersuchungsausschuss den Vorwurf zurück, die Polizei habe nicht genug gegen Rechtsextremisten unternommen. „Wir waren sehr wohl aktiv und sensibel“, erklärte der Kriminalhauptkommissar. Allerdings seien im Zuständigkeitsbereich der Coburger Kripo gegen rechtsextremistische Umtriebe keine verdeckten Ermittler oder Verbindungsleute in die Neonaziszene eingesetzt worden. Über Namen und Zahlen von V-Leuten des Landesamts für Verfassungsschutz (LfV) in Nordbayern habe er keine Kenntnis gehabt.

Nun war Tino Brandt Verbindungsmann des Thüringer Verfassungsschutzes. Und: In Bayern lebte damals auch Kai D., ein V-Mann des bayerischen LfV. D. half ebenfalls mit, die Neonazis in Thüringen zu organisieren.

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