MDR: Böhnhardt besaß Ermittlungsakte der Polizei


von Michaela Schenk

Kurz nach dem Abtauchen des mutmaßlichen Bombenbauers und späteren Terroristen Uwe Böhnhardt haben Polizisten in dessen Zimmer in Jena Teile einer Ermittlungsakte des Landeskriminalamts gefunden. Dabei handelt es sich um elf kopierte Seiten von zwei Vernehmungsprotokollen aus dem Jahr 1997.

Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe

Böhnhardt und Zschäpe auf einem später angefertigten Urlaubsfoto

Die Befragten waren Angehörige der rechten Szene. Ihre Aussagen belasteten Böhnhardt und andere Personen, Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen gezeigt zu haben. Freiwillig berichtete einer der Befragten auch über Strukturen und Aktive der rechtsextremen Kameradschaft Jena. Unter anderem notierten die Ermittler des LKA, dass Böhnhardt und der Rechtsextreme André K. „alles straffer“ und „ordentlich parteilich“ organisiert hätten. Die Ermittler erfuhren in den Befragungen auch, dass der führende Neonazi Tino Brandt damals in rechtsextremen Kreisen bereits als V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes bekannt war. Enttarnt wurde Brandt erst im Jahr 2001.

Die Frage, ob Böhnhardt zu Recht im Besitz der Aktenkopien war, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Das Thüringer Innenministerium schließt aus, dass sie von Ermittlern der Polizei weitergereicht wurden. „Für die Annahme einer illegalen Besitzerlangung gibt es heute und gab es vermutlich schon 1998 keine Anhaltspunkte“, teilte das Landeskriminalamt dem MDR THÜRINGEN dazu mit.

Da Böhnhardt in dem Ermittlungsverfahren selbst Beschuldigter war, hätte er durch andere Beschuldigte oder durch seinen Rechtsanwalt an die Papiere kommen können. Die Staatsanwaltschaft Gera erhob Mitte August 1997 in dem Verfahren Anklage gegen insgesamt acht Beschuldigte, darunter Böhnhardt. Dessen damaliger Anwalt mahnte aber noch neun Monate später an, weder Akteneinsicht noch Anklageschrift bekommen zu haben.

Unter den Zeugen der Anklage wurde im Übrigen auch der Name Beate Zschäpe aufgeführt – Böhnhardts Komplizin.

Quelle: MDR

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