MDR: Mutmaßlicher NSU-Unterstützer aus Sachsen-Anhalt – Spitzensalär für V-Mann „Corelli“?


Der Verfassungsschutz hat dem Neonazi Thomas R. offenbar das höchste bislang bekannt gewordene Honorar für einen V-Mann gezahlt: Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, erhielt der als „Corelli“ geführte Sachsen-Anhalter insgesamt rund 180.000 Euro. Auch fällige Steuern soll die Behörde für „Corelli“ beglichen haben. Im Gegenzug für das Spitzenhonorar soll er 18 Jahre lang die rechtsextreme Musik-Szene ausspioniert haben.

Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf Akten des Verfassungsschutzes, die dem Untersuchungsausschuss im Bundestag vorliegen, der sowohl die Taten als auch die Ermittlungen zum Terrortrio Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aufarbeitet.

„Corelli“ bis vor vier Monaten aktiv

V-Mann Corelli

SACHSEN-ANHALT HEUTE

Durch Spitzeln zum Spitzenverdiener

25.02.2013, 19:00 Uhr |02:17 min

Außerdem gehörte Thomas R. der „Bild am Sonntag“ zufolge auch dem deutschen Ableger des „Ku-Klux-Klan“ an. Er sei so gut in den Netzwerken der Rassisten verankert gewesen, dass er zu einem Klan-Treffen in den USA eingeladen worden sei. Die Reisekosten habe der Verfassungsschutz übernommen.

Aus den Verfassungsschutzakten gehe außerdem hervor, dass „Corelli“ erst vor einem Vierteljahr aufhörte, für den Geheimdienst zu arbeiten. Dieser habe ihn im November 2012 „abgeschaltet“ und über ein Zeugenschutzprogramm in Großbritannien untergebracht.

Grüne und Linke fordern Klarheit

Der innenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Grüne, Sebastian Striegel.

Grünen-Sprecher Striegel will wissen, welchen Anteil Sachsen-Anhalt am Fall „Corelli“ hat.

Unterdessen verlangen Sachsen-Anhalts Grüne und Linke Klarheit im Fall „Corelli“. Sie fordern eine vollständige Akteneinsicht. Zudem drohen die Grünen Innenminister Holger Stahlknecht mit einer Klage, sollte dieser Informationen über den V-Mann zurückhalten. Laut innenpolitischem Sprecher der Grünen, Sebastian Striegel, hat sich der Innenminister in der Parlamentarischen Kontrollkommission des Landtags (PKK) bisher geweigert, das Material zu „Corelli“ zur Verfügung zu stellen. Es müsse aber endlich geklärt werden, „welchen Anteil das Land und sein Verfassungsschutz bei der Rekrutierung des V-Manns hatte und welche Gelder Sachsen-Anhalt an ihn gezahlt hat.“

Ministerpräsident Rainer Haseloff hatte zuletzt am Donnerstag im Landtag erklärt, dass Sachsen-Anhalt alles, was an Materialien vorgelegen hat, nach Berlin geschickt hat. Stahlknecht schränkte aber ein, dass er es nicht auswendig wisse, ob im Einzelfall etwas nicht nach Berlin gegeben wurde.

Spitzel im Auftrag des Bundesverfassungsschutzes

Nach MDR-Informationen war Thomas R. bereits in den Neunzigerjahren vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt angeworben worden. Er wurde jedoch als Informant an das Bundesamt für Verfassungsschutz abgegeben. Sein Spitzname Thomas R.’s in der Szene war „HJ Tommy“ – HJ, vermutlich angelehnt an den Namen der Jugendorganisation unter Hitler. Der „tageszeitung“ zufolge war Thomas R. zur Jahrtausendwende der führende Kopf der Gruppe „Nationaler Widerstand Halle/Saale“.

Hintergrund„Corelli“: V-Mann und mutmaßlicher NSU-Unterstützer aus Sachsen-Anhalt

Die noch verbliebenen ungeschwärzten Akten zu der Operation "Rennsteig" und dem Thüringer Heimatschutz.

Der NSU-Untersuchungsausschuss darf nun die Akten von „Corelli“ lesen. Dahinter verbirgt sich ein V-Mann des Verfassungsschutzes und führender Neonazi aus Sachsen-Anhalt. Ein Hintergrundbericht zu „Thomas R.“. [mehr]

 

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