Berliner Morgenpost:“Mörder fotografierten meinen Vater beim Sterben“


Die Terrorzelle NSU ermordete Semiya Simseks Vater. Jetzt spricht die 26-Jährige über zweifelhafte Verhörmethoden, falsche Verdächtigungen, die Trauer – und ihre Erwartungen an Beate Zschäpe.

Von Per Hinrichs

Foto: pa/dpa

Gedenken an Neonazi-Opfer in Berlin

23. Februar 2012: Semiya Simsek (r.) und Gamze Kubasik während der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt. Beim Prozess gegen Beate Zschäpe will Simsek dabei sein, sie erhofft sich Antworten

Sie gab den Hinterbliebenen der Opfer der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)ein Gesicht: Semiya Simsek, 26, sprach vor einem Jahr bei der Gedenkveranstaltung für die Familien der Getöteten. Nun hat sie ein Buch („Schmerzliche Heimat“, Rowohlt, 272 Seiten) geschrieben, das am Freitag erscheint. Es handelt vom Verlust ihres Vaters – und den Verdächtigungen der Polizei gegen ihre Familie.

Morgenpost Online: Frau Simsek, Sie haben ein Buch über die Ermordung Ihres Vaters und die danach folgenden Ermittlungsfehler geschrieben. Darin schildern Sie die zum Teil haarsträubenden Fehler und Verdächtigungen der Polizei. Wie gingen Sie damals damit um?

Semiya Simsek: Es war eine schlimme Zeit. Die ganzen Jahre über hatte die Polizei meine Familie im Visier, ging davon aus, dass wir in die Tat verstrickt waren. Ein Beamter hat einmal meiner Mutter ein Foto einer Frau gezeigt und gesagt: Das ist die Freundin Ihres verstorbenen Ehemannes. Er hat zwei Kinder mit ihr gehabt, eine zweite Familie gegründet. Meine Mutter sagte nur trocken, dass diese Kinder in diesem Fall herzlich bei uns aufgenommen seien. Wir waren die Opfer und durften es nicht sein. Da kamen wir wirklich an unsere Grenzen.

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