Schwäbische Post: Ominöse Kontakte in den Süden


Zur Mordserie des NSU-Trios gibt es noch viele Unklarheiten – Spuren führen auch in die Region

Am 25. April 2007 wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn erschossen. Lange Zeit wurde ein „Phantom“ gejagt. Erst als man am 4. November 2011 die Waffen der Toten und ihres verletzten Kollegen bei den Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fand, wurde die Tat dem Zwickauer Terror-Trio zugeordnet. Die einzige, die in Baden-Württemberg stattfand und sich nicht gegen Migranten richtete. Doch es gibt etliche Spuren, die in den Südwesten führen.

GERHARD KÖNIGER

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Ostwürttemberg. In Thüringen, Bayern und Sachsen wurden bislang Untersuchungsausschüsse eingerichtet, die Fakten und Akten zu den Morden des Terror-Trios sammeln und aufarbeiten. Hinzu kommt der parlamentarische Untersuchungsausschuss in Berlin.
Mittlerweile werden Stimmen laut, die auch in Baden-Württemberg einen Untersuchungsausschuss in Sachen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) fordern, weil eine Reihe von Spuren den Verdacht erhärten, dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe im „Ländle“ Unterstützer hatten.
Heilbronn:Das Motiv für die Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter und die Schüsse auf ihren Kollegen ist bislang nicht klar. Es gibt Mutmaßungen, die Polizistin, die aus Thüringen stammt, könnte die Täter gekannt haben. 2012 wird bekannt, dass eine Thüringer Polizistin, die Kontakte zur rechten Szene hatte, Michèle Kiesewetter kannte oder gar mit ihr befreundet war. Eigenartig mutet auch eine Aussage von Kiesewetters Patenonkel an, der, ebenfalls Polizist, bereits 2007 einen Zusammenhang zwischen den „Türkenmorden“ und dem Tod seiner Nichte vermutet.
Schwäbisch Hall: Im Juli 2012 wird bekannt, dass zwei Polizeibeamte Mitglied des deutschen Ku Klux-Clan-Ablegers „European White Knights“ in Schwäbisch Hall gewesen sind. Einer der beiden war der Vorgesetzte von Michèle Kiesewetter. Mitglied des Clans in Hall war auch ein Mann aus Halle, offenbar V-Mann der Polizei, dessen Name sich im Adressbuch von Uwe Mundlos findet.
Der zweite Ku-Klux-Clan-Polizist gibt an, zur Tatzeit in Heilbronn am Bahnhof gewesen zu sein. Es gibt den Verdacht, dass Beate Zschäpe mit einem Unbekannten auf dem Video einer Überwachungskamera zu sehen ist, das am Bahnhof kurze Zeit vor den Schüssen auf Kiesewetter aufgezeichnet wurde.
Stuttgart: In der ausgebrannten Wohnung der NSU-Terroristen in Zwickau fand die Polizei eine Diskette mit der Aufschrift „Stuttgart“. Darauf waren Fotos vom 25. Juni 2003, die Böhnhardt vor einem türkischen Geschäft und einem Bistro in der Nähe des Stuttgarter Nordbahnhofs zeigen. Nach Angaben des BKA handelt es sich um Aufnahmen von zwei möglichen Anschlagszielen. Mittlerweile weiß man, dass die NSU-Täter vom 24. bis 26. Juni 2003 hinter dem Cannstatter Wasen auf einem Campingplatz waren.
Ludwigsburg: Bereits Anfang der Neunziger Jahre lernten die Zwickauer bei einem Konzert eine Gruppe von Schwaben kennen, die sie später mehrere Male besuchten. Der „taz“ liegen offenbar Fotos vor, die Uwe Mundlos und Beate Zschäpe im Partykeller eines Ludwigsburger Rechtsextremen zeigen. In Briefen und Aufzeichnungen sprechen die Zwickauer von der Ludwigsburger „Bande“ oder den „Spätzles“. In einer Adressliste, die Uwe Mundlos in einer Garage in Jena zurückgelassen hat, bevor er untertauchte, finden sich vier Telefonnummern von Kontakten in der Ludwigsburger Neonazi-Szene. Eine Frau aus dieser Szene hat den Ermittlungsbehörden gegenüber angegeben, Zschäpe und Mundlos zuletzt 2001 begegnet zu sein, bei einem Ludwigsburger Skinhead-Musiker.

 

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