Stern| NS-Kriegsverbrecher – Wie Priebke seinen 100. begeht+


Er ist ein verurteilter, reuloser NS-Kriegsverbrecher, der von Neonazis gefeiert wird. Trotzdem lässt ihn die italienische Justiz an der langen Leine – und erregt damit den Zorn der Opferfamilien.

Erich Priebke, NS-Verbrechen, Massaker, Neonazis, Italien

Oktober 2010: Erich Priebke verlässt mit seinem Anwalt Paolo Giachini nach einem Gottesdienst eine Kirche in Rom.© Alessandro Bianchi/Reuters

Vierzehn Jahre ist es her, dass der NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke wegen seines schlechten Gesundheitszustands und seines Alters aus der Haft entlassen wurde. Am Montag nun feiert der seitdem unter einem lockeren Hausarrest stehende Priebke in Rom seinen hundertsten Geburtstag. Priebke, dessen Name für eines der schlimmsten deutschen Massaker in Italien steht, hat nie Reue gezeigt und wird zunehmend von deutschen Neonazis verehrt. Der ehemalige SS-Mann soll sich in jüngster Zeit dem Glauben zugewandt haben. Mario Merlino, ein Priebke-Freund und selbst berüchtigter Neofaschist, sagte der Zeitung „Corriere della Sera“, Priebke zeige eine größere Frömmigkeit, „vielleicht, weil er spürt, dass das Ende nahe ist“. Er lese religiöse Texte und meditiere. Ansonsten zeige er erhebliche Alterserscheinungen. „Er ist taub und hat nahezu vollständig das Gedächtnis verloren.“ Ob dies glaubwürdig ist? Noch vor zwei Jahren zeigten Fotos Priebke mit Freunden im Restaurant und wie er mit dem Motorroller durch Rom fuhr.

335 Morde, keine Reue

Der Fall des in Hennigsdorf in Brandenburg geborenen Priebke war einer der großen NS-Kriegsverbrecherfälle der 1990er Jahre. Bis 1994 lebte er unbescholten unter seinem echten Namen in einem Badeort in Argentinien. Dann entdeckte ihn ein nach Nazis recherchierender US-Journalist und Priebke wurde nach Italien ausgeliefert. Dort wurde er wegen des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom vor Gericht gestellt. Am 23. März 1944 hatten italienische Partisanen mit Bomben 32 Männer einer deutschen Polizeieinheit getötet. Angeblich auf direkten Befehl Adolf Hitlers sollten für jeden toten Deutschen zehn Italiener sterben. Nur einen Tag nach dem Anschlag führten SS-Truppen insgesamt 335 ahnungslose Männer – der jüngste ein Jugendlicher von 15 Jahren – in die Höhlen, um sie zu erschießen.

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