Gauck: Gedenken allein reicht nicht


Es war die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als in Deutschland jüdische Geschäfte und Synagogen in Brand gesteckt wurden. Bundespräsident Gauck erklärte, die Deutschen sollten gegen Neonazis aktiv aufstehen.

 

75 Jahre nach den antisemitischen Pogromen in Deutschland hat Bundespräsident Joachim Gauck die Bürger aufgefordert, es nicht beim Gedenken allein zu belassen. Die Erinnerung an Opfer und Täter sei wichtig – es komme aber auch darauf an, in der Gegenwart gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aufzustehen und aktiv zu werden, sagte er am Samstag in Frankfurt/Oder. „Wir müssen heute da hinschauen, wo es erforderlich ist.“ Das gelte für Institutionen wie für alle Bürger, sagte er mit Verweis auf die Morde des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU).

Es müsse verhindert werden, dass Neonazis ihr Unwesen in Städten und Dörfern treiben, forderte der Bundespräsident. „Wir müssen verhindern, dass Hass und Rassenwahn von neuem die Gehirne vernebeln und die Herzen verderben“, so der Bundespräsident. „Wir müssen uns selber hindern wegzuschauen, wann immer und wo immer dies geschieht.“

Vor 75 Jahren

Die Synagoge in der Fasanenstrasse Berlin 1938Die Synagoge in der Fasanenstrasse Berlin 1938

In der von den Nationalsozialisten angezettelten Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten deutschlandweit Synagogen und jüdische Geschäfte. Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt. Nach Schätzungen von Historikern starben mehr als 1.300 Menschen während und infolge der Gewalt.

DW.DE

Zentralrat beklagt Antisemitismus

Anlässlich des 75. Jahrestags der Reichspogromnacht hat der Zentralrat der Juden Antisemitismus in Deutschland und Europa beklagt. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird heute der Opfer des NS-Terrors gedacht. (09.11.2013)

„Kristallnacht“: Die Welt schaute zu

In ganz Deutschland fanden mehr als 30 Einzelveranstaltungen zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome statt. Unter anderem hatte das „Aktive Museum – Faschismus und Widerstand“ die Menschen in Berlin aufgerufen, die stadtweit rund 5.000 Stolpersteine zu putzen, die an ermordete Juden erinnern. Mehr als 100 Einzelhändler, Geschäfte und Kaufhäuser gedachten mit einer „Schaufenster-Aktion“ der Opfer. Sie erinnerten mit Fensterfolien in der Optik eingeschlagener Schaufenster an die Ausschreitungen von 1938.

Am Nachmittag hatte der Bundespräsident im brandenburgischen Eberswalde den neuen Gedenkort „Wachsen mit Erinnerung“ eröffnet. Der Bundespräsident sprach von einem „beindruckenden Mahnmal“. Zahlreiche Menschen aus Eberswalde hatten sich in den vergangen Jahren dafür engagiert, dass auf dem ehemaligen Fundament der alten Synagoge ein ungewöhnliches Denkmal aus einer Mauer mit jüdischen Inschriften sowie wachsenden Bäumen entsteht.

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, erinnerte daran, wie „schnell und reibungslos“ eine Gesellschaft in die Barbarei abgleiten könne. Die Verfolgung der Juden habe – lange vor den Konzentrationslagern – vor der Haustür ihrer Mitbürger begonnen. „Wehret den Anfängen“ – diese Mahnung sei nach wie vor aktuell.

ml/haz (dpa, rtr, KNA)

AUDIO UND VIDEO ZUM THEMA

Erinnerung an Pogrome am 9. November 1938

 

2 Kommentare

  1. Alexander Gronbach · · Antwort

    Gauck? „Gedenken allein reicht nicht“? Und die Steigbügelhalter der SPD und Grüne in Baden Württemberg, die 75 Jahre später die wohl unglaublichste Mordorgie in BRD vertuschen „als Zentralrat Antisemitismus beklagen“ – was soll man dazu noch anmerken! Vielleicht folgendes –

    1934 wurde Pius Kummer ein aufrechter Demokrat und SPD’ler von der Gestapo ermordet. Daraufhin übernahm Friedrich Gronbach den Kampfbund der Sozialisten im Grossraum Stuttgart.

    1935 wurden viele wegen Hochverrates gegen das Regime verhaftet, Auslöser war u.a. ein Besuch vom „Gröfaz“ Hitler in Stuttgart und ein „Stromausfall“ bevor der sein Gegeifer starten konnte. Unter Fritz Gronbachs Genossen, die verhaftet wurden waren – Friedrich Ulrich (spätere SPD Innenminister Baden Württemberg 1952 – 1956) sowie Wilhelm Breuninger, soweit ich mich an seine Erzählungen erinnern kann, waren auch zwei Pfarrer des evangelischen Volksbundes dabei.

    Von 1935 bis 1936 war mein Grossvater Fritz Gronbach im KZ Dachau. Wo er mit seiner typischen hohenloherischen rebellischen Art die Führung der Barracke übernahm, Umsturzpläne schmiedete, Ausbrüche plante und anfing – zynische Theaterstücke zu verfassen. Seine Erzählungen waren immer von einem schwarzen Humor begleitet. Nach Rückkehr in das Gefängnis „Langer Bau“ in Stuttgart wurde er 1936 in dem Verfahren wegen Hochverrates und Rädelsführer einer verbotenen Gruppe verurteilt. Im Anschluss an diese Verurteilung sollte er das Aussortieren von „Undeutscher Kunst / Büchern“ in der Gefängnisbücherei „Strafanstalt Langer Bau Stuttgart“ übernehmen. Als er 20 Bücher von „so einem dahergelaufenen österreichischen Lump“ aussortierte und verbrennen wollte, führte man ihn sogar einem erbossten Leiter der Gestapo Walther Stahlecker vor. Fritz Gronbach sein Kommentar hierzu „der Schafseckel tobte, ich lachte und habs halt wie alles andere überlebt“.

    Heute, 75 Jahre später werde ich Alexander Gronbach als sein Enkel von einem SPD Landesinnenminister Gall öffentlich über sein Sprachrohr „Stuttgarter Zeitung“ als Neonazi bzw. rechtsextrem verleumdet, was seltsamerweise von der „linken Presse“ zunächst ungeprüft aufgenommen wurde! Es ist schon seltsam, wie diese SPD / Grüne Landesregierung inzwischen zum Helfer von Rechtsterroristen und Vertuscher von Beteiligungen in einem Polizistenmord mutierte…… ja – ja, die Nachkommen des Hitlerischen Chefarchitekten Leonhard Gall welche das Weltbild der NSDAP sorry – SPD in Stuttgart aufrecht erhalten!

    Wie lautete Fritz Gronbach Lieblingsspruch „alles was südlich vom Limes herkommt taugt nichts….“ in diesem Sinne …………

  2. Alexander Gronbach · · Antwort

    Für Interessierte ein paar Links zu Friedrich Gronbach. (12.01.1910 bis 06.12.1999)

    http://www.swp.de/crailsheim/lokales/land/Ein-Schulz-der-besonderen-Art;art5509,333180

    Ferner ein kleiner Ausschnitt aus seiner hohenlohisch – englischen Rede. Die Queen besuchte Langenburg praktisch jedes Jahr in den 60 igern und 70igern.

    Während eines Jagdausfluges 1978 meinte Er einmal zur Queen, „Du souch amoul, houscht Du dahoum nix zum schaffa weil Du dih immer bei uns rumtreibscht?“ Und als Sie einmal etwas düpiert am Rettichsalat knabberte meinte er „bei uns wird fei gessa was uffn Disch koumt“……

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