Heilbronn: Tötungsdelikt Kiesewetter – Dokumentation zu den WIDERSPRÜCHEN der Anklageschrift


Und darum geht es am Donnerstag, 16.01.2014 im NSU-Prozeß in München:

Anklageschrift Bundesanwaltschaft:

„Am 25. April 2007 töteten Böhnhardt und Mundlos die 22-jährige Polizeimeisterin Michele Kiesewetter und verletzten ihren Kollegen, den zur Tatzeit 24-jährigen Polizeimeister Martin Arnold, schwer. Kurz vor 14.00 Uhr traten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos von hinten an den neben dem Trafohäuschen auf der Theresienwiese in Heilbronn geparkten Streifenwagen heran, in dem Michele Kiesewetter auf der
Fahrerseite und Martin Arnold auf der Beifahrerseite bei geöffneten Fahrzeugtüren Pause machten. Ihrem zuvor gefassten Tatplan entsprechend gaben sie unter bewusster Ausnutzung des Überraschungsmoments aus kürzester Entfernung jeweils von schräg hinten Kopfschüsse auf die ahnungslosen Beamten ab und nahmen ihnen ihre Dienstwaffen, 3 Magazine, Handschellen, ein Reizstoffsprühgerät, eine Taschenlampe und ein Multifunktionswerkzeug ab. Michele Kiesewetter starb an den Folgen des Kopfschusses aus der Pistole Radom, Mod. VIS 35, Kaliber 9 mm Luger noch am Tatort, Polizeimeister Arnold, den eine Kugel aus der Pistole TOZ, Modell TT 33, Kaliber 7,62 mm Tokarew, getroffen hatte, konnte durch intensivmedizinische Behandlung gerettet werden.“


Das steht der Anklage entgegen: (KONTEXT Wochenzeitung)

Die vertuschten Phantome von Heilbronn

Die Polizei hat nach dem Mord an der jungen Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn im Jahr 2007 insgesamt 14 Phantombilder erstellen lassen. Die Ermittlungsbehörden haben diese Porträts möglicher Tatverdächtiger bis heute unter Verschluss gehalten. Kontext zeigt die Bilder, weil die Redaktion der Meinung ist, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat.

Die Phantombilder basieren auf Angaben von Augenzeugen und zeigen Menschen, die Zeugen, Helfer oder Attentäter gewesen sein könnten. Bisher konnte die Polizei keine der Personen identifizieren. Der Wert der Phantombilder wird von den Ermittlern unterschiedlich eingeschätzt. Niemand weiß, wie genau die Erinnerung der Zeugen war und wie exakt die Wiedergabe der Erinnerungen. Ähnlichkeiten einer Person mit einem Phantombild können zufällig sein. Weitergehende Aussagen dazu können nur Spezialisten treffen. Und für die Ermittlungen ist die Polizei zuständig. Kontext weist außerdem ausdrücklich auf die Unschuldsvermutung hin, die jeder Person zusteht, gegen die, von wem auch immer, ein Verdacht ausgesprochen wird.

Die Phantombilder sind zu unterschiedlichen Zeiten erstellt worden, 2007 kurz nach dem Mord auf der Heilbronner Theresienwiese wenige Meter vom Neckar entfernt, dann 2009 und zuletzt 2011.

Täterbild nach Erinnerung des schwerverletzten Polizisten
Schoss dieser Mann auf Arnold?

Ein Bild hat die Polizeibeamten besonders interessiert. Denn es wurde nach den Angaben von Martin Arnold erstellt, dem Kollegen von Michèle Kiesewetter, der an jenem 25. April 2007 ebenfalls erschossen werden sollte. Doch Arnold, der in einem parkenden Streifenwagen neben der 22-jährigen Polizistin auf dem Beifahrersitz saß, hatte Glück im Unglück. Die auf ihn abgeschossene Kugel drang oberhalb des rechten Ohrs in seinen Kopf ein und hinter dem Ohr wieder aus. Vermutlich hatte ihm eine Kopfbewegung nach rechts das Leben gerettet, denn Arnold hat den Täter im Rückspiegel kommen sehen. Das nach Arnolds Angaben erstellte Bild könnte also einen mutmaßlichen Täter zeigen.

Bis heute behaupten die Behörden, Martin Arnold könne sich an nichts mehr erinnern. In den Akten liest sich das anders: „Er hatte klare und konkrete Erinnerungen an die Situation, die er sich immer wieder vor seinem inneren Auge abrief und beschrieb“, hielten die Ermittler zur Erstellung des Phantombildes mit Arnold fest. Die gegenteilige Erklärung war und ist in Wahrheit ein offizielles Täuschungsmanöver gegenüber der Öffentlichkeit. Angeblich, um den Beamten zu schützen. Das geht aus dem Übergabebericht der Staatsanwaltschaft Heilbronn an die Bundesanwaltschaft vom Januar 2012 hervor, nachdem die Karlsruher Behörde den Fall übernommen hatte. Darin heißt es: Der Presse sei immer wieder mitgeteilt worden, dass der Zeuge sich an nichts erinnern könne, weil „jedes Abweichen von der ursprünglichen Aussage, er könne sich an nichts erinnern, Spekulationen eröffnet hätte, die zu einer erheblichen und durch nichts zu rechtfertigenden Gefährdung des Lebens des Zeugen Martin Arnold hätten führen können.“

Die Theresienwiese: Hinten links ist Michèle Kiesewetter 2007 ermordet worden. Foto: Martin Storz
Die Theresienwiese: Hinten links ist Michèle Kiesewetter 2007 ermordet worden. Foto: Martin Storz

Doch der zuständige Heilbronner Staatsanwalt Christoph Meyer-Manoras genehmigte die Veröffentlichung dieses Phantombilds nicht. Im NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin wollte er sich zu den Gründen nicht äußern; er erklärte lediglich, die Veröffentlichung hätte die Persönlichkeitsrechte von Martin Arnold berührt. Auf die Kontext-Frage, wie das gemeint sei, verweigert die Staatsanwaltschaft Heilbronn bis heute jede Auskunft und verweist wie Landesinnenminister Reinhard Gall auf Generalbundesanwalt Harald Range in Karlsruhe. Doch auch dort gibt es keine Auskunft. Ranges Pressesprecher teilt mit: „Zu den Hintergründen der Entscheidungen anderer Behörden kann die Bundesanwaltschaft naturgemäß keine Stellung nehmen.“

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