Kontext| „Zu viel Zufall“ In Sachen Martin Arnold


Martin Arnold, der beim Mordanschlag auf Michèle Kiesewetter auf der Theresienwiese in den Kopf geschossen wurde, hat am vergangenen Donnertag vor dem Gericht in München ausgesagt. Kontext hat mit seinem Anwalt Walter Martinek gesprochen.

Herr Martinek, nach der Tat hat Ihr Mandant in ersten Vernehmungen noch eine ausführliche Aussage gemacht. Später und jetzt beim NSU-Prozess vor dem Landgericht in München kann er sich an nichts mehr erinnern. Erklären Sie uns diesen Widerspruch.

Das scheint eine Art Überlebensstrategie bei schweren Kopfverletzungen zu sein. Herr Arnold hat sich immer gefragt: Habe ich das wirklich gesehen, was ich ausgesagt habe? Oder war das alles nur zusammengesetzt aus dem, was man mir erzählt hat?

Und was hat es mit dem Phantombild auf sich, das nach seinen Angaben erstellt worden ist?

Da ist er nie dahintergestanden. Er sagt, er habe versucht zu helfen. Aber in dem Moment, in dem er die Aussage unter Hypnose gemacht habe, habe er schon Zweifel gehabt, ob das wirklich seine Erlebnisse waren oder nur Schlussfolgerungen. Das Einzige, was er in Hypnose gesehen habe, sind die untere Kinnpartie, der Bauch und die Brust des Täters gewesen. Daraus kann man beim besten Willen kein Phantombild erstellen. Unter Hypnose werden auch Aussagen getroffen, mit denen man dem Hypnotiseur gefallen will. Das scheint ein gängiges Problem zu sein. Aktive Erinnerungen hat er keine. Nur durch die Ortsbegehung kamen welche zurück, nach dem Motto: Über diesen Hügel bin ich mal gefahren, den Platz kenne ich. An den Platz, auf dem sie nachher konkret standen, erinnert sich Herr Arnold aber nicht.

Wie nehmen Sie seine aktuelle Verfassung wahr?

Als ich ihn zuletzt am vergangenen Freitag gesprochen habe, ging es ihm den Umständen entsprechend gut. Er hat die Zeugenvernehmung gut überstanden, obwohl er die Sorge hatte, dass er frontal angegangen werden würde. Dem Sinne nach: Lüg doch nicht, du musst doch etwas gesehen haben. Er hat von der Verteidigerseite von Beate Zschäpe und den anderen Angeklagten erwartet, dass man ihn bedrängt. Das ist nicht passiert, und wenn es passiert wäre, wäre ich massiv dazwischengegangen.

Er musste neben Beate Zschäpe sitzen.

Das war kein Problem. Wir haben diskutiert, ob ich mich links von ihm hinsetze, um ihn abzuschirmen. Da sagte er: Wieso, ich hab mit denen nichts zu tun? Er hatte da keine Bedenken.

Wie schätzt er seine Rolle in diesem Verfahren ein? Er gilt als eine Schlüsselfigur.

Was dieses Verfahren angeht, hält sich mein Mandant für überbewertet. Er sagt, er kann ja nichts dazu beitragen. Er geht davon aus, er hatte das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Sie dagegen sind sich nicht sicher, ob Michèle Kiesewetter ein Zufallsopfer ist?

Ich weiß es nicht. Ich hab keine Fakten, die das Gegenteil belegen. Aber andererseits sind mir das zu viele Zufälle. Das sagen alle, das sage ich auch. Ich kann das einfach nicht glauben.

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