Thüringer Allgemeine| NSU-Prozess: Zeuge André K.: „Ich weiß, dass ich auf einmal drei leere Pässe hatte“


München. Die Jenaer Neonazi-Szene stand offenbar kurz davor, für Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gefälschte Reisepässe zu organisieren. „Ich weiß, dass ich auf einmal drei leere Pässe hatte“, sagte der Zeuge André K. am Mittwoch vor dem NSU-Prozess in München.

Der Thüringer Rechtsextremist André K. war als Zeuge im NSU-Prozess in München geladen. Er hatte in der Jenaer Neonazi-Szene Kontakt zu den mutmaßlichen späteren Terroristen des NSU. Foto: Andreas Gebert/dpa Der Thüringer Rechtsextremist André K. war als Zeuge im NSU-Prozess in München geladen. Er hatte in der Jenaer Neonazi-Szene Kontakt zu den mutmaßlichen späteren Terroristen des NSU. Foto: Andreas Gebert/dpa

Er hatte offenbar versucht, für das nach einer Polizeirazzia im Januar 1998 aus Jenageflohene Neonazi-Trio gefälschte Dokumente zu besorgen. André K. gehörte in den 90er Jahren zu einer Gruppe Rechtsextremer in Jena, zu der auch die im NSU-Prozess Angeklagten Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Holger G. und Carsten S. angehört gezählt werden.

 

Zschäpe-Verteidiger kündigen Befangenheitsantrag an

  • Die Angeklagte Beate Zschäpe betritt am 5. Februar den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München. Foto: Marc Müller/dpaDie Angeklagte Beate Zschäpe betritt am 5. Februar den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München. Foto: Marc Müller/dpa

Kurz vor der Mittagspause bittet am Mittwoch Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer um eine einstündige Unterbrechung der Verhandlung Er kündigt einen Befangenheitsantrag gegen RichterPeter Lang an. Zu den Gründen äußert sich der Anwalt nicht. Er verweist lediglich darauf, dass seiner Mandantin diese erst zu Beginn der Verhandlung bekannt geworden sein sollen. Daraufhin wird die Verhandlung bis gegen 13 Uhr unterbrochen.

André K. ist bereits das zweite Mal als Zeuge vor den Staatsschutzsenat am Oberlandegericht inMünchen geladen. Der selbständige Bauunternehmer aus Ostthüringen kann sich auch am 84. Verhandlungstag im NSU-Prozess an vieles nicht genau erinnern. Mühsam entlockt RichterManfred Götzl dem Zeugen, dass er sich mit Uwe Böhnhardt noch während der Razzia am 26. Januar 1998 vor dessen Haus getroffen habe.

Wieder und wieder erkundigt sich der Richter, wie es zu diesem Treffen gekommen und was besprochen worden sei. André K. erklärt, dass Böhnhardt ihn wohl angerufen und dass dieser ihn dann gesagt habe, er würde mit dem Auto davonfahren, wenn sich die Gelegenheit biete. Götzl reichen diese Angaben nicht. Der Zeuge reagiert zunehmend genervt: „Wie gesagt, ich kann das noch zehnmal wiederholen. Die Erinnerung ist nicht mehr konkret.“ Er wisse nur noch im Kontext, dass Böhnhardt sagte, sobald er könne, wolle er wegfahren.

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