Telepolis| NSU-Prozess: Zweifel an Beweisstück


Anwälte der Nebenklage gehen von mangelndem Aufklärungswillen aus – Opferfamilien kommt reine Statistenrolle zu

Im Prozess gegen Beate Zschäpe sind Zweifel an einem Beweisstück aufgetaucht. Ein Kriminalkommissar, der sich für das Bundeskriminalamt (BKA) intensiv mit einem rassistischen Brettspiel auseinandergesetzt hat, das angeblich der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) zum Verkauf in der rechten Szene konzipiert haben soll, offenbarte mit seinen Aussagen vor dem Münchner Oberlandesgericht ein weiteres Mal, wie dünn die Beweislage im NSU-Prozess ist. Auf die Frage, ob er das Spiel überhaupt selbst jemals in der Hand hatte, anwortete der Ermittler mit „nein“. Auch seine Antworten auf weitere Fragen fielen unbefriedigend aus.

Der NSU-Prozess findet im Strafjustizzentrum in München statt. Bild: F.R.

Laut Spiegel Online stellte einer der Zschäpe-Verteidiger folgende Fragen: „Woher wissen Sie dann, dass das sogenannte Trio das Spiel hergestellt hat? Waren alle Spiele gleich, oder gab es Unterschiede? Waren die vernichteten Exemplare identisch? Waren Fingerspuren auf den sichergestellten Spielen?“

Auf alle Fragen musste der Zeuge passen. Die Thüringer Allgemeine Zeitung berichtet, der Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben habe den Wert der Zeugenaussage des Kriminalkommissars auf „Null“ eingestuft.

Wie wenig diese Meldung Beachtung in den Medien findet, ist erstaunlich. Bereits im Dezember 2011 hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) von dem Brettspiel Pogromly berichtet, das als Anlehnung an das Spiel Monopoly zu verstehen ist, aber einen rassistischen und antisemitischen Spielinhalt hat. Die F.A.S. ließ sich vom thüringischen Verfassungsschutz „bestätigen“, dass das Spiel „1997 von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Z. entworfen und in mehreren Dutzend Exemplaren hergestellt“ worden ist. Freundlicherweise stellte das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz der Zeitung auch noch ein Foto des Spielbretts für den Artikel zur Verfügung, auf dem unter anderem auch Hakenkreuze zu sehen sind. Seit der Zeit wird das Spiel in Medienberichten und, ganz im Sinne der Anklage, als Beweis für die feste rechte und antisemitische ideologische Verankerung des Weltbildes des NSU-Trios gewertet.

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