BpB| Privat ist die sehr nett


NPD-Mitglied Maria Fank spricht mit einem Polizisten während eines Protestes gegen das neue Flüchtlingswohnheim in Berlin-Hellersdorf, 20.08.2013.Maria Fank, NPD-Aktivistin und Mitglied des Ring Nationaler Frauen (RNF), während eines Protestes gegen das neue Flüchtlingswohnheim in Berlin-Hellersdorf, 20.08.2013. Fank tritt nicht selten als Rednerin auf Veranstaltungen der NPD in Erscheinung und gehört zu den prominentesten weiblichen Köpfen der extremen Rechten.

Warum hat von Sicherheitsbehörden über Medien bis zur Zivilgesellschaft niemand verstanden, was es mit der Mordserie des NSU an türkischen und griechischen Kleinunternehmern auf sich hatte? In der Diskussion dieser Frage wird – richtigerweise – in erster Linie auf gesellschaftlichen und institutionellen Rassismus hingewiesen. Eine weitere, wichtige Kategorie ist Geschlecht. Denn die Geschichte des NSU zeigt auch, welch dramatisches Ausmaß die gesellschaftliche Ignoranz gegenüber rechtsextremen Frauen hat. Diese Ignoranz fußt auf nicht reflektierten Geschlechterrollen. Trotz der vielen Diskussionen, die es über den Prozess und den NSU gibt, kommt dieser Aspekt in der Auseinandersetzung kaum vor.

Ein Beispiel: Ein Stockwerk über der Wohnung, in der Zschäpe mit ihren Komplizen 2006 lebt, wird durch einen Einbruch ein Wasserschaden verursacht. Zschäpe hilft ihren NachbarInnen, denen sie als Lise D. bekannt ist, später beim Aufräumen und erzählt ihnen, sie sei zum Zeitpunkt der Tat zu Hause gewesen und habe Geräusche aus der Wohnung gehört. Als sie als Zeugin bei der Polizei eine Aussage macht, gibt sie an, Susann E. zu heißen. Ihre NachbarInnen seien fälschlicherweise davon ausgegangen, dass sie Lise D. heiße, erklärt Zschäpe. Dies sei aber nur ihr Spitzname. Und überhaupt seien die NachbarInnen gar nicht ihre NachbarInnen, denn eigentlich wohne sie gar nicht in der Wohnung, sie sei nur oft zu Gast. Dementsprechend könne sie auch nichts zur Tat sagen, denn sie sei zur Tatzeit gar nicht in der Wohnung gewesen. Während sie die Angaben macht, verhaspelt sie sich immer wieder und spricht von der Wohnung als „ihrer“ Wohnung.

Einem Mann mit Migrationshintergrund hätten sie nicht geglaubt

Der Polizist wird nicht stutzig. Ulrich Overdieck, der für die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung den Prozess gegen Zschäpe beobachtet und aus dessen Analysen die erzählte Geschichte stammt, kommentiert: „Man stelle sich vor, statt auf Beate Zschäpe wäre ein polizeilicher Ermittler in einer vergleichbaren Situation auf einen jungen Mann gestoßen, von dem angenommen werden kann, dass er einen sogenannten Migrationshintergrund hat. Hätte diese Person sich gegenüber der Polizei auch in so großem Umfang in Widersprüche über seine Identität und seine Wohnverhältnisse verwickeln dürfen, ohne das Vertrauen in seine Ehrlichkeit zu verspielen?“

Ein weiteres Beispiel, das Overdieck erzählt: 2007 geht die Polizei dem Verdacht nach, die Mordserie an Personen türkischen und griechischen Migrationshintergrunds könne einen rechtsextremen Hintergrund haben. Aufgrund der Konzentration der Morde im Raum Nürnberg fordert die Polizei deshalb vom bayerischen Verfassungsschutz eine Liste aller in der Region lebenden Rechtsextremen an. Als die Polizei die Liste erhält, steht auf ihr auch Mandy S., eine frühe Unterstützerin des NSU, die den drei im Untergrund lebenden Nazis Wohnungen vermittelt hatte und zu der Zeit in Nürnberg lebt. Die Polizei entschließt sich jedoch, die weitere Überprüfung auf Männer zwischen 18 und 35 Jahren zu beschränken. Mandy S. entgeht der Aufmerksamkeit der Polizei, weil sie eine Frau ist; der NSU enttarnt sich vier Jahre später selbst.

Die besorgte Mutter war eine rechtsextreme Frau

Nazis werden tendenziell als Männer gedacht, szenezugehörige Frauen eher als deren Anhängsel. Dies ist eine Reproduktion der überwunden geglaubten Vorstellung von Frauen als per se unpolitischen Subjekten. Als bei der Bürgerversammlung in Berlin-Hellersdorf letzten Sommer, bei der es um das dortige Flüchtlingsheim ging, die beiden NPD-Kader Sebastian Schmidtke und Maria Fank ans Mikrofon traten, wurde Schmidtke erkannt und des Mikrofons verwiesen, während man seine Lebensgefährtin gewähren ließ, die über „unsere Kinder“ und deren vermeintliche Entbehrungen durch die Ankunft der „fremden Kinder“ schwafelte.

In der Wahrnehmung des Moderators mag Maria Fank einfach eine zufällig auf der Bürgerversammlung aufgetauchte, besorgte Mutter gewesen sein. Dass die Äußerung dieser angeblichen Sorgen auf einer Bühne, durchzogen von rassistischen und nationalistischen Vorstellungen, kalkuliert war – das traut man einer Frau, gibt sie sich erst einmal als besorgte Mutter und spricht von „unseren“ Kindern, anscheinend nicht so einfach zu.

Ein unverstellter Blick auf rechte Frauen rüttelt im Zweifelsfall vielleicht an Grundannahmen über das „Wesen“ von Frauen und Männern und somit an den kulturellen und sozialen Grundfesten unserer Gesellschaft. Die Existenz rechtsextremer Frauen überführt generalisierte Vorannahmen über Frauen als friedliebend, harmlos oder einfühlsam der Irrationalität und stellt die als natürlich wahrgenommene Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen infrage.

Sicherlich hat sie sich nur verliebt

Der voreingenommene Blick auf Frauen durchzieht alle gesellschaftlichen Bereiche. Als im Sommer 2012 aufflog, dass die Ruderin Nadja Drygalla mit einem Rechtsextremen zusammen ist, waren sich viele JournalistInnen sicher, Drygalla selbst könne keine Rechtsextremistin sein, sicherlich habe sie sich nur verliebt. „Der Preis der Liebe“, titelte der Stern. Drygalla wurde durch ihre Beziehung zu ihrem Freund geradezu zur Heldin – schließlich verkörperte sie weibliche Grundtugenden: naive Liebe zum Mann und die Treue zu ihm. Eine Initiative in Mecklenburg-Vorpommern wollte ihr auch gleich den Titel „Sportlerin des Jahres“ verpassen.

Längst gehört es zur Strategie der NPD, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen als eher sozial, friedfertig und politisch unstrategisch für sich zu nutzen. Es gibt rechtsextreme Erzieherinnen, NPD-Mitglieder in Elternbeiräten, NPD-Kinderfeste, wo Frauen Kuchen und Kaffee verteilen. Frauen sind Sympathieträgerinnen, ihnen wird anscheinend eine Art generalisiertes Vertrauen entgegengebracht.

Frauen sind für die NPD aus zwei Gründen von Interesse. Zum einen, weil sie der vermeintlichen sozialen Ausrichtung der Partei Glaubwürdigkeit verleihen – soziale Belange gelten als Frauenthemen. Die lokale Verankerung, die die Partei anstrebt, erreicht sie zum anderen auch über Frauen, die im vorpolitischen Raum aktiv sind und Kontakte knüpfen. An den letzten Wahlen konnte man beobachten, dass die NPD vor allem dann erfolgreich ist, wenn die Wählerinnen und Wähler die KandidatInnen vor Ort kennen.

Gerade im ländlichen Raum greift die Strategie der Nazis

„Privat ist die sehr nett“, erklärt eine Mutter, an deren Schule eine rechtsextreme Frau Elternsprecherin ist. Gerade im ländlichen Raum, wo die soziale Nähe unter den Menschen groß ist und die Wahrnehmungsfähigkeit von menschenfeindlichen Ideologien schwach ausgeprägt, greift die Strategie der Nazis.

Dass das soziale Engagement von rechten Frauen kalkuliert ist, um die Abgrenzung der Gesellschaft gegen rechtsextreme Positionen und Personen aufzuweichen, ist weitgehend unbekannt. Im ländlichen Raum erfordert die Abgrenzung von Rechtsextremen oft eine höhere Konfliktfähigkeit als in urbanen Räumen.

Und trotzdem – wie ein Jugendsozialarbeiter im Gespräch anmerkte: Auch hier auf dem Land muss man nicht mit allen NachbarInnen befreundet sein. Das Unterschätzen rechtsextremer Frauen macht deutlich, dass die Unterwanderung des öffentlichen Lebens durch Rechtsextreme dann gelingt, wenn ihre Ideologien an Vorstellungen der Mehrheitskultur anknüpfen können und deshalb übersehen werden.

Solange nicht auch Gender zur politischen Querschnittsaufgabe wird, bleibt es schwer, Unterwanderungsstrategien von Nazis zu erkennen und zu unterbinden. Zudem gäbe es eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen, die es weiblichen Nazis erschweren würden, in öffentliche Räume vorzudringen und Gewalt auszuüben; sie reichen von Schulungen für die Polizei oder einer nach Geschlecht differenzierten Statistik rechter Gewalt bis zu unterstützenden Maßnahmen für Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen, die in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen bisher weitgehend allein gelassen werden.

Auch innerhalb der demokratischen Zivilgesellschaft muss sich noch einiges bewegen, dass sie das Engagement von Mädchen und Frauen zulässt und fördert. Erst wenn gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe von weiblich sozialisierten Personen als solche selbstverständlich ist, werden rechtsextreme Identitätsangebote für Mädchen und Frauen wirklich uninteressant.

Zuerst erschienen in der taz am 17. Februar 2014 (http://taz.de/!133049/)

Links und Literatur zum Thema Frauen im Rechtsextremismus. 

Literatur:

Literatur

Frauen in der rechtsextremen Szene

Amesberger, Helga/Halbmayr, Brigitte (Hrsg.): Rechtsextreme Parteien – eine mögliche Heimat für Frauen?, Leske+Budrich, Opladen 2002

Die Autoren dieses Buches vergleichen anhand von Programmen und Publikationen die Frauen- und Familienpolitik des „Front National“, der „Alleanza Nazionale“, der „Slowakischen Nationalpartei“, der Partei „Republikaner der Tschechoslowakei“ und der „FPÖ“. Aber auch die Rolle der Frauen innerhalb dieser Parteien untersuchen sie.

Bacchetta, Paola (Hrsg.): Right-wing women: from conservatives to extremists around the world, Routledge, New York (u.a.) 2002

In Essays beschäftigen sich die Autoren dieses Sammelbandes mit der aktiven Rolle der Frauen in den rechten und rechtsextremen Bewegungen des 20. Jahrhunderts- von den Unterstützerinnen des Mussolini-Regimes bis hin zu den weiblichen Mitgliedern des Ku-Klux-Klans.

Bitzan, Renate (Hrsg.):Braune Schwestern?: feministische Analysen zu Frauen in der extremen Rechten, Unrast, Münster 2005

Nach einem einführenden Überblick über neonazistische Frauenorganisationen und- gruppen sowie über die weibliche Fanzinekultur und das Thema Rechtsrock, analysiert ein nächster Aufsatz dieses Bandes die Tätigkeitsfelder „rechter Händlerinnen“ beispielsweise in Kleinverlagen. Weitere Beiträge setzen sich mit dem biografisch-narrativen Ansatz auseinander, gehen der Frage nach, ob es Anknüpfungspunkte zwischen der Geschlechter-Ideologie rechtsextremer Frauen und feministischen Ansätzen gibt oder untersuchen aus der historischen Perspektive die Zusammenhänge zwischen der Ausformung des modernen Antisemitismus und der Entwicklung sexistischer und frauenfeindlicher Stereotype. Abschließend wird am Beispiel des französischen „Front National“ die rechtsextreme Geschlechterpolitik analysiert.

Bitzan, Renate (Hrsg.): Rechte Frauen: Skingirls, Walküren und feine Damen, Elefanten Press, Berlin 1997 

Welche Positionen vertreten rechtsextreme Frauen und Mädchen, wie handeln sie, welchen Stellenwert haben sie im von Männern dominierten braunen „Kameradenkreis“? Diesen Fragen gehen die Autoren dieses Sammelbandes nach. Dabei spielen sowohl die Lebensläufe rechtsextremer Frauen und die organisatorischen Zusammenhänge der Szene als auch die Frage nach eventuellen Berührungspunkten zwischen feministischem und rechtsextremem Gedankengut eine Rolle.

Bitzan, Renate: Selbstbilder rechter Frauen: zwischen Antisexismus und völkischem Denken, Ed. diskord, Tübingen 2000

Nach einer Einführung in den Themenkomplex „Frauen und Rechtsextremismus“ beschreibt die Politikwissenschaftlerin Renate Bitzan anhand von Artikeln rechtsextremer Autorinnen die Positionen dieser Frauen zu Themen wie Bevölkerungspolitik, Berufstätigkeit und Sexismuskritik.

Brück, Brigitte: Frauen und Rechtsradikalismus in Europa, VS-Verlag, Wiesbaden 2005

Auf der Grundlage von Interviews bietet Brigitte Brück einen Einblick in das Selbstverständnis von führenden Politikerinnen rechtsextremer Parteien in Deutschland, Frankreich und Italien. Dabei untersucht sie auch die Rolle dieser Frauen sowohl bei der Traditionsbildung als auch bei der Modernisierung ihrer Parteien.

Döhring, Kirsten: Von „N.S. Frauen-Warte“ bis „Victory“: Konstruktion von Weiblichkeit in nationalsozialistischen und rechtsextremen Frauenzeitschriften, Logos-Verl., Berlin 2004 

Diese Untersuchung fragt nach Kontinuitäten und Brüchen zwischen nationalsozialistischen und neo-nationalsozialistischen Geschlechtervorstellungen und sucht dabei auch nach Einflüssen der „Neuen Frauenbewegung“ auf die Vorstellungen von Weiblichkeit bei rechtsextremen Frauen. Hierfür hat die Autorin zahlreiche nationalsozialistische und rechtsextreme Frauenzeitschriften analysiert.

Engel, Monika (Hrsg.): Weibliche Lebenswelten – gewaltlos?: Analysen und Praxisbeiträge für die Mädchen- und Frauenarbeit im Bereich Rechtsextremismus, Rassismus, Gewalt, Agenda-Verl., Münster 1995

Dieses Buch bietet neben einer historisch-theoretischen Einführung in das Thema „Frauen, Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ auch konkrete Hinweise und Hilfen für die geschlechtsspezifische Arbeit in der politischen Bildung, in der Sozialpädagogik und in der Sozialarbeit.

Hammann, Kerstin: Frauen im rechtsextremen Spektrum: Analysen und Prävention, VAS, Frankfurt am Main 2002

Welche Rollen nehmen Frauen in rechtsextremen Gruppierungen ein? Welche Aufgaben erfüllen sie? Und welche Frauenbilder beherrschen die Szene? Diesen Fragen geht Kerstin Hammann in ihrem Buch nach. Dabei stellt sie auch Erklärungsansätze zum weiblichen Rechtsextremismus vor und analysiert, worin die Faszination für Frauen an der rechtsextremen Szene besteht. Abschließend geht die Autorin auch auf präventive Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und rassistische Gewalt ein.

Hewicker, Christine: Die Aussteigerin: Autobiographie einer ehemaligen Rechtsextremistin, Igel-Verl., Oldenburg 2001

Mit 14 Jahren gelangte Christine Hewicker in die rechtsextreme Szene, wurde zur Aktivistin der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ und der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ von Michael Kühnen und Christian Worch. 1983 wurde sie wegen der Beteiligung an einem Banküberfall, bei dem Geld für einen Sprengstoffanschlag besorgt werden sollte, zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Haft sagte sich Hewicker vom Rechtsextremismus los, trennte sich von ihrem Umfeld und fing ein neues Leben an.

Hofmann, Ruth: „Weil die ohne Weiber gar nicht können!“: junge Frauen in der rechten Szene, Herder, Freiburg im Breisgau (u.a.) 2003

Die Zahl rechtsextremer junger Frauen wächst. Was bewegt sie, was wollen sie, was reizt sie an dieser von Männern dominierten Szene? Diesen Fragen geht die Autorin anhand von Interviews und Selbstportraits nach.

Köttig, Michaela: Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen und junger Frauen: biographische Verläufe im Kontext der Familien- und Gruppendynamik, Psychosozial-Verl., Gießen 2004

Die Autorin zeigt zunächst lebensgeschichtliche Prozesse von Mädchen und jungen Frauen auf, die zu einer Hinwendung zum rechtsextrem orientierten Milieu führten, um dann deren biographischen Erfahrungen in den entsprechenden Gruppierungen zu rekonstruieren. Der Untersuchung liegen zum einen biographisch-narrative Interviews und zum anderen die Ergebnisse von „teilnehmenden Beobachtungen“ einer nach Geschlecht gemischten rechtsextrem orientierten Jugendgruppe zugrunde. Röpke, Andrea (u.a.): „Retterin der weißen Rasse“ – Rechtsextreme Frauen zwischen Straßenkampf und Mutterrolle, Bildungsvereinigung Arbeit und Leben, Hannover 2006

Das Selbstbewußtsein rechtsextremer Aktivistinnen wächst. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt, daß es trotz angestrebter „Gleichstellung“ der Frauen und Mädchen keine wirkliche Gleichberechtigung gibt. Im Gegenteil: Sexismus, Gewalt und Unterdrückung gehören zum Alltag, Frauen werden von Neonazi-Strategen für ihre Zwecke benutzt. Andrea Röpke berichtet in diesem Buch über aktuelle Entwicklungen in der Szene und stellt dabei ausgewählte Neonazi-Anführerinnen aus Niedersachsen und Bremen sowie rechtsextreme Frauengruppen innerhalb und außerhalb der NPD vor.

Wlecklik, Petra (Hrsg.): Frauen und Rechtsextremismus, Lamuv-Verl., Göttingen 1995

Die Autorinnen dieses Sammelbandes gehen zunächst der Frage nach, warum rechtsextreme Ideologien und Organisationen für Frauen attraktiv sind. Abschließend stellen sie Fraueninitiativen gegen Rassismus und Rechtsextremismus vor.

Frauen im Nationalsozialismus

Benz, Ute (Hrsg.): Frauen im Nationalsozialismus: Dokumente und Zeugnisse, C. H. Beck, München 1993

Ute Benz zeigt in diesem Sammelband anhand von Dokumenten und Zeugnissen die offizielle Denkart des NS-Regimes zu Themen wie Mutterschaft, Berufstätigkeit und politische Betätigung von Frauen auf. Auch werden die Strategien der Nationalsozialisten zur Beeinflussung der Frauen deutlich. Und: Die hier versammelten Texte beleuchten die Spaltung auch der Frauen in Dazugehörende und Ausgegrenzte, die für diese Zeit so charakteristisch war.

Leichsenring, Jana (Hrsg.): Frauen und Widerstand, Lit, Münster 2003

Dieser von der „Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V.“ herausgegebene Sammelband dokumentiert die Ergebnisse einer Tagung, die das Thema „Frauen und Widerstand“ unter verschiedenen Aspekten beleuchtete. So stehen hier neben fachwissenschaftlichen Aufsätzen auch Berichte von Zeitzeugen.

Miller-Kipp, Gisela (Hrsg.): „Auch Du gehörst dem Führer“: die Geschichte des Bundes Deutscher Mädel (BDM) in Quellen und Dokumenten, Juventa-Verl., Weinheim/München 2001

Auf Vollständigkeit ausgelegte Sammlung von Quellen und Dokumenten zur Geschichte des BDM, ergänzt durch umfangreiche Kommentare und Interpretationen. Die sieben Kapitel des Buches: 1.“Geschichte und Institutionen des BDM“, 2. „Jugendführung – politische Lenkung – pädagogische Propaganda“, 3. „Erziehung – Schulung – Berufsbildung und Berufslenkung“, 4. „Gesellschaftliche Ausbeutung – politische Instrumentalisierung“, 5. „Gesundheitspolitik, Rassenpolitik und Rassenideologie“, 6. „Politische Ästhetik: Bilder der Frau und der weiblichen Jugend“ und 7. „Betroffenheit der Subjekte: Einlassungen und Erinnerungen 1946-1999“.

Passmore, Kevin (Hrsg.): Women, gender and fascism in Europe, 1919 – 45, Rutgers Univ. Press, New Brunswick (u.a.) 2003

In vierzehn Essays gehen die Autoren dieses Bandes unter anderem der Frage nach, was die faschistischen und rechtsextremen Bewegungen in Ländern wie Serbien, Kroatien, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn, Litauen, Polen, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien für Frauen so attraktiv machte. Neben einzelnen Länderstudien findet sich hier aber auch eine gesamteuropäische Sicht auf dieses Phänomen.

Schad, Martha: Frauen gegen Hitler: Schicksale im Nationalsozialismus, Heyne, München 2001 

Die Historikerin Martha Schad widmet sich in diesem Buch den Schicksalen derjenigen Frauen, die in die aktive oder passive Opposition gegen das NS-Regime gingen. Sie zeichnet dabei nicht nur die Lebens- und Leidenswege bekannter Widerständlerinnen wie Sophie Scholl und Marion Gräfin Dönhoff nach, sondern stellt auch in der Öffentlichkeit weniger bekannte Frauen des Widerstandes, wie Constanze Hallgarten, Elisabeth von Thadden und Hilde Coppi, vor.

Schneider, Wolfgang: Frauen unterm Hakenkreuz, Hoffmann und Campe, Hamburg 2001

Die NS-Ideologie stellte die Frauen als natürliche „Gefolgschaft“ des Mannes dar, traditionell eingebunden in Haushalt und Familie. Unter dem Diktat des Krieges kam es allerdings zu unfreiwilligen Ansätzen partieller Gleichberechtigung. Denn: Mit Fortschreiten des Krieges übernahmen Frauen immer wichtigere Aufgaben an der so genannten „Heimatfront“. Wolfgang Schneider zeichnet den Wandel des NS-Frauenbildes in vier zeitlich geordneten Abschnitten nach.

Shuk, Alexander: Das nationalsozialistische Weltbild in der Bildungsarbeit von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel: eine Lehr- und Schulbuchanalyse, Lang, Frankfurt am Main u.a. 2002

Wie wurde bereits Kindern und Jugendlichen das verbrecherische Weltbild des NS-Regimes vermittelt? Dieser Frage geht der Autor anhand von Lehr- und Schulbuchanalysen sowie auf der Grundlage von Interviews mit Zeitzeugen nach. Shuk analysiert aber auch die pädagogischen Auffassungen von Adolf Hitler, Baldur von Schirach und anderen Vertretern des NS-Regimes und skizziert die Entwicklung der Jugendorganisationen HJ und BDM nach.

Vaupel, Angela: Frauen im NS-Film: unter besonderer Berücksichtigung des Spielfilms, Kovač, Hamburg 2004 

Die NS-„Dokumentarfilme“ und -Spielfilmproduktionen verfolgten ein klares Ziel: Sie sollten das Publikum indoktrinieren. Welches Frauenbild dabei vermittelt wurde, untersucht diese Studie anhand von ausgewählten Filmen der Genres Melodram, Komödie, Musikfilm, Historienfilm und NS-„Dokumentarfilm“. Auch wirkungspsychologische Aspekte werden dabei berücksichtigt. Wogowitsch, Margit: Das Frauenbild im Nationalsozialismus, Trauner, Linz 2004

Die NSDAP verstand sich von Anfang an als Männerbund und schloß deshalb Frauen von leitenden Positionen aus. Frauenfragen widmete sich die Partei kaum, Schulbuchtexte und Reden der NS-Zeit sind von einem patriarchalischen Weltbild geprägt. Die Autoren dieses Sammelbandes untersuchen vor allem die Auswirkungen des propagierten NS-Frauenbildes auf den Alltag der Frauen in der Zeit des NS-Regimes.

Links:

Frauen in der rechtsextremen Szene

Bailer-Galanda, Brigitte: Frauenbild und Frauenrepräsentanz im österreichischen Rechtsextremismus:»www.doew.at«

Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung: „Walküren, Mädels, Mütter“. Frauen und Mädchen in der rechtsextremen Szene: »www.politische-bildung-brandenburg.de/«

Ehlert, Gudrun: Mädchen und Frauen in der rechtsextremen Szene- Erfahrungen von SozialarbeiterInnen in Sachsen: »www.gruene-bundestag.de«

Fromm, Rainer/Kernbach, Barbara: Rechtsextremismus – ein Männerphänomen? Frauen im organisierten Rechtsextremismus: »www.mediageneration.net«

Haeming, Anne: Netzstrumpf und Springerstiefel. Die Neonazi-Szene wird weiblich: »fluter.de«

Lazar, Monika: Frauen im rechtsextremen Spektrum – Ein Diskussionsbeitrag: »www2.gruene-jugend.de«

Meinhardt, Birk: Rechtsradikale Frauen: Weiblich, smart, extrem: »www.sueddeutsche.de«

Mut gegen rechte Gewalt: “Ich möchte meiner Schwester helfen…“ Was tun, wenn eigene Geschwister oder Freunde in die rechtsextreme Szene abzurutschen drohen? : »www.mut-gegen-rechte-gewalt.de«

Mut gegen rechte Gewalt: Vom Nationalroboter zum Menschen (Interview mit der Aussteigerin Christine Hewicker): »www.mut-gegen-rechte-gewalt.de«

Röpke, Andrea: Frauen in der NPD. „Wäschewaschen für die Kameraden“: »www.bpb.de«

Spiegel-online: So werden Mädchen zu Nazi-Bräuten (Interview mit Renate Feldmann): »www.spiegel.de«

tagesschau.de zum Thema Rechtsextremismus und Frauen: »www.tagesschau.de«

Verfassungsschutz Brandenburg: Frauen in der NPD: NPD gründet einen „Nationalen Frauenring“:»www.verfassungsschutz.brandenburg.de«

zdf.de zum Thema Rechte Frauen: »www.zdf.de«

»www.heute.de«

Frauen im Nationalsozialismus

Deutsches Historisches Museum Berlin zur NS-Frauenpolitik: »www.dhm.de«

Frauen im NS-Staat (Klett-Verlag, Lern-Training): »klett-lerntraining.de«

Hessische Landeszentrale für politische Bildung: Frauen im Nationalsozialismus: »www.hlz.hessen.de«

MDR zum Thema Frauen im Nationalsozialismus: »www.mdr.de«

Nationalsozialistische Frauenpolitik und Lebenserfahrungen von Frauen im „Dritten Reich“ (Cornelsen Verlag) »www.cornelsen.de«

Stern.de: Dem Führer ein Kind schenken. Frauenpolitik im Dritten Reich (Interview mit Annett Kuhn)»www.stern.de«

Film:

Röpke, Andrea/ Recherche Nord: „Neonazistinnen – Frauen in der Rechten Szene“, Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt/Bildungsvereinigung Arbeit und Leben, DVD, Laufzeit: 40 Minuten, Farbe, Braunschweig 2006

Dieser Film soll die Zwiespältigkeit der Szene im Umgang mit ihrem weiblichen Potential widerspiegeln und einen Blick hinter die Kulissen einer nur scheinbar gleichberechtigt agierenden Szene gewähren. Denn: Sexismus, Gewalt und Unterdrückung sind dort an der Tagesordnung.

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