Berliner Zeitung| Untergetauchter V-Mann aus Halle ist tot


Von Hendrik Kranert-RydzyNoch

Anfang 2012 stellte Thomas R. (M.) Fotos von Antifa-Aktivisten ins Internet. Foto: Archiv/DAPDMAGDEBURG –  

Als die Terrorgruppe NSU aufflog, verschwand der aus Halle stammende Thomas R., ehemaliger V-Mann in der rechten Szene,  spurlos aus seiner Wohnung in Leipzig. Jetzt wurde bekannt, dass der 39-Jährige Ende März gestorben ist.

Er war eine der langjährigsten und wohl auch ergiebigsten Quellen des Verfassungsschutzes: Der gebürtige Hallenser Thomas R., besser bekannt unter seinem Decknamen „Corelli“. Jetzt ist der 39-Jährige tot, er starb laut Sicherheitskreisen an einer nicht erkannten Diabetes-Erkrankung, wie der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe unter Berufung auf eine Mitteilung des Verfassungsschutzes an das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages berichtet.

Thomas R. galt lange Jahre als führender Kopf der Neonazi-Szene in Sachsen-Anhalt, er war Mitbegründer des „Nationalen Widerstands“ in seiner Heimatstadt Halle. Zudem hatte er enge Kontakte in die „Blood-and-Honour“-Bewegung in Sachsen und zum deutschen Ableger des Ku-Klux-Klan in Baden-Württemberg. Von besonderem Interesse war R. aber vor allem wegen seiner sehr wahrscheinlichen Kontakte zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU).

Bereits 1990 angeworben

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat zwar immer bestritten, einen Zugang zum NSU und damit zum Zwickauer Terrortrio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gehabt zu haben. Thomas R. taucht jedoch in der sogenannten Jenaer Garagenliste von Uwe Mundlos auf – ein handschriftlicher Zettel, auf dem auch ein Kontakt zu Thomas R. vermerkt ist. Zudem gab es einen Hinweis auf den NSU lange vor Bekanntwerden der Mordserie in einem Magazin der rechten Szene, dem auch Thomas R. zulieferte. Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages jedenfalls forderte vom Bundesamt für Verfassungsschutz die Herausgabe aller Kontaktpersonen „Corellis“. Bevor die Kölner Geheimdienstler dem nachkamen, musste der ehemalige Vorsitzende des Ausschusses, Sebastian Edathy (SPD), mit dem Gang zum Bundesverfassungsgericht drohen. Am Ende vernahm der Ausschuss „Corelli“ zweimal als Zeugen.

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