Thüringer Allgemeine| NSU-Prozess: Vater zu Verfassungsschützer: „Ich glaube Dir überhaupt nicht“


München. Im NSU-Prozess fiel der ehemalige Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas T. auch bei seiner fünften Zeugenvernehmung vor allem durch Ausreden auf.
Der Zeuge und ehemalige Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas T. (hier bei seiner Befragung am 3. Dezember) konnte auch bei seiner fünften Zeugenvernehmung nichts erhellendes im NSU-Prozess beitragen. Archiv-Foto: Andreas Gebert/dpaDer Zeuge und ehemalige Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas T. (hier bei seiner Befragung am 3. Dezember) konnte auch bei seiner fünften Zeugenvernehmung nichts erhellendes im NSU-Prozess beitragen. Archiv-Foto: Andreas Gebert/dpa

Am Nachmittag des 6. April 2006 geht der Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas T. in das Internetcafé in Kassel, das die Familie Yozgat betreibt. Er kommt dort öfter vorbei, um im Netz zu flirten. Er begrüßt Halit Yozgat, geht in das Hinterzimmer, in dem die Computer stehen und loggt sich am PC-Platz 2 unter http://www.ilove.de ein. 

Wenige Minuten später stirbt Yozgat. Zwei Schüsse aus der Ceska-Pistole, mit der Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos mutmaßlich schon acht Menschen ermordeten, treffen ihn in den Kopf. Yozgat rutscht tot hinter den Schreibtisch, der schräg gegenüber dem Ausgang steht. Er wird 21 Jahre alt. 

Was aber macht Andreas T.? Seine aktuellste Version: Er geht kurz nach den Schüssen, die er nicht hörte, zum Ausgang. Er sieht Yozgat nicht, tritt deshalb kurz hinaus auf die Straße, schaut sich um, geht wieder zurück in den Empfangsraum. Er legt auf die hellgraue Oberfläche des Schreibtisches, auf der später die Ermittler Blutspuren finden, ein 50-Cent-Stück. Auch jetzt sieht er das Opfer, das direkt dahinter liegt, angeblich nicht. 

Glaubhaft wirkt dies nicht. Zwar hat die Staatsanwaltschaft, die damals gegen Andreas T. als Tatverdächtigen ermittelte, das Verfahren eingestellt. Doch die Zweifel bleiben.
Nun, acht Jahre nach der Tat, ist der Ex-Verfassungsschützer der Rekordzeuge im Rekordverfahren. Vier Mal musste der große, korpulente Mann mit dem kurzgeschorenen Kopf und der Brille schon nach München fahren, wo seit fast einem Jahr der NSU-Prozess läuft.
Auf alle zentralen Fragen gab er bisher keine plausiblen Antworten. Warum war er ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in dem Café und bekam angeblich nichts mit? Wie eng war er, der V-Leute in der Neonazi-Szene betreute, selbst in diese Szene verwickelt? Und warum meldete er sich damals nicht bei der Polizei, als diese nach Zeugen suchte? Bei jeder Vernehmung wich Andreas T. aus, verwickelte sich in immer neue Widersprüche. Immer dann, wenn es konkret wurde, konnte er nicht mehr erinnern. 

An diesem Dienstagnachmittag befragen ihn die Anwälte der Opfer-Angehörigen ein letztes Mal. Sei es denn richtig, fragt einer, dass man ihn in Kassel als „Klein Adolf“ bezeichnete? „Ich weiß nicht, warum mich die Leute so genannt haben“, sagt der Zeuge. Stimme es, dass er daheim Bücher zur SS und zum Nationalsozialismus hatte. Nein, antwortet T., er habe nur Textpassagen daraus abgetippt. Besaß er Baseballschläger und Schlagstöcke und beidseitig geschliffene Messer? Ja, aber bloß „einen kleineren Dolch“, einen Schläger und einen „Holzschlagstock“. Benutzt, sagt T., habe er nichts davon. 

Während sich der Zeuge windet, sitzen zwischen den Anwälten der Nebenkläger eine Frau mit Kopftuch und ein Mann mit grauem Haar und Schnurrbart. Sie haben Kopfhörer auf, ein Dolmetscher übersetzt ihnen die Aussage in Türkische. Ayse und Ismael Yozgat verloren vor acht Jahren ihren Sohn Halit, während sich Andreas T. ganz in der Nähe befand. Nun wollen sie einen letzten Versuch wagen, den Ex-Verfassungsschützer zu stellen.

ein Kommentar

  1. Alexander Gronbach · · Antworten

    Was soll man dazu eigentlich noch schreiben, mir persönlich fällt aus vielerlei Gründen nichts mehr ein.

    1. Der VP des LfV Hessen Benjamin Gärtner taucht mit einem vom LfV Hessen bezahlten Rechtsbeistand auf. D.h. von Steuergeldern wird ein V Mann, der jedoch von seinen Quellenführern als unzuverlässig, verlogen dargestellt wird, bezahlt? Sowas nennt sich Rechtsstaat? Und weshalb gibt das LfV Hessen für einen nach deren Beschreibung völlig nutzlosen VP aus? haben die etwas zu verbergen? Nächstenliebe kann es ja nicht sein, nachdem Gärtner die jahrelang an Nase herum geführt hat. Weshalb fragt man nicht einfach mal beim LfV an, weshalb die tausende € an Gelder verschleudern? Oder direkt beim zuständigen Landesrechnungshof, da hört dann Geheimdienst auf wenn es um belegbar sinnlose Aufwendungen und Auslagen geht!

    2. Der VP Benjamin Gärtner telefonierte kurz bevor sich der LfV Beamte Andreas Temme von seinem Büro in dieses Internetcafe begab, mit Temme. Nach dem Mordanschlag gab es sogar ein 10 Minütiges Telefonat zwischen Temme und Gärtner! (Woran sich logischerweise keiner der beiden erinnern kann…..) Ist eigentlich noch niemand in BRD von diesen ganzen Experten auf die Idee gekommen, dass der NSU Anhänger Benjamin Gärtner seinen Quellenführer Andreas Temme bewusst in dieses Internetcafe bestellte? Kann man sich bei diesen hochintelligenten BRD Hirnen nicht vorstellen, dass Temme instrumentalisiert wurde? Auf der einen Seite wirft man dem Verfassungsschutz Totalversagen vor, man will diese Ämter sogar auflösen, auf der anderen Seite kann man sich nicht vorstellen, dass dort klinische Idioten und gescheiterte Existenzen arbeiten, wie dieser Briefträger Temme der zum Geheimagenten aufstieg! Der kleine Adolf aus Hintertupfingen der infantil 3te Reich Passagen abtippte?

    3. Bevor ihr jetzt weiter sinnlos im Nebel herum stochert. Einfach mal die Dienstvorschriften durchlesen des LfV Hessen. Temme darf selbst, wenn man zehn Leute neben ihm erschossen hätte nichts sagen. Er darf nichts wissen! Das LfV Hessen ist ein Inlandsgeheimdienst und keine Ermittlungstruppe. Er darf den Ermordeten nicht gesehen haben! Und er darf, selbst wenn die Opferanwälte alle Geheimakten auf Tisch haben niemals über die Tätigkeit, die Gespräche mit seiner Quelle Gärtner sprechen.

    4. Und wenn das endlich in den diversen Köpfen angekommen ist, würde ich vorschlagen, diesem Benjamin Gärtner mit allen möglichen Mitteln auf die Pelle zu rücken. Weil ein Punkt müsste doch auch bei über 60 Rechtsanwälten beim NSU Prozeß seltsam erscheinen. Gärtner ruft Temme kurz bevor er aus Büro geht an. Dann ist doch die logische Schlussfolgerung, dass Gärtner Beschied wusste was in diesem Internetcafe passieren wird? Macht summa-summarum Mitgliedschaft in einer Terroristischen Vereinigung, zumindest Beihilfe zum Mord, wenn für diesen geisteskranken Spinner Gärtner dann 15 Jahre Haft im Raum stehen wird der bestimmt mitteilsamer. Immerhin hat er jahrelang für 50 € alles verkauft, was diesem strammen Nationalen doch lieb und wichtig war!
    Diesen Ex LfV Beamten (irgendwie witzig, werden die wenn die beim LfV versagen, immer in das jeweilige Regierungspräsidium versetzt. Das lässt tief blicken was dort für Figuren sitzen….) Temme könnt ihr noch hundertmal laden, ach und denkt daran, jeder Tag dieser VS NSU Kiste kostet den Steuerzahler 150.000 €.

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