junge welt|Der dritte Mann


Die wichtigsten Indizien für einen Selbstmord des NSU-Mitglieds Uwe Mundlos, der zuvor Uwe Böhnhardt erschossen haben soll, sind vorgetäuscht. Es muß eine weitere Person geben, die möglicherweise beide Morde begangen hat

Von Wolf Wetzel
Warum lagen zwei Patronenhülsen am Tatort, wo es doch nur e
Warum lagen zwei Patronenhülsen am Tatort, wo es doch nur eine sein müßte? Michael Menzel, Chef der Sonderkommission (Pressekonferenz in Erfurt, 7.11.2011)

Wenn man sich mit der offiziellen Version vom Ende des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) beschäftigt und den Selbstmord von dessen Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Eisenach am 4. November 2011 in Zweifel zieht, macht man sich sehr wenige Freunde. Groß wird die Ablehnung, wenn man anhand der vorliegenden Fakten einen Mord nicht ausschließt, also die Tat eines Dritten für wahrscheinlicher und plausibel hält – wer auch immer mit welchem Motiv diese Morde begangen hat.

Es verwundert nicht, daß der Widerstand gerade jener staatsnahen Medien und Parteien groß ist, die 13 Jahre lang mitgeholfen haben, neun Morde an Personen mit migrantischem Hintergrund ins kriminelle Milieu abzuschieben. Abermals geht es ihnen darum, die offizielle Version in ihren Kernbereichen zu decken und die erheblichen Zweifel ins Reich der Verschwörungen zu verweisen.

Irritierend ist, daß auch innerhalb der Linken das alles immunisierende Wort »Verschwörungstheorie« geraunt wird, wenn man anstelle vager Zweifel andere Geschehensabläufe für begründeter und die Rolle staatlicher Behörden nicht für undurchsichtig hält, sondern – sowohl im politischen wie juristischen Sinne – als Beihilfe beschreibt, angefangen bei der Ausstattung des neonazistischen Untergrunds über die aktive Vereitelung von Festnahmen bis hin zur aktiven Verhinderung der Aufklärung der Terror- und Mordserie des NSU durch Beseitigung und Vernichtung von Beweismitteln, durch gezielte Sabotage von Ermittlungen usw.

Neonazis freuen sich; sie machen ihre »Kameraden« zu Opfern, nachdem sie sie jahrelang für ihre Taten verehrt hatten. Das von Jürgen Elsässer herausgegebene Magazin Compact, der mediale Rettungsschirm der Patrioten, möchte den NSU als ein Staatsunternehmen verkaufen, in dem gutgläubige Neonazis als bezahlte Staatsagenten benutzt, wie Marionetten an- und abgeschaltet wurden.

Die Ermittlungsbehörden haben hingegen die große Sorge, daß die mehr als evidenten Zweifel an derSelbstmordthese die Frage aufwerfen: Was hindert sie daran, die tödlichen Ereignisse in Eisenach auch als Mord zu verfolgen? Warum wird dieSelbstmordthese durch im wesentlichen fingierte Belege, beseitigte Spuren und verschwundene Beweismittel gestützt?

Der finale Countdown

Am 4. November 2011 fand man die Neonazis Mundlos und Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach. Was 13 Jahre nicht gelingen wollte, ging nun rasend schnell. Mit geradezu hellseherischen Fähigkeiten wurden die Leichen identifiziert. Noch vor dem Obduktionsbericht wußten die Ermittler, um wen es sich handelt. Genauso schnell erkannten sie, daß es eine neonazistische Terrorgruppe namens NSU gibt, zwei Mitglieder seien nun tot, das dritte, Beate Zschäpe, habe sich freiwillig gestellt. Mehr Beteiligte habe diese terroristische Vereinigung nicht. All das wußte man nun sicher. Auch die Zuordnung der Straftaten gelang geradezu über Nacht: Für neun Morde an Menschen mit migrantischem Hintergrund, für einen Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007 und für mehrere Bombenanschläge und zahlreiche Banküberfälle wurde der NSU verantwortlich gemacht.

ein Kommentar

  1. Hat dies auf rebloggt.

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