Welt| Staatsgeheimnis


Die mörderische Geschichte des Nationalsozialistischen Untergrunds ist längst nicht aufgeklärt. Und der Verfassungsschutz weiß mehr, als er zugibt. Viel mehr

Tote Täter sind bequem. Wenn sie Selbstmord begangen haben, gilt das als Schuldeingeständnis. Sie haben sich selbst verurteilt – zum Tode. Der Fall ist gelöst. Aber tote Täter können auch kein Geständnis ablegen, keine Fragen beantworten, sich nicht verteidigen.

Mehr als zehn Jahre lang fahndete die deutsche Polizei nach einem oder mehreren Serienmördern, die neun Menschen mit Migrationshintergrund ermordet hatten. Man suchte vor allem im Bereich der organisierten Kriminalität. Dann, am 4.November 2011, lag die Lösung des Rätsels in Form von zwei Toten in einem Campingwagen. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich nach einem Bankraub auf der Flucht vor der Polizei erschossen und zuvor ihr Fluchtfahrzeug, einen weißen Camper, in Brand gesetzt. Die Beweise lagen gleich daneben: In einem Rucksack waren mehrere DVDs mit einem Bekennerfilm verstaut, der die Mordserie nach Art des TV-Comics „Pink Panther“ beschreibt. Und es fand sich noch mehr: unter anderem eine Dienstwaffe, die einer jungen Polizistin abgenommen worden war, nachdem unbekannte Täter sie 2007 in Heilbronn erschossen hatten. Weitere Beweismittel wurden in den Resten eines ausgebrannten Hauses in der Frühlingsstraße in Zwickau gefunden, das Beate Zschäpe in Brand gesetzt haben soll, bevor sie sich der Polizei stellte.

Seitdem scheint klar: Ein terroristisches Trio, das sich NSU, Nationalsozialistischer Untergrund, nannte, hat die Morde begangen, allein, wenn auch mit Unterstützung alter Kampfgefährten aus dem gewalttätigen rechtsextremistischen Milieu. Der Prozess gegen die Überlebende des „Terrortrios“, Beate Zschäpe, läuft seit über einem Jahr in München, fünf weitere mutmaßliche Unterstützer stehen mit ihr vor Gericht. Wie aber konnte diese Gruppe jahrelang unentdeckt morden? Das beschäftigte in Deutschland vier parlamentarische Untersuchungsausschüsse. Fünf Präsidenten von Verfassungsschutzbehörden sind inzwischen zurückgetreten oder wurden in den Ruhestand versetzt, vor allem weil nach dem Auffliegen des NSU flächendeckend Akten vernichtet – oder zurückgehalten – worden sind.

Das Versprechen

23. Februar 2012, Berlin – Gedenkveranstaltung für die Opfer des NSU. Die politische Elite des Landes versammelt sich im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Eine Schülergruppe stellt zwölf Kerzen auf einen schmalen, schwarzen Tisch, der im Zentrum der Bühne platziert wurde. Zehn Kerzen stehen für die Mordopfer, eine elfte für die unbekannten Opfer rechtsextremistischer Gewalt, die zwölfte Kerze symbolisiert die „Hoffnung“.

Angela Merkel sieht in der ersten Reihe einige der Hinterbliebenen sitzen. Sie sagt, an einem schwarzen Pult stehend: „Niemand kann den Schmerz, den Zorn und die Zweifel ungeschehen machen. Aber wir alle können Ihnen heute zeigen: Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer.…Wir trauern mit Ihnen. Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich Ihnen: Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen.“

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