Hintergrund| Rechtsterrorismus/B&H – die heile Welt der NPD/NSU – BaWü und seine braunen Anwälte


vom Januar 2012
Die Verflechtungen zwischen NSU und NPD werden immer deutlicher. Neueste Prominenz im rechtsextremistischen Totentanz ist der Rechtsanwalt und Ex-Sänger der erst 2010 aufgelösten Neonaziband „Noie Werte“, Steffen Hammer ( aus dem Grossraum Stutgart).So ganz nebenbei fungierte er als Organisator des Rechtsrock vertreibenden Fascho-Netzwerkes Blood&Honour. Ein paar haarsträubende Hintergründe….
Die Stuttgarter Zeitung und die jW machten Ende vergangenen Jahres publik:“In der Rechtsanwaltskanzlei, die den Ex-NPD-Funktionär und mutmaßlichen Terrorhelfer Ralf Wohlleben vertritt, arbeiten gleich mehrere frühere Mitglieder von Neonazibands als Anwälte verschiedener Fachbereiche. Die Rastatter Kanzlei verfügt seit 2011 (!) über eine Zweigstelle in Stuttgart. Wohllebens Verteidigerin Nocole Schneider war vordem Mitglied der Thüringer NPD und dort 2002-2003 Wohllebens Stellvertreterin im Vorstand des Kreisverbandes Jena. Ihr Kollege Steffen Hammer war Sänger der 2010 aufgelösten Rechtsrockband „Noie Werte“. Axel Hennig, ebenfalls Jurist der Kanzlei, betätigt sich als Sänger und Bassist der Neonaziband „Ultima Ratio“….“

BLOOD&HONOUR (Blut und Ehre) 

Um die Dimmension dieser Verflechtung zu verstehen, ist es unbedingt nötig gewisse Hintergründe zu kennen:

Steffen Hammer nämlich, der bereits im Jahr 2003 durch einen Bericht in Spiegel-TV als der Sänger von „Noie Werte“ geoutet worden war (damals wohnhaft in Betzingen b. Reutlingen und erst 2002 in die schockierte aber machtlose Tübinger Rechtsanwaltskammer eingetreten), hatte scholn ganz andere Funkionen als die eines „grölenden Juristen“ bekleidet. Zuvor noch zur Band: Sie war bereits seit 1987 eine der etabliertesten, Hasstriarden in die Welt spuckenden, mit wechselnder Besetzung, darunter etwa der EX-NPD-Vorsitzende Baden-Württembergs, Michael Wendland. 1998 feuerte Hammer (der im Übrigen Scheidungsanwalt ist) den Schlagzeuger, weil dieser eine Freundin hatte mit „nicht aus unserem Kulturkreis stammenden Vorfahren“ (…).

WEGBEREITER DES TERRORS 

1991 leitet Steffen Hammer das Projekt „German-British-Friendship“ (GBF). Dieses ist die erste in Deutschland Fuß fassende Basis von „Screwdriver-Services“, ein Vertrieb von Rechtsrock im allergrössten Stil, welcher zahlreiche Konzerte britischer Blood&Honour-Bands organisiert. Der Vertrieb selbst geht aus diesem Netzwerk hervor, welches seine Ziele auf einem Deutschlandtreffen 1998 folgendermaßen benennt: Blood&Honour (B&H) habe mehr denn als auf den Vertrieb von Musik beschränkt zu sein. Seine Aufgabe sei es, Patrioten verschiedener Stilrichtungen zu einen, nicht nur in der Musik auch im Kampf“.
Daß damit ganz klar das Organisieren und Begehen terroristischer Verbrechen gemeint ist, wird klar, wenn man die Wurzeln des Netzwerkes beleuchtet…

ENTSTEHUNG VON B&H 
Die Organisation Blood&Honour wird 1987 in Großbritanien von dem 1993 verstorbenen Sänger der neonazistischen Klut-Skinhead-Band „Screwdriver“, Ian Stuart Donaldson und von Nick Crane als „Independent Voice of the Rock against Communism“ gegründet. Ziel ist klar, Jugendliche mit radikal-faschistischem Gedankengut zu infizieren. Dabei bezieht sich B&H eindeutig positiv auf den Nationalsozialismus:“Wir folgen dem einzigen nicht korrupten Ideal: Nationalsozialismus und seinem großen Märtyrer Adolf Hitler. Der Sieg wird unser sein“ („Blood&Honour“ England,Nr.2,1987,S.2). Die musikalische Seite „Rock against Communism“ war eine Reaktion auf die erstarkende antifaschistische Rock-Against-Rassism-Bewegung. B&H entwickelte sich, getreu seiner Ideologie, mehr und mehr zur Finanzierungsquelle einer terroristischen Neonazigruppe, die sowohl Kritiker wie Konkurenten nicht nur mit Briefbomben einschüchterte sondern auch ermordete.

Nach dem Tod ihres Urhebers Donaldson 1993 übernimmt die 1991 in England gegründete faschistische Terrororganistion Combat 18 die Führung des Netzwerks. Schon der Name (die Zahlen 1 und 8 stehen für die entsprechenden Buchstaben im Alphabet: AH=Adolf Hitler) verdeutlicht wem und was sie sich verpflichtet sieht. Das Hauptbetätigungsfeld von C18 sind gewalttätige Aktionen gegen Migranten, Linke und Schwule; Bombenanaschläge verursachen 6 Tote und 180 Verletzte. Zudem etabliert Comat18 die Anti-Antifamethode den politischen „inneren Feind“ per der Veröffentlichung (Redwatch) von Namen, Fotos und Adressen für angriffswillige Kameraden zu outen. C18 fungiert als eine Art bewaffneter Schutz für B&H, wobei es um Unsummen an Einnahmen geht, um welche mafiose Verteilungskämpfe ausbrechen, Mord mit inbegriffen. Als der Führer der Organisation,Charlie Sargent, als Agent des britischen Geheimdienstes auffliegt, beginnt Combat 18 zu zerfallen.
Das heisst nicht jedoch nicht zwangsweise, dass nicht einzelne Zellen aktiv sein können. Und auch hier gilt wie in allen anderen Fällen verbotener, faschistischer Gebilde: der harte Kern der Mitglieder strukturiert sich um oder neu oder infiltriert bereits bestehende Strukturen, um diese in seinem Sinne zu radikalisieren. Vielfach ist das auch gar nicht nötig, weil der Extremismus ohnehin in vollem Ausmaß geteilt wird.
Jedenfalls flog etwa bei einer Razzia 2003 u.A. der zeitweise stellvertretende NPD-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein, Peter Borchert wegen CD-Handels im grossem Stil als Combat 18-Pinneberg (in der direkter Nachfolge der verbotenen B&H) auf. Ausserdem wird neben umfangreichem Propagandamaterial ein Arsenal an Waffen beschlagnahmt.

B&H IN DER BRD 
Eine erste Verankerung von B&H in Deutschland erfolgt Anfang der 1990ziger Jahre, für welche besagter Steffen Hammer als organisatorischer Kopf (Leiter der GBF) zu verantworten ist. Von Screwdriver-Service enstanden gleich mehrere Vertriebsorganisationen, im süddeutschen Raum als GBF; gemeinsame Tonträger wurden produziert. Aufgrund dieser unbehelligten Umtriebe fand 1991 in Brandenburg ein Screwdriver-und Noie Werte (!) (die Band Hammers) Konzert statt. Mit von der Partie war u.a. Denis Mahon, ein früherer Leiter des Whigt Knights of the Ku-Klux-Klan aus den USA. Das Konzert sollte die Initialzündung zur Schaffung einer deutschen Klan-Sektion werden. (Mensch mache sich bewusst, welch ein Charakter da 2011 in einer Anwaltskanzlei sitzt, deren EX-NPLer aktuell rechtsextremistischen Terrorrismus verteidigen und von dessen Biographie wieder keiner gewusst haben will?)

Seit 1990 gab es durch die Berliner GDNF-Organisation Nationale Alternative (NA), dem deutschen Knotenpunkt der NSDAP/AO-Gruppen (NSDAP-Auslands-und Aufbauorganisation, die aus den USA, Lincoln/Nebraska, operierte ) enge Verbindungen nach Skandinavien; sowie gemeinsame Wehrsportübungen in Schweden und Dänemark. 1993 richtete B&H Deutschland ein „Hauptquartier“ in Dänemark ein und es entwickelte sich ein Netzwerk, welches die Einfuhr illegaler Nazi-Propaganda in die BRD organisierte. Bei einer Razzia 1997 wurden in Kiel 31.000 Cd`s mit nazistischem Inhalt beschlagnahmt, hergestellt v.a. in Skandinavien und Osteuropa.

Blood&Honor `war` ein Netzwerk mit hochgradig militantem und terroristisch ambitioniertem Potential: Bombenbaukurse und Mordaufrufe gegen Linke („a bullet in the head“); Sprengstofffunde bei seinen Aktivisten sowie die Teilnahme an paramilitärischen Übungen gehörten zu seinem Reportoire. In einem vom Hamburger Sturm (Ausgabe August 99) geführten Interview aus dem Untergrund plädierten martialisch aufgemachte „Nationalrevolutionäre Zellen“ unverholen für die Bildung von terroristischen Kleingruppen, nach dem Vorbild des britischen Combat 18.

Auch wenn B&H 2003 verboten wurde, bleibt es ein umumstößlicher Fakt, daß seine Vertriebstrukturen nach wie vor (wenn auch konspirativ) bestens funktionieren. Da es von Anfang an in der Halbillegalität arbeitete, vielfach vom Ausland aus, hat es auch ohne Namen keine Probleme mit der Organisation der Einnahmequellen für rechtsterroristische Strukturen. So veranstalten munter zahlreiche „ehemalige“ B&H-Kader weiterhin Neonazikonzerte (wobei auch der Großteil der deutschen Rechtsrockbands der Organisation angehört/e) und treten bei Naziaufmärschen mit eigenem Block und B&H – Fahnen auf. Steffen Hammer scheint „gute Arbeit“ geleistet zu haben, wenn man das gegenwärtige Geschehen um den NSU wie eine Schablone auf die Zielsetzung dieser Terrorzellen propagandierenden Organisation legt, scheint diese orginalgetreu realisiert worden zu sein. Dabei noch das Kunststück fertig gebracht zu haben, mit zeitweilig per Steuergeldern finanzierte Rechts-KollegInnen zu besitzen und unbehelligt, trotz Outing als Haßgröler, 2011 mitten in Stuttgart eine Zweigstelle aufmachen zu können, sollte jedem Menschen mit klarem Verstand, mehr als zu denken geben.

Tatsache ist, dass im gesamten rechten Spektrum die Übergänge zwischen Partei, Organisationen, Kameradschaften e.c. sowie Propaganda/Musikvertrieben und auch einschlägigen Burschenschaften fliessend sind. Es können keine klaren Grenzen (wie der VS sie zu erkennen meint) gezogen werden. Das konspirative Netzwerk, welches letzlich das mobilisierbare Potential des extremistischen Neo-Faschismus ankurbelt, ist ein durch die gemeinsame „Ideologie“, sowie Vertriebs,-und Organisationsstrukturen und Finanzierungskanäle untrennbares Gespinnst. Gemeinsam ist allen seinen Teilen (auch wenn manche aus rein strategischen Gründen sich davon zu distanzieren bemüht sind) der Nenner den verfassungswidrigen und extremistischen Inhalt des (Neo)-Faschismus mit letztlicher Gewalt durchzusetzen. Es gab historisch gesehen noch niemals einen `pazifistischen Faschismus` und kann keinen geben, weil dies dessen Inhalt von Rassismus und Ausrottung, Herrenmenschentum und Volksblutreinheit absolut entgegengesetzt wäre.

Randnotiz:
Zur selben Zeit, 1991, als Steffen Hammer in seiner Funktion des Leiters von German British Friendship die Installation von Blood and Honour betreibt und damit den Vertrieb übelster illegaler Nazipropaganda,- und Musik ermöglicht…trat der Naziliedermacher Frank Rennicke in den Räumen der Universität Bonn während eines vom `Ost-West-Kreis` organisierten Liederabends im Rahmen des Studium Universale auf. Rennickes Gesänge haben knallhart revanchistische, rassistische, antisemitische und z.T. offen nationalsozialistische Inhalte. Die Räumlichkeiten für diesen Abend stellte der Politikwissenschaftler der Universität Professor Hans-Helmuth Knütter zur Verfügung, zu dieser Zeit Experte für das Thema Rechtsextremismus für die Schriftenreihe Innere Sicherheit des Bundesinnenministeriums. 1992 stellt er fest: „daß derzeit keine Chancen für den Rechtsextremismus bestehen“…siehe: „Die Linke und der Rechtsextremismus“, in BMI (Hg): Verfassungsschutz – Rechtsentwicklung -Bekämpfung des Extremismus – Bonn 1992, S.92.
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Als Quelle der Informationen zu Blood&Honour diente vorwiegend die Broschüre `Eject Fascism!`der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD) von 2004.

Quelle: Indymedia.org – aus 2012

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