PD Michael Menzel – vom Held zum Vertuscher?


Zusammengestellt Lutz Bucklitsch

Jetzt ein Jahr nach Anklageerhebung der schweren Straftaten, Mord, Raubüberfall und Sprengstoffdelikte, die man dem NSU zuschreibt, könnte die Welt eigentlich in Ordnung sein. Doch ist sie nicht. Immer häufiger werden grundsätzliche Dinge der Ermittlungen in Frage gestellt. Immer häufiger werden Aussagen der Beteiligten zum Hochsicherheitsrisiko für den Rechtstaat Bundesrepublik Deutschland. Immer häufiger werden „Dinge“ geschönt, auch die der Identifizierung von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Warum?

“Es dürfen keine Staatsgeheimnisse bekannt werden, die ein Regierungshandeln unterminieren.” 

Klaus-Dieter Fritsche, Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung

Ist das etwa die Erklärung für alle „Zufälle“, wie etwa der bewußten Aktenvernichtungen bei Polizeibehörden, Verfassungsschutzeinrichten in Bund und Länder?

Zurück zur Indentifizierung von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am 4.November 2011.

Aust/Laabs Heimatschutz

Bild aus „Stefan Aust/Dirk Laabs: Heimatschutz“

Bei der Identifizierung der beiden Leichen im Wohnmobil in Eisenach wird es erst richtig verwirrend.

Vorn unten rechts Böhnhardts Turnschuh, der Rest unterm Schutt. Hinten sitzt der tote Mundlos.
Dieses Foto stammt nicht vom Zeitpunkt des Auffindens, nach dem Löschen, sondern wurde nach dem Abtransport samt Leichen etc gemacht. 
Es ist nicht authentisch. 20-30 Grad schräge Rampe, da wurde alles durcheinander gewürfelt…
Böhnhardt sass vorher am Tisch, Loch in der Schläfe, Mundlos lag auf dem Boden, Brustverletzung.
So jedenfalls die Aussagen der Feuerwehrleute, deren Bilder verschwunden sind, bis heute…

Die Rolle des Polizeidirektors aus Gotha, Michael Menzel, erscheint zunehmend dubios. Dank seines Einsatzes wäre nach einem Banküberfall die terroristische Kleinstzelle “NSU” am 04.11. zerstört worden. Die Zelle wäre so geheim gewesen, dass Uwe Mundlos erst am 05.11.11 identifiziert werden konnte, Uwe Böhnhardt sogar erst noch später.  Doch es kam ein Vermerk des Kriminalbeamten Merten vom Kommissariat 22 der Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz, zum Vorschein. Sein Protokoll widerspricht Menzels Darstellung: Schon am 04.11.11 telefonierte Merten mit dem Leiter des Zwickauer Raubkommissariats, Leucht. Dort wurde Merten über die bereits identifizierten Böhnhardt und Mundlos informiert.

Merten sprach vor den Parlamentariern des Bundestags – PUA -, dass er nach dem Banküberfall in Eisenach von seinem Kollegen in Gotha, Wötzel, kontaktiert worden wäre. Dieser Kontakt könnte am 04.11. oder “spätestens” am 05.11. stattgefunden haben.

Zeuge Jens Merten: Ich bin sicher, dass wir am selben Tag oder spätestens einen Tag später dann noch mal miteinander telefoniert haben.”

Binninger, MdB/CDU, fragt, was Wötzel ihm sagte. Mertens antwortete, dass beide Namen genannt wurden: Mundlos und Böhnhardt.

Zeuge Jens Merten: Ja. Der Fakt, dass die beiden im Wohnmobil liegen und dass wir sie nur zu all den Taten nicht mehr vernehmen können. Und dann kam – das war so das Grobe erst mal -, dass es auch Personalien gibt natürlich, und die erste Frage von mir natürlich: Namen? Ist ja klar, weil man natürlich sofort in die Rückschau geht: „Wo sind die möglicherweise schon mal aufgetaucht?“ und ich für mich gleich abhaken konnte in dem Sinne: Die Namen habe ich nie gehört in all den zwölf Jahren.”

Interessanterweise verschiebt Clemens Binninger das Gespräch“relativ bald nach dem 04.11″. Binninger zitiert sinngemäß aus dem Aktenvermerk von Merten:  „Zwei Täter, der eine heißt Mundlos, der andere heißt Böhnhardt“.

Clemens Binninger (CDU/CSU): Hat der Herr Wötzel Ihnen am Telefon dann relativ bald nach dem 04.11. sagen können: „Zwei Täter, der eine heißt Mundlos, der andere heißt Böhnhardt“?

Als Antwort bringt Merten jetzt einen Kollegen Leucht aus Zwickau ins Spiel. Er, Merten, wisse nicht, ob der oder Wötzel ihm das gesagt hätteAuf alle Fälle hätte Wötzel mit ihm, Mertens, spätestens am 05.11. telefoniert.

Zeuge Jens Merten: Ich bin jetzt nicht sicher, ob er es mir gesagt hat oder ob es mir der Kollege Leucht aus Zwickau gesagt hat, weil wir so ein bisschen einen Dreierkontakt hatten. (…) Und es ist nicht auszuschließen, dass auch der Herr Leucht der war, der mich dann umfassend darüber informiert hat, dass die Namen zumindest Mundlos und Böhnhardt waren; das kann durchaus sein. Aber mit dem Herrn Wötzel habe ich definitiv dann mindestens einen Tag später auch telefoniert.(…)

Jetzt stellt der Abgeordnete Kurth fest: Die Namen kamen von Herrn Leucht! Merten weder dementiert noch bestätigte.

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Ja, ja. Also, Sie haben zuerst mit Herrn Leucht gesprochen. Und Herrn Leucht kannten Sie auch schon?

Zeuge Jens Merten: Den kannte ich vorher. Wir haben also seit dem ersten Zwickauer – Andersrum: Wir hatten vorher schon, vor der Überfallserie, ab und zu dienstlich miteinander zu tun, weil er der Kommissariatsleiter vom Raubkommissariat in Zwickau war und es immer mal irgendwelche Parallelen gegeben hat, wo wir Hand in Hand zusammengearbeitet haben mit den Zwickauer Kollegen. Aber ganz explizit haben wir seit dem ersten Zwickauer Überfall ganz direkt im schnellen Kontakt zusammengearbeitet, richtig.

Herr Kurth stellt nochmal klar, dass die von Binninger zitierte Aussage am 04.11. gefallen ist. Denn der Aktenvermerk wurde am 04.11. erstellt, sogar wahrscheinlich vor 15:00. Denn die Explosion von Beate Zschäpes Wohnung wurde nicht erwähnt.

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Können Sie noch sagen, wann er Sie an dem Tag angerufen hat? Das würde mich interessieren.

Zeuge Jens Merten: Also, wenn ich dazu einen Aktenvermerk geschrieben habe, dann steht es ganz konkret drin. Dann habe ich garantiert geschrieben: „am heutigen Tage“ oder „am Soundsovielten“.

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Nein, „am heutigen Tage“.

Zeuge Jens Merten: Ja. Und dann muss ja oben rechts ein Datum stehen.

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Ja, am 04.11.; aber nicht, wann. Kurz vor der Abendpause oder so oder wann? Das ist schwer zu sagen.

Zeuge Jens Merten: Sorry, daran kann ich mich jetzt nicht mehr erinnern. (…)

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Also, der Herr Wötzel hat den Herrn Leucht angerufen, und der Herr Leucht hat Sie dann angerufen –

Zeuge Jens Merten: Ja. (…)

Clemens Binninger (CDU/CSU): Mit dem hatten Sie ja Kontakt am 4. November 2011, ja?

Zeuge Jens Merten: Ja.

Clemens Binninger (CDU/CSU): Weil Sie waren sich vorhin nicht mehr ganz sicher, ob der –

Zeuge Jens Merten: Im Aktenvermerk steht es ja so drin, ja. (…)

Clemens Binninger (CDU/CSU): – dass er gesagt hat: „Wir haben jetzt dort den Banküberfall, und hier bei uns ist gerade ein Haus in die Luft geflogen“? Das löst ja auch einen Polizeieinsatz aus.

Zeuge Jens Merten: Ich sage mal so: Es muss ja ungefähr – weil ich vorhin auch nach der Zeit gefragt wurde, nach der Uhrzeit – irgendwas um den Nachmittag gewesen sein. Möglicherweise hat den Herrn Leucht diese Nachricht mit dem brennenden Haus auf der Frühlingsstraße zu dem Zeitpunkt noch gar nicht erreicht. Ich weiß es aber nicht.

Clemens Binninger (CDU/CSU): Das Haus war 15 Uhr und der Banküberfall, das Ende, war 12 Uhr.

Zeuge Jens Merten: Ja, richtig. Also, es kann ja durchaus sein – – Wir haben jetzt um 14 Uhr schon telefoniert; da konnte der Herr Leucht das mit dem Haus ja noch gar nicht wissen. Ich bin sicher, ich hätte es sonst mit reingeschrieben, so wie ich alles andere auch reingeschrieben habe.”

Beleg dieser Vernehmung

Nachfolgend die weiteren Widersprüche in Sachen Identifizierung Mundlos/Böhnhardt und weiterer Zusammenhänge in diesen ersten Stunden.
1. PD Michael Menzel,

Am Freitagnachmittag sei die mehrheitliche Meinung der Beteiligten gewesen, es gebe einen Zusammenhang zum Banküberfall, aber Identität oder Wissen über die Personen habe es nicht gegeben. […] Menzel sagt, die Identifizierung sei ihm im Wohnwagen nicht gelungen. Auch mit Bildmaterial sei die Identifizierung nicht möglich gewesen. Um 16 Uhr sei die Waffe der Polizeibeamtin Kiesewetter identifiziert worden, deswegen sei es um die schnellstmögliche Identitätsklärung der Personen gegangen. Die Kriminalpolizeiinspektion Jena sei beauftragt worden, dieVermisstenakte zu beschaffen, die sei zusammen mit Leichnamen zur Gerichtsmedizin gegangen. Mundlos sei am Samstag früh identifiziert worden, dann sei es um die Identifizierung des zweiten Leichnams gegangen, welche aufgrund einer Tätowierung gelang. Der Leitende Polizeidirektor von Gotha hat als Zeuge im Prozess vor dem Oberlandesgericht in München am 52. Verhandlungstag, dem 06.11.2013, ausgesagt, dass er am 04.11.2011 die Vermisstenakte von Uwe Mundlos beiziehen ließ, um eine Identifizierung der Toten zu ermöglichen:

Beweishttp://www.nsu-watch.info/2013/11/protokoll-52-verhandlungstag-6-november-2013/

Weil Gotha über keine eigenen Unterlagen verfügt habe, habe man sich wegen der Vermisstenanzeige an die Kriminalpolizeiinspektion Jena gewandt. Kuhn sagt, das sei am Nachmittag des 4. November gewesen, warum man dann von einer dritten Person ausgegangen sei. Menzel sagt, das sei am Abend gewesen.

Kurzfassung: 

Polizeipistole gefunden, um 16 Uhr Pistole Kiesewetter identifiziert, Vermisstenakte Mundlos beigezogen, dort Fingerabdrücke drin, Mundlos identifiziert in der Nacht um 3 Uhr.

Soweit klar?

___________________

Nun wieder PD Michael Menzel:

Am 31.03.2014 korrigiert Michael Menzel vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss diese problematische Aussage. Denn um Mundlos Vermisstenakte beizuziehen, hätte es logisch zwingend Hinweise auf die Identität des Toten geben müssen. Das ist Menzel schon während der Zeugenvernehmung in München klar geworden. In Erfurt sagt er nun Folgendes:

„Die Fingerabdrücke liegen aber nicht in der Akte sondern in dem Polizeisystem […] Die Akte ist am Samstag angefordert worden und nicht gefunden worden”, erst am Montag ist sie dann wohl aufgetaucht.

Beweishttps://haskala.de/2014/03/31/ticker-zum-nsu-untersuchungsausschuss-31-03-2014/#erster

___________________

Einschub:
Für die Freunde von logischem Denken, Rätselfreunde:

Am Freitagnachmittag sei die mehrheitliche Meinung der Beteiligten gewesen, es gebe einen Zusammenhang zum Banküberfall

Wusste man mehr?

Die Beute aus dem letzten Bankraub wurde aber bis dahin nicht gefunden. Der vermeintliche Transportrucksack auch nicht.

1. Menzels Kollege vom LKA, Chef der Zielfahnder Sven Wunderlich

Beweis:http://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Protokoll-Nr%2051.pdf

Seite 62, Bundestags-Wortprotokoll

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Sie sagten gerade eben: Am Vorabend wurde
der Kollege Dressler informiert. – Vorabend von was? 05.11.?

Zeuge Sven Wunderlich: Vom 05.11.

Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP): Also am 04.11. wurde er informiert?

Zeuge Sven Wunderlich: Ja.

Damit dürfte dann wohl die Identifizierung von Böhnhardt erfolgt sein, SPÄTESTENS am Abend des 4.11.2011. Das steht auch im Totenschein: 23:13 Uhr, 4.11.2011

Der 2. Zeuge für Menzels wundersame Aussagenwandlung ist demnach der Kollege vom Staatsschutz des LKA, Jürgen Dressler.

Der 3. Zeuge ist der Ex-Verfassungsschützer (bis 2001, auch Tino Brandts V-Mannführer) und dann bis 2011 (Pensionierung) beim LKA tätige Norbert Wiessner.

13.21
Der Gothaer Polizeichef habe ihn kurz nach dem Auffinden der Leichen in Eisenach im November 2011 zu einem Gespräch aufgefordert “Wenn du keine Auskunft gibst, gehe ich zum LfV und beschlagnahme die Akten” hatte er geäußert.” Wießner gab ihm den Tipp “Du kannst ansetzen bei Wohlleben”, er wusste das Wohlleben Kontakt zu den Eltern des Trios und den flüchtigen Dreien selber hatte. 

Wann genau rief PD Menzel den Wiessner an und erzählte, Böhnhardt und Mundlos seien tot?

Menzel: “Der Wießner sagt ja auch, dass er am 4.11. angerufen wurde …

Wiessner hat später auf 5.11, abgeändert, dann auf den 6.11.2011. Auch bei ihm besteht der Verdacht einer Falschaussage.

Auch Zielfahnder Wunderlich schützte später seine LKA-Kollegen und dürfte sich damit ebenfalls einer möglichen Falschaussage schuldig gemacht haben. Zumindest was Menzels Anruf bei Wiessner angeht…

Der 4. Zeuge dieser Widersprüche ist sein eigener Kollege aus Gotha.

77. VT. OLG München
Ronald Kö. (KHK bei der Polizei Gotha, Waffen im Wohnmobil)

An einer weiteren Waffe sei die Waffennummer vorhanden gewesen, so dass hier ein Zusammenhang mit Heilbronn ersichtlich geworden sei. Er habe das sofort seiner vorgesetzten Stelle mitgeteilt. Es habe sich um eine Heckler & Koch Pistole gehandelt. Eine Inpol-Anfrage habe ein Treffer ergeben, dass es eine Dienstpistole aus Baden-Württemberg vom Kollegen Martin A. gehandelt habe. Es sei eine weitere Pistole H&K im durchgeladenen Zustand im Wohnmobil gewesen.

Beweishttp://www.nsu-watch.info/2014/01/protokoll-77-verhandlungstag-22-januar-2014/

Also Arnolds Dienstwaffe war das, nicht Kiesewetters Dienstwaffe?

Anschauen, die ersten 3 Minuten reichen, Pressekonferenz vom 7.11.2011,

Aussage Menzel: Nur 1 Dienstwaffe gefunden.

Nur Kiesewetters Dienstwaffe wurde bis 7.11.2011 gefunden!
Wo ist denn die vom Martin Arnold???

Quellen:  PUA Deutscher Bundestag, OLG München, Thüringen Journal / Wer-nicht-fragt-bleibt-dumm.blog /Friedensblick /“Stefan Aust/Dirk Laabs: Heimatschutz“

3 Kommentare

  1. Hat dies auf rebloggt.

  2. […] Ursprünglich veröffentlicht auf Prof. Dr. Hajo Funke: […]

  3. Das ist alles sehr interessant; ich muss aber sagen, dass ich mich Herr Menzels Fehler (7.11.2011) nachvollziehbar finde.
    Er ist ziemlich aufgeregt (wg. Kamera, die Tragweite der Sache usw.) gewesen; wahrscheinlich hat selten mit solchen wichtigen die Fällen zu tun. Zudem ging es um die Ermordung von einer Polizistin (aufgebrachte Kollegen usw.). Deshalb meinetwegen haette er die Dienstwaffen vom Her Arnold u. Frau Kiesewetter leicht verwechseln koennen.

    Vielen Dank fuer ihre sehr hilfreiche Blogs!

    Leider gibt es nicht viel Leute hier in GB (London), die den NSU-Komplex mit Aufmerksamkeit folgen.

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