Tino Brandt: Zuhälter auf eigene Rechnung oder für den Verfassungsschutz?


von Lutz Bucklitsch

 

Tino Brandt – gehört zu den umtriebigsten Figuren der V-Leute-Szene.Einer  der Spitzenverdiener der V-Leute in der Bundesrepublik zeigt seit Jahren auch „unternehmerische Qualitäten“. Kassierte er Millionen bei Versicherungsbetrügereien? – Ermittlungsverfahren läuft bereits seit zwei Jahren gegen ihn und weitere Beschuldigte, so wirft ihn heute die Staatsanwaltschaft Zuhälterei mit minderjährigen Knaben vor.

Verdacht auf Zuhälterei: Neue Razzia bei Ex-V-Mann Tino Brandt

Von Sven Röbel

Tino Brandt (2001): Zeuge im NSU-ProzessZur Großansicht

Peter Juelich

Tino Brandt (2001): Zeuge im NSU-Prozess

Hat Tino Brandt, Exchef des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“, minderjährige Jungen ausgebeutet? Die Staatsanwaltschaft Gera verdächtigt ihn der Zuhälterei und ließ jetzt seine Wohnung durchsuchen.

Rudolstadt/Berlin – Gegen den Gründer und ehemaligen Chef des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“, Tino Brandt, wird wegen des Verdachts der Zuhälterei ermittelt. Das sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Gera, Thomas Villwock, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit einen Bericht der „Thüringer Allgemeinen“.

Dem Beschuldigten Brandt, so Villwock, werde vorgeworfen, minderjährige Jungen zwecks Prostitution an Freier vermittelt zu haben. Im Zuge der Ermittlungen seien am Mittwoch mehrere Wohnungen in Thüringen durchsucht worden, darunter auch das Domizil Brandts in Rudolstadt. Unter anderem suchten die Fahnder nach Datenträgern, Finanzunterlagen und Bildmaterial mit sexuellen Handlungen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE steht Brandt im Verdacht, bereits seit 2011 mehrere männliche Jugendliche und Heranwachsende, die der Prostitution nachgingen, „ausgebeutet“ und von ihnen „Provisionen“ von bis zu 60 Prozent ihres Freierlohns gefordert zu haben. Zudem soll er den Jungen mehrere Wohnungen – unter anderem in Rudolstadt und Bad Blankenburg – zur Verfügung gestellt haben.

Brandt will sich nicht äußern

Die Ermittlungen gegen den bekennenden Rechtsextremisten, der von 1994 bis 2001 als V-Mann für das Erfurter Landesamt fürVerfassungsschutz arbeitete, kamen offenbar durch ein anderes Strafverfahren ins Rollen: Bereits seit 2012 wird Brandt verdächtigt, einer mutmaßlichen Betrügerbande angehört zu haben, die mit fingierten Arbeitsunfällen größere Versicherungssummen erschlichen haben soll.

Bei entsprechenden Wohnungsdurchsuchungen im März 2012 hatten Fahnder Computer und Datenträger beschlagnahmt, auf denen sich jetzt offenbar Hinweise auf die Prostitutionsgeschäfte fanden. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte sich Brandt am Donnerstagnachmittag nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern.

Vollständiger Artikel

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob jemals ein Verfahren gegen den vom Verfassungsschutz angeheuerten Rechtsextremisten, auch vor einem deutschen Strafgericht stattfindet. Bislang haben die Schlapphüte dieses jedes Mal verhindern können…

Hintergrund zum V-Mann Tino Brandt

Tino Brandt (* 30. Januar 1975) war in den 1990er Jahren einer der aktivsten Neonazi-Kader in Thüringen, Landesvizevorsitzender der NPD sowie Mitinitiator und Kopf des „Freie Kameradschafts”-Netzwerkes „Thüringer Heimatschutz” (THS). Seine Enttarnung als V-Person des Thüringer Verfassungsschutzes im Mai 2001 sorgte bundesweit für Aufsehen.

Am 26. Januar 2012 wurde Tino Brandt von der Bundesanwaltschaft zur Zeugeneinvernahme nach Karlsruhe geladen. Er schilderte sein Verhältnis zu Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die im Verdacht stehen, den Kern der rechtsextremen Terrorgruppe der Nationalsozialistischer Untergrund gebildet zu haben, als das eines Boten. Laut Aussage von André Kapke hingegen soll Brandt dem NSU im Untergrund geholfen haben.

Aus der Antwort vom März 2012 auf eine parlamentarische Anfrage von Martina Renner von der Thüringer Landtagsfraktion Die Linke geht hervor, dass gegen Brandt seit 1994 35 Mal unter anderem wegen Volksverhetzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Betrug und der Bildung krimineller Vereinigungen ermittelt wurde. Die Mehrzahl der Verfahren wurde eingestellt. Achtmal wurde Brandt angeklagt, letztendlich jedoch nicht verurteilt.

Im September 2012 meldete Brandt Privatinsolvenz an, wobei sich die Forderungen der Gläubiger laut einem Bericht der Thüringer Allgemeinen auf einen siebenstelligen Betrag summieren. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft nach einer Hausdurchsuchung im März 2012 wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs gegen Brandt und 13 Personen aus seinem Umfeld. Sie sollen Geld über Versicherungsbetrug mit fingierten Arbeitsunfällen in ihrer Firma beschafft haben. Auch ein durch Brandt vorgenommener Hauskauf inHeilbronn im Jahr 2004 wird untersucht. Da der Kaufpreis nie beglichen wurde, verkaufte der Zwangsverwalter der Bank das Objekt im Jahr 2008 wieder. Auch eine mögliche Verbindung zum Polizistenmord von Heilbronn, bei dem 2007 die ebenfalls aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt stammende Michèle Kiesewetter getötet wurde, ist Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Überprüfung.

Ob immer noch ein Nachrichtendienst seine Hand über diesen Mann hält, ist derzeit umstritten.

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