BKA prüft neue Hinweise zu NSU-Kontakten von Tino Brandt


Das Bundeskriminalamt geht neuen Hinweisen zu den NSU-Verbindungen des Neonazis und Ex-V-Manns Tino Brandt nach. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN hat ein Zeuge beim Bundeskriminalamt ausgesagt, Brandt habe ihm erzählt, dem Trio ein Wohnmobil besorgt zu haben. Außerdem sollen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe mindestens ein weiteres Wohnmobil irgendwo in Deutschland als alternatives Fluchtfahrzeug abgestellt haben. An welchen Orten, konnte er allerdings nicht sagen. Der Zeuge gab außerdem zu Protokoll, Brandt habe gesagt, dass er bis zum Schluss Kontakte zum Trio gehabt habe. Die Bundesanwaltschaft bestätigte MDR THÜRINGEN, dass sie diesen Hinweisen nachgehe.

Frische Vernehmungen von Saalfelder Polizei und BKA

Dorothea Marx

Dorothea Marx, Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses.

Die Informationen stammen aus dem aktuellen Verfahren der Staatsanwaltschaft Gera gegen Brandt wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch und Zuhälterei. Der Zeuge war dazu von der Polizei Saalfeld vernommen worden. Im Zuge dieser Aussage machte er auch Angaben zu Brandts NSU-Kontakten. Die Staatsanwaltschaft Gera informierte daraufhin die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. In der weiteren Zeugenvernehmung beim BKA wiederholte der Mann seine Aussagen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN soll es bei den Ermittlern aber Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen geben.
Der NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages ist inzwischen darüber informiert worden, dass es neue Hinweise zu Brandts Trio-Kontakten gibt. Die Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD) sagte auf Anfrage, dass dem Ausschuss aufgrund des laufenden NSU-Verfahrens keine Details genannt worden seien.

Tino Brandt ist kommende Woche Zeuge im NSU-Verfahren am Oberlandesgericht München. Brandt kannte Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe aus der Zeit der Neonazi-Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“.

Wichtigster V-Mann in Neonaziszene

Tino Brandt

Tino Brandt

Tino Brandt galt in den 90er-Jahren als Kopf des „Thüringer Heimatschutz“ und war gleichzeitig V-Mann des Verfassungsschutzes. Nach dem Untertauchen des Trios 1998 versuchte der Geheimdienst, über ihn mehr über das Trio zu erfahren. Brandt sagte unter anderem, bei einem Telefonkontakt von einer Coburger Telefonzelle aus die Stimme Uwe Böhnhardts erkannt zu haben. Der öffentlich verfügbare Bericht einer Untersuchungskomssion listet zahlreiche Angaben Brandts aus den Gesprächen mit seinen V-Mann-Führern auf, von Szeneinformationen über die Untergetauchten bis zu konspirativen Unterstützungsaktionen.

Der Geheimdienst übergab Brandt außerdem 2.000 Mark, mit denen das Trio sich gefälschte Pässe besorgen sollte. Auf diese Weise hoffte der Geheimdienst ebenfalls, den drei auf die Spur zu kommen. Der Verbleib des Geldes ist aber nicht zweifelsfrei geklärt. Über weitere Kontakte Brandts zu den Ungetauchten ist bisher nichts bekannt.

 

Quelle: MDR

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