Tino Brandt| Zschäpe war „keine dumme Hausfrau“


Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat die auf drei Tage angelegte Zeugenvernehmung des Neonazis und früheren Verfassungsschutz-Spitzels Tino Brandt begonnen. Er zählte zu den führenden Köpfen der rechtsextremen Szene in Thüringen. Brandt machte viele Erinnerungslücken geltend, bot aber einige Einblicke in das Wirken der Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).

Brandt sagte, er habe Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe bei Stammtischen und Schulungen der Rechtsextremen ab Anfang der 1990er-Jahre wiederholt getroffen. Mundlos sei als „nationaler Sozialist“ aufgetreten, Böhnhardt etwas schweigsamer gewesen. Zschäpe sei zwar ebenfalls eher zurückhaltend gewesen, sie habe aber Wissen etwa zum Thema Germanentum und rechte Weltanschauung gezeigt.

Er charakterisierte Zschäpe als „ein Mädchen, die in Ordnung war, und die bei politischen Sachen, bei solchen Sachen, durchaus mit teilgenommen hat“. Sie sei „keine dumme Hausfrau“.

Früherer V-Mann sagt im NSU-Prozess aus
tagesschau 20:00 Uhr, 15.07.2014, Eckhart Querner, BR

 

Telefonat über eine „Geldgeschichte“

Die Aussagen Brandts stützen die Auffassung der Bundesanwaltschaft, derzufolge Zschäpe sich aktiv im NSU einbrachte. Die Anklage argumentiert, dass ohne ihre Hilfe Mundlos und Böhnhard nicht jahrelang unerkannt aus dem Untergrund heraus hätten morden können. Deswegen wurde Zschäpe als Mittäterin angeklagt, obwohl ihr bislang keine direkte Beteiligung an einer der Gewalttaten nachgewiesen werden konnte.

Der 39-jährige Brandt sagte zudem aus, dass er nach dem Untertauchen des NSU noch einmal mit der Terrorgruppe telefonierte. Er habe mit Böhnhardt über eine „Geldgeschichte“ gesprochen. Den genauen Aufenthaltsort des Trios habe er zwar nichts gewusst, behauptete er, aber ihm sei klar gewesen, dass sich die Drei in Sachsen aufhielten. Dies habe er auch gegenüber René und Günter – seinen beiden V-Mann-Führern – erwähnt, so Brandt.

NSU-Prozess: Vernehmung von Tino Brandt
M. Reiche, BR
15.07.2014 17:59 Uhr

 

Ansonsten nutzte Brandt seinen Auftritt auch, um seine rechtsextremistische Haltung zu demonstrieren. Nicht nur Edith Lunnebach, eine Anwältin der Nebenklage, fand das „schwer erträglich“. Sie habe den Eindruck, dass es Brandt „Spaß mache“, seine politischen Ansichten in der Hauptverhandlung auszubreiten.

In Handschellen im Gerichtssaal

Brandt war in Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden. Er sitzt in Gera wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch und Zuhälterei in Untersuchungshaft, weil er einen 15-Jährigen sexuell missbraucht und an Freier vermittelt haben soll. Außerdem soll er weitere Jugendliche und Männer als Zuhälter illegal an Freier weitergeleitet haben.

Bereits kurz nach der Wiedervereinigung soll Brandt soll den „Thüringer Heimatschutz“ aufgebaut haben, zu dem auch das mutmaßliche Terror-Trio gehört haben soll. Außerdem arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Für seine Spitzeldienste soll er umgerechnet rund 100.000 Euro erhalten haben, die er zur Finanzierung der rechtsextremen Szene eingesetzt haben will.

Anschläge und Morde

Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Die Taten sollen die mutmaßlichen Rechtsterroristen aus Ausländerhass verübt haben. Aufgeflogen war die Gruppe erst, nachdem sich Mundlos und Böhnhardt nach einem missglückten Banküberfall 2011 das Leben genommen hatten. Zuvor hatte das Trio jahrelang unerkannt im Untergrund gelebt.

Quelle: tagesschau

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