Rechtsextremes Gefängnis-Netzwerk: Neonazi-Kameradschaft bekommt Vereinsstatus


Von Julian Feldmann und Carsten Meyer

Bernd T. (links): Vereinspräsident mit einschlägigen ErfahrungenZur Großansicht

Julian Feldmann

Bernd T. (links): Vereinspräsident mit einschlägigen Erfahrungen

Der hessische Neonazi Bernd T. baute im vergangenen Jahr aus der Haft heraus ein rechtsextremes Gefängnis-Netzwerk auf. Der Skandal flog auf; jetzt macht T. wohl da weiter, wo er aufgehört hat.

 Neonazi Bernd Tödter

Kassel – Die Satzung des Vereins „Sturm 18 e. V.“, seit wenigen Wochen eingetragen beim Amtsgericht Kassel, lässt kaum Fragen offen. Als Vereinssymbol fungiert der „Reichsadler von 1935 – 1945 in modifizierter Version“, daneben ein „Eichenlaubkranz“ mit der Zahl „18“ – ein in der Neonazi-Szene gängiger Code für die Initialen Adolf Hitlers. Bei offiziellen Veranstaltungen, so die Satzung, bestehe für die Vereinsmitglieder „Uniformpflicht“, man trete für die „Erhaltung der deutschen Schrift, Sprache, Musik und Kultur“ ein und beschäftige sich mit „Gefangenenhilfe“.

Vereinspräsident Bernd T., 39, hat mit dem Alltag in deutschen Gefängnissen einschlägige Erfahrungen. Im Frühjahr 2013 sorgte der justizbekannte Rechtsextremist für Schlagzeilen, als ein von ihm initiiertes Gefängnis-Netzwerk namens „AD Jail Crew (14er)“ aufflog und die Staatsanwaltschaft bundesweit Haftzellen durchsuchen und reichlich Schriftgut beschlagnahmen ließ.

Bernd T. verbüßte damals selbst eine Freiheitsstrafe im hessischen Hünfeld; die Tatsache, dass er offenbar unter den Augen von Justiz und Sicherheitsbehörden eine Plattform für rechte Straftäter zu gründen versuchte, löste seinerzeit einen Skandal aus.

Nach T.s Haftentlassung machte der bekennende Neonazi offenbar genau dort weiter, wo er damals aufhören musste: Laut amtlichen Unterlagen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, wurde sein rechter „Sturm 18“ am 27. Juni vom Kasseler Amtsgericht offiziell als Verein eingetragen und erhielt die Registernummer VR 5129. Obwohl Symbolik und Programmatik frappierend an die „AD Jail Crew“ erinnern und auch der neue „e. V.“ teils unverhohlene Bezüge zur nationalsozialistischen Weltanschauung aufweist, schritt die zuständige Rechtspflege offenbar nicht ein.

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