Spiegel| Oktoberfest-Attentat: Die vergessenen Spuren


Von Tobias Lill

Oktoberfest-Attentat: Zweifel an der These vom EinzeltäterFotos
AP

13 Tote, Hunderte Verletzte – 1980 explodierte eine Bombe auf dem Münchner Oktoberfest. Ermittler gingen von einem Einzeltäter aus. Neue Erkenntnisse nähren die Zweifel. War eine rechte Terrorgruppe beteiligt?

Es ist dieses eine Ereignis im Leben vieler Kriminalpolizisten, das sie einfach nicht mehr loslässt. Für Josef Ottowitz war es der Abend des 26. September 1980. Damals musste der heute 73-jährige Kommissar mitansehen, wie ein Attentat den Traum von einem unbeschwertenOktoberfest für lange Zeit zerstörte.

Um 22.19 Uhr wollte der rechtsextreme Student Gundolf Köhler einen Sprengsatz in einem Abfalleimer am Haupteingang verstauen, als die Bombe plötzlich explodierte. Es gab einen Lichtkegel, Schreie, Panik. 13 Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt – 68 davon schwer. Köhler war unter den Toten.

„Alles war voller Blut, überall Blut“, sagt Ottowitz. Betrunkene trampelten einfach über die Anschlagsstelle, manche sogar über die Leichen, während die Blasmusik weiter aus den Bierzelten dröhnte. Die Gummistiefel, die Ottowitz beim Einsatz anhatte, trug er danach nie wieder.

Aber die Vergangenheit lässt sich nicht so leicht ablegen wie ein altes Paar Stiefel. Noch heute, wenn er über die Festwiese schlendert, quält den ehemaligen Kripo-Mann die Frage, wie genau es zu der Tat kam. Das damals ermittelnde bayerische Landeskriminalamt (LKA) sowie die Bundesanwaltschaft gelangte zum Ergebnis, dass Köhler den Anschlag im Alleingang verübt habe. 1982 stellte die Karlsruher Behörde die Ermittlungen ein.

„Die These vom verwirrten Einzeltäter lässt sich nicht halten“

Mehr als drei Jahrzehnte später könnte der Fall jetzt neu aufgerollt werden. Werner Dietrich, der sich seit Jahren im Auftrag mehrerer Opfer für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen einsetzt, hat einen entsprechenden Antrag bei der Bundesanwaltschaft gestellt.

Mit zwei Wiederaufnahmegesuchen war er 1984 und 2008 gescheitert. Und das, obwohl bereits kurz nach der Tat zahlreiche Indizien aufgetaucht waren, die auf Mittäter deuteten: Zeugen hatten Hinweise auf mögliche Komplizen Köhlers gegeben. Ein Befragter hatte ihn kurz vor der Explosion mit zwei Männern streiten sehen. Köhler hatte zudem nachweislich Kontakte zur rechtsradikalen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Dem Verdacht, ein nationalistisches Terrornetzwerk könnte hinter der Tat stecken, gingen die Ermittler nach Ansicht Dietrichs freilich nie ernsthaft nach.

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