FR| Frühe Hinweise auf den NSU übersehen


Von ANDREAS FÖRSTER

Demonstration gegen den Verfassungsschutz in München. Foto: dpa

Der Verfassungsschutz gerät angesichts neuer Details über die Arbeit des V-Manns „Corelli“ weiter unter Druck.

Im Fall des unter mysteriösen Umständen verstorbenen V-Manns „Corelli“ erhöhen neue Details den Druck auf das Bundesamt für Verfassungsschutz. So hatte der amtsintern als Spitzenquelle eingestufte Spitzel bereits 2002 dem BfV ein erstes Dokument besorgt, in dem die rechte Terrororganisation NSU namentlich erwähnt wird.

Am vergangenen Mittwoch erst war bekannt geworden, dass „Corelli“ im Jahr 2005 dem BfV eine CD mit Bildmaterial übergeben hatte, die er seinerzeit unter dem Label „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in der rechten Szene vertrieben hatte. Trotz dieser beiden Informationslieferungen des V-Manns beharrt das BfV weiter darauf, vor dem Auffliegen der rechten Terrorgruppe im November 2011 keine Kenntnis vom NSU gehabt zu haben. Die beiden von dem V-Mann gelieferten Hinweise seien übersehen worden.

Den ersten Hinweis auf den NSU lieferte „Corelli“, hinter dem sich der bundesweit führende Neonazi Thomas R. verbarg, im Oktober 2002. Damals übergab er seinem Verbindungsführer im BfV ein Exemplar des Nazi-Fanzines „Der Weisse Wolf“. Die Macher des Magazins hatten vom NSU-Trio eine Geldspende von 2500 Euro erhalten. Auf der Seite 2 des von „Corelli“ beschafften Heftes tauchte an herausgehobener Stelle eine Notiz für den Spender auf: „Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen. Der Kampf geht weiter…“, heißt es dort.

Über die NSU-Spende und die Danksagung in dem Nazi-Magazin war bereits im Juni 2012 in den Medien berichtet worden. Weitgehend unbekannt war bislang allerdings, dass „Corelli“ das Heft mit dem Dank an den NSU für das BfV beschafft hatte – und zwar im Auftrag des Amtes. So hatte es ein BfV-Beamter in einer als „Geheim“ eingestuften Zeugenvernehmung vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages bestätigt. Allerdings sei bei der Auswertung des Magazins der Hinweis auf den NSU übersehen worden, sagte der Beamte weiter. Man habe dieser eher ironisch gehaltenen Danksagung an den NSU keine „inhaltliche Relevanz“ beigemessen.

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