Spiegel| Zweiter Weltkrieg: Der Retter im Vatikan – Hugh O’Flaherty


Hugh O'Flaherty: Vatikangeistlicher versteckt Juden vor den Nazis
O’Flaherty Family Archive/ O’Flaherty Society/ Marie Lalor und Familie

Der irische Vatikangeistliche Hugh O’Flaherty versteckte nach 1943 mehr als 6.000 Menschen in Rom vor den Nationalsozialisten. Mit seinem deutschen Gegenspieler lieferte er sich eine mörderische Jagd. Von Rüdiger Strempel und Arne Molfenter

Es war ein Morgen, den er herbeigesehnt hatte. Der 45-jährige Settimio Calò machte sich früh auf zur Piazza Monte Savello. Das Gerücht ging um, dass ein Tabakladen eine Lieferung Zigaretten erhalten hatte. Der Familienvater und Kettenraucher schloss die Wohnungstür und machte sich auf den Weg. Seine Frau Clelia und seine zehn Kinder schliefen weiter in der engen Wohnung im Zentrum des römischen Ghettos. Calò musste lange anstehen, bis er endlich seine Zigaretten kaufen konnte. Währenddessen begannen SS-Männer im römischen Ghetto zu wüten.

Als Calò zurück in seine Wohnung kam, war diese menschenleer. Es war der 16. Oktober 1943 – der Tag, an dem die ersten römischen Juden deportiert wurden. Seine Frau und seine Kinder sollte er nie wieder sehen. Sie gingen wie alle anderen den Weg nach Auschwitz. „Mir ist es viel schlechter ergangen“, sagte Calò im Rückblick. „Ich habe überlebt.“

Nur 16 der 1024 Opfer kehrten zurück. Verantwortlich für die Razzia war der Chef der SS und des Sicherheitsdienstes in Rom, Obersturmbannführer Herbert Kappler. Ein Name, der bis heute in Italien nicht vergessen ist. Mit ihm verbindet sich ein weiteres grausames Kriegsverbrechen der Deutschen, das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen, bei dem unter seinem Kommando 335 Menschen mit Genickschuss hingerichtet wurden.

Doch Kappler besaß in Rom einen Widersacher, dessen Entschlossenheit nach dem Abtransport der Juden nur noch größer geworden war. Es war der im Vatikanbeschäftigte irische Geistliche Monsignore Hugh O’Flaherty. Ab 1943 rettete er in Rom mehr als 6.000 Menschen aus 25 Nationen vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Unter ihnen waren viele Juden. Einige versteckte er im Vatikan, andere in Privathäusern. Man sprach bald von der „Römischen Fluchtlinie“. Kein Einzelner hat im Zweiten Weltkrieg mehr alliierten Soldaten das Leben gerettet, als O’Flaherty. Rasch begann zwischen ihm und seinem Gegenspieler Kappler eine mörderische Jagd.

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