BR| Brandanschlag in Vorra: Polizei vermutet rechtsradikale Täter


Im Februar sollten Flüchtlinge in Vorra (Lkr. Nürnberger Land) untergebracht werden. Nun wurden die Häuser angezündet und Hakenkreuze an Wände geschmiert. Offenbar hatten sich in Vorra zuletzt immer wieder Neonazis getroffen. Die Bevölkerung vor Ort ist entsetzt.

Stand: 12.12.2014

Etwa ein Dutzend Beamte einer eigens eingerichteten Ermittlungskommission untersuchen den Brand, sagte Polizeisprecher Peter Schnellinger dem Bayerischen Rundfunk. Sie hätten Hinweise auf Brandbeschleuniger gefunden, weshalb die Ermittler von Brandstiftung ausgehen. Derzeit werden die Anwohner befragt. Von ihnen erhofft sich die Polizei Hinweise auf den oder die Täter. Auch der Staatsschutz ermittelt.

„Es ist ganz offensichtlich Brandstiftung. Und diese Hakenkreuzschmierereien lassen den Verdacht zu, dass es sich hier um rechtsradikale Täter handeln könnte. Wir werden alles tun, um die Täter zu identifizieren.“

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Bayerischen Rundfunk

Die Ermittler gehen davon aus, dass die ausländerfeindlichen Schmierereien an den Wänden einer Scheune in der Nacht angebracht wurden und mit dem Feuer in Zusammenhang stehen. In den vergangenen Monaten haben sich am Ortsrand von Vorra offenbar regelmäßig mutmaßliche Neonazis getroffen. Man habe „kleine Gruppen, die wohl dem rechten Rand zuzuordnen sind“ in einem Wochenendhaus beobachtet, sagte Vorras Bürgermeister Volker Herzog (SPD) dem Bayerischen Rundfunk. Die Gemeinde habe dies der Polizei gemeldet, die bei ihren Beobachtungen aber bisher keine Auffälligkeiten festgestellt habe, so Herzog. Auch rechte Schmierereien habe es bisher im Ort nicht gegeben.

Rechtsradikaler Hintergrund vermutet

Brand in Asylbewerberunterkunft Vorra / Mittelfranken | Bild: Tomafotografie

Brandanschlag auf das Gasthaus „Zur Goldenen Krone“

Das Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ und die beiden anderen Gebäude wurden nach BR-Informationen renoviert, um als Asylbewerberunterkunft zu dienen. Regelmäßig waren Arbeiter auf der Baustelle. Die ersten Flüchtlinge sollten im Februar einziehen. Die Gebäude sind nun unbewohnbar. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf 700.000 Euro und bittet um Hinweise von Zeugen. Telefon: 0911 / 21 11 – 33 33

Unterstützerkreis in Vorra entsetzt

Rechtsradiklae Schmierereien in Vorra / Mittelfranken | Bild: picture-alliance/dpa

Rechtsradikale Schmierereien an einem Nebengebäude

„Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut“, sagte eine Bürgerin aus Vorra. In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf extra ein Unterstützerkreis gegründet. Die Bewohner seien froh gewesen, dass die seit Jahren leerstehenden Gebäude endlich saniert und für Flüchtlinge hergerichtet worden seien.

„Die Bestürzung im Ort ist sehr groß. Wir hatten erst vor zwei Wochen einen Tag der Offenen Tür und haben uns darauf eingestellt, die Asylbewerber willkommen zu heißen.“

Volker Herzog (SPD), Bürgermeister von Vorra

Viele Ehrenamtliche seien in Vorra bereitgestanden, um den Flüchtlingen zu helfen, sagte Gemeindepfarrer Björn Schukat dem BR. „Wir waren sicherlich auch mit ein paar Bedenken behaftet aber auf so einem guten, positiven Weg, schon fast der Vorfreude, zu sagen ‚wir packen das, wir nehmen diese Herausforderung an und bieten diesen Menschen ein möglichst würdevolles Leben'“, so der Pfarrer.

Reaktionen zum Brandanschlag in Vorra

Seehofer

Die Behörden würden alles tun, um Täter, Urheber und Anstifter zur Rechenschaft zu ziehen, versprach Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). „Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft“, betonte er. Die Menschen in Bayern ließen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung, die aus dieser Tat sprächen, nicht beirren, so Seehofer: „Bayern zeichnet sich durch die Hilfsbereitschaft und Unterstützung seiner Bürgerinnen und Bürger aus für diejenigen, die im Freistaat Schutz vor Krieg und Verfolgung und Obhut in Frieden suchen.“

Feuer in der Nacht ausgebrochen

Das Feuer war am Donnerstag (11.12.14) gegen 22.45 Uhr in dem leerstehenden Gasthaus in der Hirschbacher Straße ausgebrochen, teilte die Polizei mit. Eine Anwohnerin hatte den Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Als die Einsatzkräfte eintrafen, quoll starker Rauch aus dem Gebäude. In der Zwischenzeit wurden in einer Scheune mit Anbau und einem leerstehenden Wohnhaus in unmittelbarer Nachbarschaft ebenfalls Brände entdeckt. Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell löschen. Ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt.

Alternativen für 80 Asylbewerber

Brand in Asylbewerberunterkunft Vorra / Mittelfranken | Bild: Tomafotografie

Die geplanten Asylbewerberunterkünfte in Vorra sind zunächst unbewohnbar.

In den Häusern hätten Anfang Februar etwa 80 Menschen einziehen sollen, teilte die Regierung von Mittelfranken mit. Nach dem nächtlichen Brandanschlag müssen diese nun an anderen Orten untergebracht werden, sagte Regierungssprecher Michael Münchow. Seinen Worten zufolge stehen in Mittelfranken aber ausreichend viele Unterkünfte zur Verfügung. Der Regierungssprecher zeigte sich von dem Brandanschlag erschüttert. Die Meldung mache auch die Mitarbeiter in der Regierung von Mittelfranken besorgt und nachdenklich. Im Gegensatz zur Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf (ZAE) seien Gemeinschaftsunterkünfte wie die in Vorra nicht ständig bewacht.

Besserer Schutz für Flüchtlingshäuser

Nach dem Feuer will Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Sicherheitsmaßnahmen im Freistaat verschärfen.

„Entscheidend wird (…) sein, dass wir auf jeden Fall sicherheitshalber den Schutz anderer Asylbewerbereinrichtungen in Bayern noch verstärken.“

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Bayerischen Rundfunk

Im Hinblick auf die jüngsten Demonstrationen der Bewegung „Pegida“ appeliert Minister Herrmann, zwischen Organisatoren und den Menschen auf der Straße zu unterscheiden. Nicht alle 10.000 auf der Straße in Dresden seien Neonazis, so der Minister. Nötig sei daher nicht nur das Angehen gegen Gewalt unter manchen Islamisten, sondern auch eine Erklärung, warum die Bundesrepublik Asyl gewährt. „Wir haben da eine menschliche Verpflichtung“, so Herrmann. Allerdings gehe die Regierung damit sehr vernünftig um. Und da wo Missbrauch stattfinde, werde der Rechtsstaat auch entsprechend konsequent vorgehen. „Wer missbräuchlich hier ist, muss wieder in seine Heimat zurück“, sagte der Minister.

Stichwort: Attacken gegen Flüchtlingsunterkünfte

In Bayern ereigneten sich zwischen 2003 und 2012 insgesamt 32 Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte. Davon konnten nur 13 Fälle aufgeklärt werden. 18 der 32 Straftaten wurden „dem Phänomenbereich ‚Rechts'“ zugeordnet und als extremistisch eingestuft. Dies geht aus einer Antwort des bayerischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen im Februar dieses Jahres hervor. Von Januar 2007 bis Dezember 2013 wurden 55 Kampagnen gegen Asylbewerberunterkünfte bekannt. Dabei wurden in der Hauptsache Flugblätter verteilt und Transparente aufgehängt.

Quelle: Bayerischer Rundfunk

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