TLZ| Kurzer Prozess für Neonazi Brandt: Haftstrafe zwischen fünf und sechs Jahren wahrscheinlich


era. Schon kurz nach Beginn des Prozesses gegen den Neonazi Tino Brandt wegen Kindesmissbrauchs deutet sich ein schnelles Urteil an. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenkläger einigten sich in einer Pause auf ein schnelles Verfahren.
Der Thüringer Neonazi Tino Brandt wartet am 18.12.2014 im Landgericht in Gera mit einer Aktenmappe vor dem Gesicht auf den Beginn der Verhandlung. Foto: Martin SchuttDer Thüringer Neonazi Tino Brandt wartet am 18.12.2014 im Landgericht in Gera mit einer Aktenmappe vor dem Gesicht auf den Beginn der Verhandlung. Foto: Martin Schutt

Die Verteidigung habe eine „im wesentlichen geständige Einlassung“ ihres Mandanten angekündigt, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Neidhardt. Für den Fall, dass das Gericht die Aussage für glaubhaft einschätze, sei eine Haftstrafe zwischen fünf und sechs Jahren zu erwarten. Auf Nachfrage des Richters erklärte sich Brandt mit der Vereinbarung einverstanden.Das Geständnis fand am Mittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zuvor war schon die Anklage in geschlossener Sitzung verlesen worden. Damit folgte die zweite Strafkammer gleichlautenden Anträgen von Verteidigung, Anklage und Nebenklage. Der Schritt wurde mit dem Schutz der Privat- und Intimsphäre des Angeklagten und der Opfer begründet.Die Staatsanwaltschaft wirft dem 39-Jährigen vor, minderjährige Jungen für Sex bezahlt und sie gegen Provision an andere Männer vermittelt zu haben. Eines der Opfer soll noch nicht 14 Jahre alt gewesen sein und gilt damit rechtlich als Kind. Insgesamt werden 157 Fälle aufgelistet.Brandt, der bereits seit dem Sommer 2013 in Untersuchungshaft sitzt, galt in den 1990er Jahren als einer der führenden Neonazis in Ostdeutschland. So hatte er damals den „Thüringer Heimatschutz“ geführt, dem auch die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehörten. Nach der Flucht des Trios Anfang 1998 beteiligte er sich an der Unterstützung des späteren „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).Gleichzeitig arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Die rund 100000 Euro, die er über die Jahre für seine Spitzeldienste erhielt, benutzte er nach eigenen Angaben zur Finanzierung der rechtsextremen Szene. Nach seiner Enttarnung im Jahr 2001 trat er von seinem Amt als stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer NPD zurück.

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