WDR| Psychoterror von Neonazis: Fackelaufmarsch vor Flüchtlingsheim


Mindestens 20 Vermummte mit brennenden Fackeln haben am Freitagabend (06.02.2015) vor einem Asylbewerberheim in Dortmund rechte Parolen skandiert. Die Polizei nahm 13 Angehörige der rechten Szene vorläufig fest.


Polizeiwagen vor Asylbewerberheim
Polizei zeigt Präsenz vor dem Dortmunder Flüchtlingsheim

Wie die Polizei am Samstag mitteilte, hatten Zeugen gegen 21 Uhr die Beamten alarmiert. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich vor dem Flüchtlingsheim im Dortmunder Stadtteil Eving mindestens 20 Vermummte mit brennenden Fackeln versammelt haben. Den Aussagen zufolge skandierte die Menge ausländerfeindliche Parolen und brannte Pyrotechnik ab. Als die Polizei kurz darauf mit starken Kräften an dem Heim eintraf, hatte sich die Menge schon wieder aufgelöst. „Nur ein paar Fackeln lagen noch auf der Straße und dem Gehweg“, sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. Bei der Fahndung in den umliegenden Straßen wurden 13 Personen vorläufig festgenommen. Dabei soll es sich um bekannte Angehörige der rechten Szene handeln. Diese wurden zur Vernehmung ins Präsidium gebracht. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Es gab auch keine Sachschäden. Die 13 Verdächtigen kamen am Samstagmorgen wieder auf freien Fuß. Strafrechtlich relevant seien die gerufenen Parolen wohl nicht gewesen, meinte ein Polizeisprecher.

Polizeipräsident: „Unerträgliche Provokationen“

Die Dortmunder Polizei richtete noch in der Nacht eine 200 Mann starke Ermittlungskommission ein. Unter anderem wurden die Handys der Verdächtigen sichergestellt. Polizeipräsident Gregor Lange sprach von „unerträglichen Provokationen und Einschüchterungen“ von rechts, gegen die man vorgehen werde. Gerade Flüchtlinge benötigten besonderen Schutz. Linke Gruppen kündigten für Samstagabend eine Demonstration am Dortmunder Hauptbahnhof an. Man wolle dort Solidarität mit den Geflüchteten zeigen, hieß es in dem Aufruf.

Todesdrohungen gegen Journalisten


Erfundene Todesanzeigen
Neonazis veröffentlichten Todesanzeigen gegen Dortmunder Journalisten

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass offenbar Dortmunder Neonazis per Facebook und Twitter Todesdrohungen gegen Andersdenkende ausgesprochen hatten: Mehrere Journalisten erhielten am Montagabend (02.02.2015) via Twitter und Facebook Todesanzeigen – jeweils mit ihren Namen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Bereits seit Wochen werden derartige Todesdrohungen gegen Pressevertreter und Nazi-Gegner etwa aus den Reihen von SPD, Linken und Piraten über Accounts mit Namen wie „Jagd jetzt eröffnet“ in sozialen Medien verbreitet. In einer der Annoncen hatten die unbekannten Urheber gedroht, der Reporter werde „elendig verrecken“.

Rechte Hochburg in NRW

Dortmund gilt als eine Hochburg von Rechtsextremen in Nordrhein-Westfalen. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte vor zweieinhalb Jahren die Neonazi-Gruppe „Nationaler Widerstand Dortmund“ und zwei andere NRW-Gruppen im nahe gelegenen Hamm und in Aachen verboten. Sie seien fremdenfeindlich, rassistisch, antisemitisch und eine Gefahr für ein friedliches Zusammenleben, begründete er das Verbot. Kurz darauf gründeten ehemalige Mitglieder den Landesverband der Partei „Die Rechte“. Dagegen sah die Justiz keine Handhabe. Inzwischen sitzt der Landesvorsitzende der Partei im Dortmunder Stadtrat, nachdem „Die Rechte“ bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 einen Sitz in Dortmund errungen hatte.

Quelle: WDR

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