hr-online| Eine Woche misshandelt: Neonazis rasierten Gefangenem Glatze


 (Bild:  picture-alliance/dpa - Archiv)

Neonazis haben in Kassel einen Mann eine Woche lang gefangen gehalten und misshandelt. Zwei der Kidnapper wurden festgenommen. Einer von ihnen hätte vergangene Woche im NSU-Prozess in München aussagen sollen.

Zwei Neonazis aus Kassel sollen zusammen mit drei Komplizen einen 46-Jährigen eine Woche lang in einer Wohnung im Norden der Stadt gefangen gehalten und verletzt haben. Das Opfer sei geschlagen und getreten worden, hieß es am Mittwochnachmittag in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Dem 46-Jährigen sei während dieser Zeit in der ersten Aprilhälfte der Kopf geschoren sowie das Mobiltelefon und der Rucksack gestohlen worden.

Nach sieben Tagen gelang dem Opfer die Flucht. Warum er festgehalten wurde, sei nicht bekannt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft laut Nachrichtenagentur dpa. Die Männer waren sich nach ersten Ermittlungen zuvor einmal begegnet.

Kidnapper aus Neonazi-Gruppe „Sturm 18“

Bernd T. im Februar 2015 beim Münchner NSU-Prozess. (Bild:  hr)

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Bernd T. im Februar 2015 beim Münchner NSU-Prozess.
Die beiden Verdächtigen wurden am Mittwoch in Untersuchungshaft genommen. Ihnen wird Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl und Nötigung vorgeworfen. Dass es sich bei den Festgenommenen um Neonazis handelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit. Nach hr-Recherchen gehören beide dem rechtsextremen Verein „Sturm 18 Cassel“ an. Zuvor hatte bereits HNA.de darüber berichtet.

Der 40 Jahre alte Festgenommene ist der mehrfach wegen Gewalttaten und eines Tötungsdeliktes verurteilte Kasseler Neonazi Bernd T. Das Opfer wurde nach hr-Informationen in Räumen der rechtsextremen Gruppierung gefangen gehalten. Eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Kassel war am Mittwoch nicht mehr zu erhalten.

Bernd T. hätte in der vergangenen Woche zum zweiten Mal im Münchener NSU-Prozess als Zeuge aussagen sollen. Er sagte wegen Krankheit ab. In dem Prozess mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe sollte er über Kontakte von Kasseler Neonazis zur Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aussagen. Eines der NSU-Opfer ist der Kasseler Internet-Café-Besitzer Halit Yozgat. Er war 2006 erschossen worden.

Drei weitere Verdächtige

Die Ermittlungen in dem Kidnapping-Fall richten sich laut Mitteilung nicht nur gegen die beiden Festgenommenen, sondern auch gegen zwei 43 und 48 Jahre alte Frauen aus Kassel sowie einen 28 Jahre alten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Auch sie sollen den Mann in der Wohnung festgehalten haben und gehören laut HNA.de ebenfalls zu der rechtsextremen Gruppe.

Quelle: HRonline
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