Bundesregierung| Suche nach Eichmann wohl nicht sabotiert


Die Bundesregierung hat keine Hinweise darauf, dass Ende der 1950er Jahre die Suche deutscher Behörden nach dem geflüchteten früheren SS-Führer Adolf Eichmann sabotiert oder halbherzig geführt worden ist. Es gebe auch keine Hinweise darauf, warum die Suche letztlich erfolglos blieb, schreibt die Regierung in ihrer Antwort (18/4783) auf eine Kleine Anfrage (18/4628) der Fraktion Die Linke.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat den Angaben zufolge dem Auswärtigen Amt erstmals „mit Schreiben vom 11. April 1958 Hinweise auf den Verbleib von Adolf Eichmann übermittelt“. Aus den im Bundesnachrichtendienst (BND) verbliebenen Altunterlagen ergebe sich, dass der Auslandsgeheimdienst dem Landesamt für Verfassungsschutz in Rheinland-Pfalz am 8. September 1959 mitgeteilt habe, dass man den Aufenthaltsort des Altnazis nicht kenne. In dem Fernschreiben habe es geheißen, Eichmann solle sich „nach Karteinotierungen von 1952 in Ägypten und später in Argentinien aufgehalten haben. Wo sich sein derzeitiger Wohnsitz befindet, ist hier nicht bekannt.“

Dem BND hätten damals unterschiedliche Informationen zu Eichmann und seinem möglichen Aufenthaltsort vorgelegen. Aus den im BND verbliebenen Unterlagen ergebe sich auch nicht, ob andere Behörden vom BND vor 1959 über den möglichen Aufenthaltsort Eichmanns informiert worden seien. Gründe, warum dies möglicherweise nicht geschah, seien den Unterlagen ebenfalls nicht zu entnehmen. Auch aus den im BfV gesichteten Akten ergäben sich „keine Hinweise auf eine dortige frühere Kenntnis von dem Aufenthaltsort Adolf Eichmanns“.

Eichmann war der Hauptorganisator der Deportationen von Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Nach Ende des Krieges entkam er 1946 aus US-Gefangenschaft und lebte mit gefälschten Papieren weiter in Deutschland, bevor er sich über Italien nach Argentinien absetzte. In Buenos Aires lebte er unter dem Namen Ricardo Klement. 1960 wurde Eichmann vom israelischen Geheimdienst nach Israel entführt, in einem Prozess 1961 zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

Quelle. Deutscher Bundestag

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