Jungle World| Die totale Erinnerungslücke


Der hessische NSU-Untersuchungsausschuss hat sich kürzlich mit dem Fall des im Jahr 2006 in seinem Kasseler Internet­café ermordeten Halit Yozgat befasst. Die hessische Opposition und kritische Beobachter sind mit den Aussagen zweier Verfassungsschützer unzufrieden.

VON MARIE FRANK

Eines ist sicher: Andreas Temme war da. Doch seine Anwesenheit in dem Kasseler Internetcafé, in dem am 6. April 2006 der 21jährige Betreiber Halit Yozgat erschossen wurde, ist eine der vielen Ungereimtheiten, mit denen der hessische Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) konfrontiert ist. Temme, ein ehemaliger Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, behauptet, am Tag der Tat aus privaten Gründen in dem Internetcafé gewesen zu sein und von dem Mord an Halit Yozgat nichts mitbekommen zu haben.

Zu der Zeit führte er einen V-Mann aus der Naziszene, der zu den Unterstützern des NSU zählte und mit dem er am Mordtag zweimal telefonierte. Die Polizei ermittelte damals gegen Temme, zeitweise galt er sogar als Mordverdächtiger. Aus dieser Zeit stammt auch ein von der Polizei abgehörtes, gut halbstündiges Telefonat zwischen Temme und dem Geheimschutzbeauftragten des Landesamts für Verfassungsschutz, Gerald-Hasso Hess. Das Gespräch stand im Mittelpunkt einer Sitzung des Untersuchungsausschusses Mitte Mai.

Den Halitplatz in Kassel mit einem Gedenkstein für die Opfer des NSU gibt es seit 2012. Klarheit über die Umstände des Mordes an Halit Yozgat gibt es dagegen immer noch nicht

Den Halitplatz in Kassel mit einem Gedenkstein für die Opfer des NSU gibt es seit 2012. Klarheit über die Umstände des Mordes an Halit Yozgat gibt es dagegen immer noch nicht (Foto: PA / dpa / Uwe Zucchi)
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