WDR| NSU-Mord an Kioskbesitzer: Gab es Unterstützer in Dortmund?


Von Christof Voigt

Ende 2011 ist die rechtsextremistische Terrorgruppe NSU aufgeflogen. Seitdem wird ermittelt und untersucht. In München läuft seit zwei Jahren der NSU-Prozess. Parallel aber wird weiter spekuliert, ob der NSU auch hier in Dortmund Unterstützer hatte.


Montage: Eine Aufnahme des ermordeten Mehmet Kubasik, weisse Rose zum Gedenken und eine Kerze
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Das vermuten die Nebenklagevertreter der Familie des getöteten Dortmunders Mehmet Kubaşık. Im Verdacht, den NSU unterstützt zu haben, steht zum Beispiel die sogenannte Combat-18 Bewegung. Einer der Köpfe dieser militanten Neonazi-Gruppe ist der Dortmunder Marko Gottschalk. Der hatte sich ein halbes Jahr nach dem Auffliegen des NSU nach Schweden abgesetzt. Unsere Recherchen haben ergeben, dass Gottschalk jetzt wieder in Dortmund aufgetaucht ist, seit Ende März hat er mindestens drei Veranstaltungen der Dortmunder Neonazi-Szene besucht.

Radikalisierung der Szene in Dortmund

Zum Beispiel am vergangenen Donnerstag (28.05.2015) im Dortmunder Vorort Mengede. Die Neonazi-Szene der Stadt hetzt auf einer Kundgebung gegen Flüchtlinge. Dass Gottschalk sich wieder auf solchen Veranstaltungen blicken lässt, ist für den Journalisten David Schraven eine bedenkliche Entwicklung. Schraven hat sich intensiv mit der Combat 18-Szene und Gottschalk auseinandergesetzt.


David Schraven
Bild 2 vergrößernJournalist David Schraven

Über Gottschalk sagt er: „Dieser Mann hat sich als Kopf von C-18 in Deutschland gesehen, darüber gibt es Briefe, die liegen mir vor. Wenn der hier wieder auftaucht und gleichzeitig brennen irgendwo Asylbewerberheime, stehen wir vor einer Radikalisierung, die man auf gar keinen Fall unterschätzen darf.

C-18 steht für Combat 18, das heißt „Kampf für Adolf Hitler„. Diese Gruppierung ist der militante Arm eines weltweiten Neonazi-Netzwerkes. Gottschalk, der Sänger der rechtsextremistischen Band „Oidoxie“ ist, hat sich Combat 18 auf die Brust tätowieren lassen, neben dem Portrait von Rudolf Hess. Und Gottschalk hat etwa 2003 angefangen in Dortmund eine C-18-Zelle aufzubauen. Das sagt ein ehemaliger Wegbegleiter. Seine Musik lieferte den Soundtrack zu dieser Radikalisierung.

Kontakte zur NSU sind schwer zu beweisen

Schraven hält Gottschalk für einen gewaltbereiten Menschen. „Er inspiriert Menschen zur Gewalt. Es muss nicht immer er selber sein, der jemanden tötet, sondern er ruft mit seinen Liedern Leute dazu auf Terrormaschinen zu werden.


Marko Gottschalk (re.) auf Neonazi-Kundgebung in Dortmund-Mengede
Bild 3 vergrößernMarko Gottschalk (re.) auf Neonazi-Kundgebung in Dortmund-Mengede

Aber was hat die Dortmunder Combat 18-Zelle um Marko Gottschalk mit der Terrorgruppe NSU zu tun? Beweise für einen direkten Kontakt gibt es bis heute nicht. Nur Indizien, wie zum Beispiel die Brieffreundschaft von Robin S. zur mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe. Robin S., der zurzeit in Haft sitzt, war Mitglied dieser Dortmunder C-18-Zelle und enger Freund von Marko Gottschalk.

Deswegen fordern die Anwälte der Familie des Dortmunder NSU-Opfers Mehmet Kubaşık, dass Gottschalk als Zeuge im Münchener NSU-Prozess aussagen soll. Carsten Illius, der Anwalt der Witwe Elif Kubaşık, möchte gerne mehr über die militante Dortmunder Zelle um Marko Gottschalk wissen. Wie sahen zum Beispiel die Verbindungen der Dortmunder Neonazis nach Chemnitz aus? Dort haben die mutmaßlichen NSU-Terroristen erwiesenermaßen Unterstützer aus der C-18-Bewegung gehabt. Oder warum hat sich diese C-18-Zelle in Dortmund kurz vor dem Mord an Mehmet Kubaşık aufgelöst? Illius vermutet Unterstützer des NSU in den Reihen der C-18-Leute aus Dortmund. Die These der Generalbundesanwaltschaft, der NSU habe nur aus Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt bestanden und keine Helfer gehabt, hält Illius mittlerweile für absurd.


Viele Fragen, die bislang unbeantwortet sind. Wir haben natürlich auch versucht, mit Marko Gottschalk selber darüber zu reden. Vor einigen Wochen telefonisch, am vergangenen Donnerstag in Mengede auch persönlich. Aber über Combat 18 oder den NSU möchte der Neonazi nicht mit uns reden.

Quelle: WDR Studio Dortmund

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