ZDF Frontal 21| Neonazis in Halle und Bitterfeld


In der Region um Halle an der Saale sind seit mehreren Monaten gewaltbereite Neonazi-Gruppen aktiv. Sie nennen sich “Brigade Bitterfeld“ und “Brigade Halle“. Im Stadtteil Halle-Silberhöhe machen sie gezielt Jagd auf dort ansässige Roma-Familien.


„Sie haben meinen Kinderwagen angezündet“, erzählt eine Frau. „Dann haben zehn Nazis die Fensterscheiben eingeworfen, auf der Straße haben sie Böller nach mir geworfen.“ Mehrere Opfer berichten, dass Rechtsextreme ihre Wohnungen belagert und sie auf der Straße mit Messern und Elektroschock-Geräten bedroht hätten: „Seitdem gehen wir abends nicht mehr raus“, sagt ein Anwohner, der aus Rumänien stammt. Mehrfach gelang es den Rechtsextremen, im Stadtteil Silberhöhe Aufmärsche gegen Roma und andere Ausländer zu organisieren.

Hetze gegen Roma

Am 24. Juni 2015 wurde der 38-jährige Christian C. vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. C. hatte im Dezember in Halle-Silberhöhe die rassistische Liedzeile „Wir wollen keine fremden Parasiten“ gesungen, um gegen die dort lebenden Roma zu hetzen. Im Prozess behauptete er, „politisch neutral“ zu sein. Wenige Tage zuvor hatte C. jedoch an einer Neonazi-Demo in Merseburg teilgenommen, die von der „Brigade Halle“ angeführt wurde.
Die „Brigade Halle“ wird vom sachsen-anhaltinischen Verfassungsschutz beobachtet. Auf Facebook droht die rechtsextreme Gruppe den Zuträgern des Verfassungsschutzes: „Auch ein paar Worte an Euch V-Männer. Ihr denkt, dass Ihr sicher seid, nein, das seid ihr nicht (…) Euer Zeugenschutz-Programm hilft Euch auch dann auch nicht weiter, es sterben immer noch Leute.“

Vermummte Neonazis verfolgen Bürger in Bitterfeld

Auch in Bitterfeld patrouillieren rechte Brigaden. Vermummte Neonazis verfolgen Bürger bis in deren Wohnungen, um ihnen dort Gewalt anzutun. Der Wohnwagen einer Bewohnerin des „Alternativen Kulturwerkes Bitterfeld“ wurde mit einem Brandsatz angezündet und Täter aus dem Brigade-Umfeld lauerten einem Jugendlichen am Bahnhof auf: „Der Baseballschläger kam von hinten in den Rücken rein und die Quarzhandschuhe gleich auf die Schläfe“, berichtet das Opfer, der 16-jährige Nick. „Die wussten, wo sie hinschlagen mussten.“
Neonazis aus dem Umfeld der „Brigade Bitterfeld“ hatten Kontakte zur rechtsextremen „Old School Society“ (OSS). Vier Mitglieder der OSS wurden im Mai 2015 verhaftet. Sie sollen Bombenanschläge auf Flüchtlingsheime in Sachsen vorbereitet haben. Ein Facebook-Nutzer aus dem Umfeld der „Brigade Bitterfeld“ hatte die OSS aufgefordert, nach Bitterfeld zu kommen, um gemeinsam gegen politische Gegner vorzugehen.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl rechter Gewalttaten in Bitterfeld verfünffacht. „Sie treten zunehmend enthemmter auf“, sagt Jochen Hollmann, Chef des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt: „Unsere Sorge ist, dass sich dort ein Netzwerk bildet.“

Quelle: ZDF Frontal 21

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