junge welt| Lügner im Blick


NSU-Prozess: Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen Zeugen wegen Falschaussagen

Von Claudia Wangerin
Bild

Die Staatsanwaltschaft München I ist auf ein Phänomen aufmerksam geworden, das jeder aufmerksame Beobachter kennt: Im Saal A 101 des Oberlandesgerichts wird seit Beginn des NSU-Prozesses im Mai 2013 gelogen, dass sich die Balken biegen. Neonazis im Alter von Anfang 30 bis Mitte 40 schützen Gedächtnislücken vor, mit denen sonst allenfalls hochbetagte Senioren zu kämpfen haben. Soweit sie sich überhaupt erinnern wollen, spielen sie jeweils die eigene Rolle herunter und heben die von »Kameraden« hervor – oder unterstellen denen, die sie belasten, auch mal »Drogenwahn«. Allerdings wirken hauptamtliche Geheimdienstmitarbeiter im Zeugenstand auch nicht glaubwürdiger. Nach einem Bericht der Thüringer Allgemeinen vom Freitag hat aber die Staatsanwaltschaft München I nun in fünf Fällen Vorermittlungen gegen Zeugen im Prozess um das Terrornetzwerk »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) aufgenommen. Details wollte ein Behördensprecher demnach nicht nennen. Abschließend bewerten könne man den Sachverhalt ohnehin erst, wenn auch der Prozess abgeschlossen sei, hieß es.

weiterlesen

%d Bloggern gefällt das: