#HellesDeutschland| Niedersachsen – Bildungschancen für Flüchtlinge: Hochschulen öffnen Wege ins Studium


Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildungschancen von Abiturientinnen und Abiturienten aus Nichtakademikerfamilien sowie von Flüchtlingen zu erhöhen. Zu diesem Zweck fördert das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Projekte an Fachhochschulen, die diesen Zielgruppen den Einstieg ins Studium erleichtern. Für das Programm „Wege ins Studium öffnen“ stehen bis 2018 insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung.

„Die Studien- und Berufswahl hängt immer noch stark von der sozialen Herkunft ab. Wir wollen gegensteuern und sämtliche Bildungspotenziale ausschöpfen“, sagt die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić. „Vor drohendem Fachkräftemangel wird ständig gewarnt. Es ist daher wichtig, dass wir möglichst vielen jungen Menschen Bildungschancen eröffnen und ihnen den Weg an die Hochschulen ebnen.“

Das MWK fördert im Rahmen des Programms „Wege ins Studium öffnen“ insgesamt sechs Projekte an niedersächsischen Fachhochschulen. Ein Beispiel ist ein Vorhaben der HAWK Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, das auf die aktuelle Flüchtlingssituation reagiert. Ministerin Heinen-Kljajić hat dieses Projekt mit dem Titel „HAWK Open – Potenziale erschließen, Kompetenzen nutzen, Chancengleichheit erreichen“ heute gemeinsam mit HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Dienel vorgestellt. Die HAWK hat eine innovative Idee entwickelt, um Flüchtlingen und Asylsuchenden den Hochschulzugang zu erleichtern. Ihnen sollen durch niedrigschwellige Angebote – zum Beispiel Kontakte zu Studierenden, Sprach- und Kultur-Tandems oder Gasthörerschaften – passgerechte Bildungsangebote unterbreitet werden. HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Dienel hebt hervor: „Unser Ziel ist, Asylsuchende, die die Voraussetzungen mitbringen, auf dem Weg in das Studium zu unterstützen und ihnen zu einem gelingenden Studium zu verhelfen. Wir bieten ihnen mit Hilfe unserer Kooperationspartner auch Orientierung für unterschiedliche Bildungswege. Dafür entwickeln wir Angebote und Strukturen.“

Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajić betont: „Wir sollten Flüchtlinge nicht als Last betrachten, sondern die Chancen nutzen, die sich für beide Seiten bieten. Es kommen viele hochqualifizierte junge Menschen zu uns; viele haben bereits ein Studium begonnen oder Berufserfahrung. Qualifizierte Zuwanderer brauchen passende Bildungschancen, auch um zu verhindern, dass sie die berufliche Motivation und Qualifikation verlieren.“

Das Programm „Wege ins Studium öffnen“ ist ein Baustein des Fachhochschulentwicklungsprogramms (FEP), mit dem Niedersachsen seine Fachhochschulen in deutschlandweit einmaliger Form fördert und fit für die Zukunft macht. Im Zuge des FEP werden 3400 dauerhaft finanzierte zusätzliche Studienanfängerplätze und fast 200 neue Professorenstellen geschaffen.

Neben dem HAWK-Projekt werden folgende Vorhaben gefördert:

Hochschule Emden/Leer:
NEO-MINT 2015 Nachhaltige
Entwicklung Ostfrieslands mit MINT 2015

Projektlaufzeit: September 2015 bis Dezember 2018, Volumen: 549.426 Euro

Die Hochschule hat sich zum Ziel gesetzt, die Region Ostfriesland nachhaltig zu entwickeln, und mehr junge Menschen aus der Region für ein Studium, insbesondere im MINT-Bereich, zu ermutigen. Dazu kooperiert die Hochschule intensiv mit fast allen weiterführenden Schulen der Region sowie ausgewählten Kindertagesstätten und entwickelt besondere Lehrformate, um Schülerinnen und Schüler in allen Altersstufen anzusprechen. Hierfür sind folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Angebot von eintägigen Schnupperpraktika für ältere Schülerinnen und Schüler zur Unterstützung der Studienentscheidung
  • Entwicklung und Durchführung von technisch-naturwissenschaftlichen Lehreinheiten an Schulen für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1
  • Entwicklung und Durchführung von erfolgversprechenden Konzepten in der Region zur Heranführung von Mädchen an MINT-Studiengänge
  • Implementierung von MINT-Themen in Kindertagesstätten
  • Begleitung von Studierenden in der Studieneingangsphase (z.B. MINT-Café)

Abgerundet wird das Projekt durch ein Teilprojekt „Inklusion – auch für MINT“, in dem die Perspektiven des Fachbereichs Soziales und Gesundheit mit den Perspektiven des Fachbereichs Technik interdisziplinär kombiniert werden.

Als Besonderheit werden diese Maßnahmen fachbereichsübergreifend gemeinsam mit den Schulen und ihren Lehrern entwickelt. In den kooperierenden Schulen werden diese „verzahnt“ angewandt und außerdem schon während des Projekts in die jeweilige Hochschullehre integriert.

In diesem Projekt werden Studierende mit ähnlichem Bildungshintergrund als sog. Peers eingesetzt, die den Schülerinnen und Schülern als „Rollenvorbild“ dienen können. Die umfangreiche Unterstützung von Studienberatung und Gleichstellungsstelle runden das Angebot ab.

Hochschule Osnabrück: „Erfolgreich ins Studium! Phase II“ (Folgeprojekt), Laufzeit September 2015 bis Dezember 2018, Gesamtvolumen von 588.852 Euro

Das Projekt besteht aus drei Komponenten:

1. Interesse an Naturwissenschaft und Technik bei Schülerinnen und Schülern wecken durch interessante Angebote im Schülerforschungszentrum (SFZ Osnabrück). Die bestehenden Konzepte des SFZ sollen um Angebote für Schülerinnen und Schülern von Berufsbildenden Schulen erweitert werden. Insbesondere sollen die Bedürfnisse von Frauen und Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in den Blick genommen werden. In der Phase II wird das kooperative Konzept auf weitere Haupt- und Berufsbildende Schulen übertragen.

2. Aufbau eines Informationskonzeptes zur Unterstützung der Studienentscheidung: Auch hier sollen die speziellen Bedürfnisse von Studierenden der ersten Generation, Studierenden mit Migrationshintergrund und Frauen in technischen Fächern berücksichtigt werden. Schwellenängste sollen abgebaut und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt werden. In der Phase II ist eine Evaluation dieses Bausteins sowie eine institutionelle Verankerung und regionale Erweiterung geplant.

3. Begleitung in der Studieneingangsphase: Das bestehende Mentoringprogramm soll überarbeitet werden. Zudem sollen künftige Mentorinnen und Mentoren umfassend für ihre Aufgaben geschult werden und dazu beitragen, dass Studienanfängern aus den beschriebenen Zielgruppen der Studieneinstieg erleichtert wird. Für die Mentorinnen und Mentoren (vornehmlich erfahrene Studierende aus den Zielgruppen) soll ein Modul entwickelt werden, das im Rahmen der möglichen Wahlmodule aus dem Bereich „Social Skills“ als Studienleistung angerechnet werden kann.

Quelle: Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur

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