VICE| Döner, Dirndl, Deutschlandfahne – Ein Bericht von der Neonazi-Demo in Rosenheim


Döner, Dirndl, Deutschlandfahne – Ein Bericht von der Neonazi-Demo in Rosenheim

August 31, 2015

von Max Marquardt

Eigentlich ist in Rosenheim nicht viel los. Die Menschen sind eher genügsam, pflegen die bayrische Tradition und genießen die Vorzüge der Alpen. Auch scheint es die Rosenheimer eher weniger zu interessieren, dass ihre Stadt als einer der bekanntesten Drogenumschlagplätze des Freistaats gilt. Das absolute Highlight für die Rosenheimer ist das alljährliche „Herbstfest“. Bei der zweiwöchigen Rosenheimer Version der Münchner Wiesn geht die Stadt vollkommen steil—da darf dann schon mal in die Lederhosen geschifft und auf den Bürgersteig gekotzt werden. Herbstfest, das bedeutet endloser „Oans-Zwoa-Gsuffa“-Singsang, Ausnahmezustand und Starkbier, bis die Kehle brennt. Viele nehmen sich sogar extra Urlaub für die zweiwöchige Gerstensaft-Orgie im weißblauen Voralpenland.

Alles normal, alles easy, wenn da nur das Wörtchen „eigentlich“ nicht wäre. Denn die eigentliche Ruhe ist bereits seit Monaten dahin. Grund hierfür ist der Bahnhof der kleinen Stadt. Dieser gilt als Nadelöhr und Drehkreuz zweier großer Flüchtlingsströme: die Flüchtlingsroute vom Balkan und die vom Brenner in Italien. Tag für Tag kommen hier Hunderte verzweifelte Menschen an und werden in Rosenheim, der ersten größeren Stadt nach der österreichischen Grenze, aufgenommen und registriert.

Viele der Geflüchteten kommen danach in Unterkünfte in der Stadt oder in den umliegenden Gemeinden. Dieser Umstand trifft nicht überall auf Akzeptanz. Denn manch ein besorgter Bayer sieht sich durch die neuerdings vorherrschende Flüchtlingsproblematik in seiner Freiheit beraubt.

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