Zeit| Die Vorbilder der dunkeldeutschen Denker


Der rechte Hass auf Flüchtlinge, etablierte Politiker und Medien kommt nicht von ungefähr. Er ist Ausdruck einer langfristigen Strategie mit Wurzeln in den 1920er Jahren.VON CHRISTOPH GIESA

Politik, Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus, Rassismus, Freital, Pegida, Heidenau

Teilnehmer eines rechten Aufmarsches in Heidenau am Wochenende  |  © Sebastian Willnow/dpa

Wenn man sich mit den rechten Krakeelern und ausländerfeindlichen Gewalttätern, die derzeit in Heidenau, Freital und vielen anderen Orten die Schlagzeilen bestimmen, intensiver auseinandersetzt, mag man sich zunächst wundern. Wie kann es sein, dass diese „Dunkeldeutschen“ einerseits vorgeben, wahlweise das christlich-jüdische Abendland oder zumindest das Deutschland der Vergangenheit zu verteidigen, gleichzeitig aber alles tun, um wichtige Stützpfeiler unserer westlichen Gesellschaftsordnung zu diskreditieren? Dafür lohnt ein Blick in die Vergangenheit, namentlich in die 1920er Jahre.

Damals waren neben Hitlers Nationalsozialisten und revolutionären Kommunisten auch noch andere Kräfte eifrig dabei, die junge Weimarer Demokratie sturmreif zu schießen. Eine Gruppierung, die heute unter dem Namen „Konservative Revolution“ bekannt ist, hatte bemerkenswerte Parallelen zu dem, was wir heute erleben. Nicht nur, dass ihre Protagonisten – Köpfe wie Arthur Moeller van den Bruck, Oswald Spengler, Edgar Julius Jung oder Carl Schmitt – betont bürgerlich auftraten und oftmals eine gezielte Abgrenzung zu Hitler betrieben, den sie mit seinen Braunhemden als primitiv empfanden. Das entspricht dem heutigen dauernd zu hörenden „Ich bin kein Nazi“. Vielmehr nutzten sie die fast identischen Argumentationsmuster wie ihre Wiedergänger heute. Warnt Pegida vor der Islamisierung des Abendlands, ging es damals gegen die Slawisierung desselben. Warnen rechte Stichwortgeber wie Thilo Sarrazin und AfD-Politiker heute vor dem Aussterben der angestammten Deutschen und der Gebildeten aufgrund der vergleichsweise niedrigen Geburtenraten im Vergleich zu Türken, Arabern und anderen Ausländern, warnte Jung damals vor der Ausbreitung des „Polentums“, was dafür sorgen werde, dass es schon in den 1960er-Jahren keine Deutschen mehr geben werde.

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