Stern| NSA-Untersuchungsausschuss: Hier haben die Geheimagenten keine Namen – und keine Ahnung


Ein BND-Mann verplappert sich: Der Geheimdienst habe Beweismittel gelöscht. Ein seltener Moment: Meist rennen die Abgeordneten gegen Mauern aus Schweigen, Widersprüchen und Erinnerungslücken an. Teils absurde Szenen spielen sich dort bis spät in die Nacht ab. Ein Tag im NSA-Untersuchungsausschuss.

Von Samuel Rieth

Der Geheimagent sieht eher aus wie ein Finanzbeamter als wie James Bond. „Ich heiße K Punkt M Punkt“, stellt er sich vor. Nur ihre Initialen dürfen die Leute vom BND sagen – und leider auch sonst nicht viel. Vielleicht Mitte 50, Brille, grauer Anzug, leise Stimme: So sitzt K.M. an einem Tisch im Bundestag, vor sich im Halbrund rund ein Dutzend Abgeordnete.

Es ist 11.30 Uhr, im Europasaal beginnt die 62. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses. Der Sachbearbeiter vom Bundesnachrichtendienst ist der erste Zeuge an diesem Donnerstag. Neben K.M. sagen an diesem Tag D.B. und A.N. aus. Sie sollen unter anderem erklären, welche Rolle W.O. und R.U. in der Abhörbasis Bad Aibling spielten. Und was hat Dr. T. mit der Sache zu tun? Auch die Abgeordneten kommen da durcheinander. „Diese ganzen Kürzel machen mich völlig irre“, wird einer noch vor Ende des Tages rufen.

Dank Edward Snowden ist bekannt: Der BND hat der NSA beim Spionieren geholfen. Auch beim Ausspähen von Deutschen und Europäern, darunter Unternehmen und Politiker – so lautet der Vorwurf. Seit eineinhalb Jahren versucht der Untersuchungsausschuss, Licht ins Dunkel zu bringen. Ausgestattet mit einer Taschenlampe anstelle des Scheinwerfers, den er bräuchte.

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