mdr| Christoph Maria Herbst schämt sich für Demonstrationen gegen Flüchtlinge in Sachsen


Sie gehen Woche für Woche auf die Straße. Erst waren sie allgemein unzufrieden. Aber schon bald richtete sich der Zorn der Legida- und Pegida-Anhänger gegen die Flüchtlinge. In der Kultur-Szene Deutschlands regt sich dagegen schon längere Zeit Unmut. Jetzt findet der Schauspieler ersten Mal sehr deutliche Worte.

von Peter Beddies, MDR INFO

Man kennt ihn seit vielen Jahren als Stromberg, das Büro-Ekel vom Dienst. Das Hörbuch „Er ist wieder da“ wurde durch ihn zum Kult. Christoph Maria Herbst äußert sich nicht oft zum politischen Geschehen in Deutschland. Aber jetzt scheint eine Grenze überschritten worden zu sein: „Wenn ich gerade wieder lese, dass tausende Leute in Sachsen auf der Straße waren, um gegen Flüchtlinge zu demonstrieren, da schäme ich mich Deutscher zu sein. Oder ich schäme mich, dass Sachsen in meinem Deutschland leben.“

„Es gibt eben auch noch ein anderes Deutschland“

Bei dem Interview mit MDR INFO zu seinem neuen Film „Er ist wieder da“, in dem er eine eher kleine Rolle spielt, wollte sich Herbst aber nicht den Zorn aller Sachsen zuziehen: „Damit verdamme ich jetzt nicht das komplette Bundesland Sachsen. Es hätte genauso in Sachsen-Anhalt oder in Brandenburg passieren können. Aber es gibt, Gott sei Dank, eben auch noch ein anderes Deutschland. Und wir müssen beide Seiten irgendwie aushalten, die sind beide in uns.“

Christoph Maria Herbst verfolgt die Bilder aus Dresden und Leipzig jede Woche. Und er spricht von einer Angst, die sich langsam im Land breitmacht: „Das ist gut, dass wir diese Angst haben, weil ich hoffe, dass uns das wach hält. Und ich würde uns wünschen, dass wir da auch zunehmend an Politiker und Politikerinnen geraten, die mehr Agierende sind als Reagierende, die nicht mehr warten, bis ein Kind in den Brunnen fällt.“

Herbst will nicht alle Asylbewerber aufnehmen

Schauspieler Christoph Maria Herbst als Versicherungsangestellter Bernd Stromberg

MDR INFO

Christoph Maria Herbst über Wutbürger in Sachsen

08.10.2015, 06:48 Uhr |02:28 min

Außerdem spricht sich der Schauspieler dafür aus, dass man genau unterscheiden sollte, wer unsere Hilfe in Anspruch nimmt. Wenn zum Beispiel Menschen mit gefälschten syrischen Pässen bei uns ankommen: „Da muss dann auch Behörde und Politik durchgreifen und sagen, was ihr hier tut, ist nicht in Ordnung, weil ihr verstopft gerade die sehr engen Kanülen, durch die wir Menschen, denen wir wirklich helfen müssen, dass wir an die nicht mehr rankommen. Da muss man auch viel eindeutiger und schneller reagieren und solche Leute dann ausweisen, finde ich auch.“

Vertriebene statt Flüchtlinge

Generell hält es Christoph Maria Herbst für gegeben, den Begriff Flüchtlinge durch Vertriebene zu ersetzen. Denn mit dem könnten viele Deutsche noch etwas anfangen. Und darüber hinaus wünscht sich der Schauspieler auch mal wieder etwas mehr Optimismus in der Debatte: „Die Deutschen sind ja auch Spendenweltmeister weltweit. Diese Seite gibt es ja auch. Deshalb lasse ich mir die Deutschen auch nicht komplett madig machen und kaputt reden. Für die Menschen, die von dem Asylrecht Gebrauch machen wollen, weil sie eben genau das erfüllen, was im Asylrecht steht, für die müssen wir die Arme doppelt und dreifach aufmachen.“

Quelle: MDRinfo

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