SZ| NSU-Prozess: V-Mann-Verdacht


Der Zeuge ist Führungsfigur des rechtsradikalen Thüringer Heimatschutzes. Doch schnell kommt der Verdacht auf, dass er noch mehr ist: ein Spitzel des Geheimdienstes MAD.

Von Annette Ramelsberger

Der Zeuge kommt mit Anzug, Krawatte und Aktentasche herein, einen Anwalt an seiner Seite. Mario Brehme ist ein bekannter Rechtsradikaler, der Mann war Führungsmitglied des rechtsradikalen Thüringer Heimatschutzes, hat Jura studiert, nun ist er Pharmareferent, groß, schlank, akkurat gescheitelt.

An Namen seiner alten Kameraden könne er sich gar nicht erinnern, sein Thüringer Heimatschutz habe überhaupt keine Mitglieder gehabt, und auch Beate Zschäpe habe dort keinerlei Bedeutung gehabt – obwohl sie im Namen des Heimatschutzes eine Demonstration angemeldet hatte. Richter Manfred Götzl lässt ihn lange gewähren. Und der Zeuge fühlt sich sicher. Bis der Münchner Anwalt Yavuz Narin ihn etwas fragt. „Haben Sie jemals für den Militärischen Abschirmdienst gearbeitet“?

Und nun braucht der so selbstbewusste Zeuge plötzlich Hilfe. Sein Zeugenbeistand grätscht dazwischen. Die Frage sei nicht zulässig. Brehme könne die Frage nicht beantworten, weil er, falls er Mitarbeiter des MAD war, eine Aussagegenehmigung benötige. Wenn er die aber benötige, würde er die Frage ja mit Ja beantworten. Also könne er gar nicht antworten. Narin sagt: „Wenn er nicht Informant war, kann er die Frage beantworten.“ Und plötzlich bekommt der Nebenklageanwalt sogar Zuspruch von der Bundesanwaltschaft. Selbstverständlich sei die Frage zulässig, sagt Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten. Aber der Zeuge antwortet nicht.

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