FR| Das Netzwerk der NSU-Terroristen


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Der „Nationalsozialistische Untergrund“ ermordete mutmaßlich in sieben Jahren zehn Menschen, nirgends töteten die Täter so schnell hintereinander wie in Dortmund und Kassel. Hatten sie Helfer? Eine Spurensuche.

Tausende Neonazis in Deutschland teilten die Ideologie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Tausende teilen sie noch heute. Tausende, die zu denselben Aufmärschen gefahren sind, marschieren heute weiter. Tausende haben die gleichen Parolen gerufen wie ihre untergetauchten Kameraden, haben zur Musik derselben Bands gegrölt. Ihre Netzwerke sind teils noch aktiv. Waren unter diesen Neonazis auch einige bereit zu helfen, als der NSU wohl die gemeinsame Überzeugung umsetzte – „Taten statt Worte“, wie es die Terroristen nannten?

In Dortmund wird am 2. April 2006 Mehmet Kubasik erschossen. Am 6. April in Kassel der damals 21-jährige Halit Yozgat. Beide mit der selben Pistole vom Typ Ceská 83. Die Taten werden heute dem NSU zugeschrieben. Es sind die letzten einer offenbar rassistisch motivierten Mordserie, für die die Täter mit gemieteten Wohnmobilen unterwegs gewesen sein sollen. In ihrem Bekennervideo feiert der NSU auch die Morde in Dortmund und Kassel. Sie beschreiben sich dort selbst nicht als Untergrund-Zelle, sondern als ein „Netzwerk von Kameraden“. Im Münchner NSU-Prozess sitzen neben Beate Zschäpe aber nur vier mutmaßliche Unterstützer auf der Anklagebank.

Hatten die Mörder vor Ort Unterstützung?

Seit der Selbstenttarnung des NSU ist über jenes Netzwerk einiges bekannt geworden. Aufgedeckt durch Ermittlungen, Untersuchungsausschüsse und die Recherche von Journalistinnen und Journalisten. Unklar ist aber weiter, wie die Terroristen ihre Opfer und Anschlagsziele aussuchten. Trotz mittlerweile fast 250 Verhandlungstagen im NSU-Prozess, jahrelanger Ermittlungen des Bundeskriminalamts (BKA) und mehrerer parlamentarischer Untersuchungsausschüsse ist bis heute bei keiner der Taten bekannt, wie Opfer und Anschlagsziel ausgewählt wurden. Zu einigen Tatorten finden die Ermittler Skizzen, Karten und Notizen in der letzten Wohnung der mutmaßlichen NSU-Mitglieder. Es ist aber offen, wie sie bei der Planung vorgingen. Denn im Brandschutt der Zwickauer Wohnung liegen zahllose Listen – auch aus Städten, in denen dem NSU keine Taten zugeschrieben werden, und auch von Zielen, die nicht in das bekannte Raster passen.

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