Huff| Brief an Deutschland: Heimat, Du machst mir Angst in diesem Herbst


Liebes Deutschland,

ich sag’s Dir offen: Du machst mir derzeit Angst.

Manchmal ist mir, als wäre ich in einer anderen Zeit aufgewachsen. Dabei bin ich selbst erst 34 Jahre alt. Aber das Jahr 2015 ist mir fremd. Ich hätte nie gedacht, dass mir eines Tages mal wieder der Hass in Deutschland so präsent sein werde wie heute.

Dass sich Millionen Deutsche kollektiv in eine morbide Endzeitstimmung hineinventilieren und am Ende vielleicht sogar in ihrem Wahn tatsächlich um Leib und Leben fürchten, weil wir derzeit einige Hunderttausend Flüchtlinge mehr aufnehmen als noch im Vorjahr.

Und dass auf deutschen Marktplätzen selbsternannte Volkstribunen auftreten, die nicht nur die Intonation ihrer in die Jahre gekommenen Vorbilder beherrschen, sondern auch deren demagogische Tricks.

Ich bin dabei, das Grundvertrauen in meine Umgebung zu verlieren. Früher war es so, dass sich die Querschläger und Durchgedrehten auf die ein oder andere Weise isolieren ließen und man ihnen gut aus dem Weg gehen konnte. Es gab einen kleinsten gemeinsamen Nenner darüber, wo die Grenzen der Demokratie verliefen. Doch diese Grenzen lösen sich gerade auf.

Früher konnte ich mich völlig unbefangen durch Berlin bewegen. Heute frage ich mich: Wo kommt diese ganze Gewalt her, dieses Misstrauen? Fängt das erst bei der nächsten AfD-Demonstration vor der CDU-Bundeszentrale am Tiergarten an, wo flammende Parolen gebrüllt und andere verächtlich gemacht werden? Oder vielleicht schon bei Kleinigkeiten des Alltags?

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