Telepolis| NSU-Angeklagter Ralf Wohlleben: Aussagen werden zum Bumerang


Thomas Moser 15.01.2016
Statt einer Entlastung bestätigt der Jenaer Neonazi unfreiwillig die Vorwürfe gegen ihn

Ralf Wohlleben hat sich vor Gericht um Kopf und Kragen geredet. Die Befragung, der er sich freiwillig gestellt hat, ging am Donnerstag (14. Januar) weiter und endete am Nachmittag. Das Gericht hatte genug gehört. Dass danach die Ankläger der Bundesanwaltschaft keinerlei Fragen an den Angeklagten hatten, muss nicht überraschen. Aber auch für die Nebenkläger, die den Prozess mit ihren Initiativen immer wieder antreiben, hatte sich Vieles erledigt – im Sinne der Anklage.

Was von der Wohlleben-Verteidigung als Befreiungsschlag gedacht war, erwies sich als Rohrkrepierer oder schlimmer: als eine Aktion, die anzunehmender weise auf den Angeklagten zurückfallen wird. Unfreiwillig hat er viele Sachverhalte bestätigt, vor allem im Zusammenhang mit Geld- und Waffenbeschaffung für das untergetauchte Trio Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe.
„Der Wahrheit eine Gasse: Ralf Wohlleben wird sein Schweigen brechen“ – so hatten seine drei Verteidiger Nicole Schneiders, Olaf Klemke und Wolfgang Nahrath Ende November 2015 die Einlassung ihres Mandanten angekündigt. Eine eigene Wahrheit hat der aber nicht geliefert.
Durchgängiges Merkmal des wohllebenschen Aussageverhaltens war nicht, zu sagen: ‘So war es nicht‘, oder: ‘Ich war nicht dabei‘ – und dafür Belege zu liefern. Sondern er bekundete: „Kann sein, dass es so war, aber ich habe keine Erinnerung mehr“ (vgl. NSU-Prozess: Stress für Ralf Wohlleben). Er hat also Sachverhalte nicht ausgeräumt, sondern indirekt bestätigt.
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