Mittelbayerische| NSU: Und dann war das Spitzel-Handy weg


Hätte man das NSU-Trio schon vor den ersten Morden stellen können? Der Brandenburger Verfassungsschutz macht sich verdächtig.
Von Christoph Lemmer, dpa

Das Benehmen kann man getrost schnoddrig nennen. Bei der Zeugenaussage im NSU-Prozess musste ein Brandenburger Geheimdienst-Beamter unter anderem erst aufgefordert werden, seinen Kaugummi aus dem Mund zu nehmen. Das zumindest wird ein Nachspiel haben: Das „Verhalten des Zeugen wirft berechtigte Fragen auf“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. In der Sache allerdings – der Frage, ob das Amt und der Beamte bei der Fahndung nach dem späteren NSU-Trio versagten – da räumt das Ministerium nach wie vor kein Fehlverhalten ein.

Um diesen Punkt ging es aber vergangene Woche im Prozess. Der Zeuge war 1998 nah dran an Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die drei waren gerade erst in den Untergrund abgetaucht. Der Zeuge war V-Mann-Führer des Spitzels „Piatto“, ein Neonazi aus Königs Wusterhausen bei Berlin mit besten Kontakten ins sächsische Chemnitz.

Dorthin waren Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt geflohen. Unterschlupf hatten sie bei Mitgliedern der Chemnitzer „Blood & Honour“-Gruppe gefunden. Zu zwei Anführern dieser Gruppe, Jan W. und Antje P., hatte V-Mann „Piatto“ einen guten Draht.

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