N24|Wie sich die AfD-Chefin ins Abseits manövrierte


Beim Super-Wahlsonntag erzielte die AfD historische Ergebnisse. In der Partei herrscht ein erbitterter Machtkampf. Im Zentrum: Frauke Petry. Ein Vorfall vor Ostern zeigt, wie isoliert sie ist.

„Die Revolution frisst ihre Kinder“ – dieser Spruch könnte auch auf die rechtspopulistische AfD zutreffen. Parteichefin Frauke Petry, die vor acht Monaten den Sturz von Co-Chef und AfD-Mitbegründer Bernd Lucke angeführt hat, gerät nun selbst in Bedrängnis. Im 13 Mitglieder umfassenden Vorstand ist sie nach Angaben aus der Parteispitze marginalisiert. Dabei ist die 40-Jährige das Gesicht der Partei nach außen. Dass der AfD ein neuer Machtkampf mit Petry im Mittelpunkt schaden könnte, erachten Meinungsforscher aber als unwahrscheinlich.

Sichtbarstes Indiz für die drohende Isolierung der Parteivorsitzenden war der Bruch mit denPressesprecher Christian Lüth vor Ostern. Da Petry sich von ihm nicht gut vertreten sah, kündigte sie die Zusammenarbeit auf. Damit hätte Lüth normalerweise seinen Hut nehmen müssen. Da die übrigen zwölf Vorstandsmitglieder – darunter Co-Chef Jörg Meuthen – aber mit Lüth zufrieden sind, bleibt er Sprecher der Partei.

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Dieser Affront folgte nach wachsenden Verstimmungen über die Vorsitzende, heißt es in der Parteispitze hinter vorgehaltener Hand. Demnach soll Petry mit unabgestimmten Vorstößen die übrigen Vorstandsmitglieder vor den Kopf gestoßen haben. Für besonderen Ärger sorgte demnach ein Interview in der „Bunten“. Dort gab Petry nicht nur eine Einblicke in ihre Beziehung mit dem NRW-AfD-Chef Marcus Pretzell, der dort schwärmte, ihr Aussehen habe etwas „dämonenhaft Schönes„. Sie kritisierte auch Äußerungen ihres Stellvertreters Alexander Gauland zur Flüchtlingspolitik und nannte den von Parteivize Beatrix von Storch zeitweise befürworteten Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge „katastrophal“. Unglücklich sei man in der AfD-Spitze auch über ein Interview mit der Deutschen Welle, in dem die Parteichefin eine schlechte Figur gemacht habe, heißt es.

Dass die internen Streitigkeiten eine Gefahr für die AfD werden könnten, halten Experten jedoch für unwahrscheinlich. „Frau Petry hat noch lange nicht so eine Position, dass die AfD mit ihr steht und fällt“, sagte der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Forsa-Chef Manfred Güllner teilt diese Einschätzung. „Bei den bisherigen Wahlen spielten die Personen für die AfD keine so entscheidenden Rolle“, sagte er Reuters. Jung analysiert ganz ähnlich wie Güllner: „Die AfD ist als Partei eine recht heterogene Protestbewegung, die sich sehr stark an dem Thema Flüchtlingskrise festgemacht hat.“

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