tagesspiegel| Neue Erkenntnisse zum NSU: „Dann hätte das eine völlig neue Dimension“


Die NSU-Mitglieder Zschäpe und Mundlos sollen für Firmen eines V-Mannes gearbeitet haben. Die Enthüllungen werfen erneut Fragen nach NSU-Mitwissern etwa beim Verfassungsschutz auf.

VON UND
 
Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow hat schockiert auf neue Enthüllungen zur Neonazi-Mordserie reagiert. „Das Staatsversagen wird immer facettenreicher“, sagte Ramelow dem Tagesspiegel zur ARD-Dokumentation „Der NSU-Komplex“, die am Mittwochabend ausgestrahlt worden war. Er habe die Sendung selbst gesehen, erklärte der Linke-Politiker, ihm sei „die Kinnlade heruntergefallen“.

Der NSU-Terrorist Uwe Mundlos hat laut der ARD-Dokumentation zeitgleich mit Beginn der Neonazi-Mordserie für die Firma eines V-Manns des Verfassungsschutzes gearbeitet. Mundlos sei von 2000 bis 2002 bei einer Baufirma eines Zwickauer Neonazis tätig gewesen, berichtete ein Autorenteam der „Welt“ in der Fernsehsendung.

Ramelow sagte weiter, die neue Dokumentation mache deutlich, „dass das V-Leute-System ein verfaultes System ist“. Die entscheidende Frage sei nun, was diese Leute an ihre V-Mann-Führer berichtet hätten. Der Linke-Politiker erklärte: „Zu viele Ermittlungsbehörden haben die ganze Zeit gemauert“, deshalb sei auch die Arbeit der Untersuchungsausschüsse im Bundestag und in mehreren Landtagen noch immer nur auf der Ermittlungsebene stecken geblieben. Kanzlerin Angela Merkel habe versprochen, dass der NSU-Terror lückenlos aufgeklärt werde. „Ich würde mir wünschen, wenn diese Zusage mit Sonderermittlungsdruck umgesetzt wird, und nicht immer nur Journalisten vorbehalten bleibt.“

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