FAZ| Verteidiger im Reker-Prozess redet Tat klein


Der Mann, der Henriette Reker im vergangenen Oktober fast umbrachte, steht vor Gericht. Sein Anwalt argumentierte waghalsig: Würde die Politik mit den Bürgern besser kommunizieren, ließen sich „solche oder ähnliche Taten vielleicht weitgehend vermeiden.“

15.04.2016, von REINER BURGER, DÜSSELDORF

Nur ein paar Minuten braucht die Bundesanwaltschaft am Freitag im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf für die Verlesung der Anklageschrift, so klar ist der Fall Frank S. aus ihrer Sicht. Demnach war der 44 Jahre alte Arbeitslose am 17. Oktober, dem Tag vor der Oberbürgermeisterwahl in Köln, fest entschlossen, Henriette Reker zu töten – um ein Zeichen zu setzen gegen die „aus seiner Sicht insgesamt verfehlte Politik in Deutschland“, vor allem aber gegen die Flüchtlingspolitik.

Die parteilose Reker hatte sich S., der einst in rechtsextremen Kreisen verkehrte, nach Überzeugung der Generalbundesanwaltschaft ausgesucht, weil sie damals als Sozialdezernentin auch für Flüchtlinge zuständig war. „Er wollte verhindern, dass sie zur Oberbürgermeisterin gewählt wird.“ Zur Verschleierung seines Vorhabens bat S. die Politikerin laut Anklage um eine Rose. Reker wollte ihm gerade diesen Wunsch erfüllen, als Frank S. unvermittelt mit einem großen Jagdmesser auf sie einstach.

 

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